„Anlaufschwierigkeiten sind üblich“

Zwei Wochen nach der Umstellung bei den Buslinien im Raum Backnang fällt das Fazit durchwachsen aus – Betreiber sind zufrieden

Mehr, besser, kostengünstiger – so schwärmte Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper vom neuen Busangebot und sprach dieser Tage beim Neujahrsempfang gar von einem „freudvollen ÖPNV-Dreisprung“. Denn seit 1. Januar wird der Busverkehr von der in Schwäbisch Hall ansässigen Bahntochter Friedrich Müller Omnibusunternehmen GmbH betrieben. Doch das Fazit der Nutzer fällt zwei Wochen nach der Umstellung durchwachsen aus.

Die roten Busse der Bahntochter FMO prägen seit Jahresbeginn das Straßenbild nicht nur am ZOB Backnang. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Laut Papier sind die neuen Buslinien besser auf den Regionalexpress und die S-Bahn-Linien S3 und S4 abgestimmt. Und die südlichen Stadtteile Waldrems und Heiningen werden besser an die Einkaufsmärkte im Süden der Stadt angebunden. Und nicht zuletzt sind das Gesundheitszentrum und das Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker künftig besser per Bus erreichbar. Soweit der Plan. Aber grau ist alle Theorie. Viele Nutzer der Buslinien sind unzufrieden, seit der neue Betreiber am Start ist. Sind es nur Anlaufschwierigkeiten? Oder stimmt etwas grundsätzlich nicht? Die Bandbreite der Kritik ist sehr groß (siehe unten stehenden Artikel). Ein Bahnsprecher hingegen versucht zu relativieren. Bislang wurden erst sieben Ferienbetriebstage inklusive Sonn- und Feiertage und wenige Schulbetriebstage gefahren. „Wir befinden uns also noch in der Startphase.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass die drei Linienbündel mit einer Verkehrsleistung von über zwei Millionen Kilometer sehr groß und dementsprechend komplex sind. Insbesondere durch die zahlreichen Unterschiede bei den Schülerkursen seien die Dienst- und Umlaufpläne fast jeden Tag unterschiedlich. Der Bahnsprecher dazu: „Das verlangt unserem Fahrpersonal viel ab. Aus diesem Grund haben wir im Vorfeld mehr als die übliche Zeit für die Streckenkunde eingeplant. Trotz dieser Maßnahme war es dennoch klar, dass am Anfang nicht alles reibungslos laufen kann. Teilweise vorhandene Unsicherheiten – wie etwa beim Verkauf von Fahrausweisen – kosten Zeit und wirken sich auf die Pünktlichkeit aus. Diese Routine muss sich einspielen.“

Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist der Betreiber mit der Startphase zufrieden: „Wir legen unseren Fokus derzeit darauf, den angelaufenen Betrieb schnellst möglich zu stabilisieren. Unser Betriebspersonal vor Ort und unser Fahrpersonal ist sensibilisiert und bemüht sich, bei Problemen schnell für Abhilfe zu sorgen.“ Konkret auftretende Probleme wollen die Verantwortlichen von FMO und Deutsche Bahn priorisieren und sukzessive abstellen. Die Themenbereiche reichen zum Beispiel von Nachschulungen über die Optimierung von betrieblichen Abläufen bis zur Anpassung von Fahrlagen.

Die meisten Fahrer wurden mehrere Wochen vor der Inbetriebnahme eingestellt und geschult

Geht es nach der Einschätzung des Unternehmens, so bewegt sich die Kundenresonanz „unter Berücksichtigung einer Inbetriebnahme in dieser Größenordnung im normalen Rahmen“. Die Deutsche Bahn hat eigenen Angaben zufolge seit Dezember 2017 insgesamt 14 Linienbündel übernommen, überwiegend im Bereich des VVS. Nun erklärt ein Bahnsprecher: „Aufgrund der bisherigen Erfahrungen können wir ganz klar sagen, dass Anlaufschwierigkeiten üblich sind. Entscheidend ist, dass auftretende Probleme abgearbeitet werden, um möglichst schnell ein stabiles Betriebsbild zu erreichen. Das ist uns bisher gelungen und wird auch im Bereich Backnang gelingen.“ Er erklärt ferner, dass die DB AG im Vorfeld der Inbetriebnahmen auch immer wieder offen auf die möglichen Probleme hingewiesen habe. Und: „Wir haben im Vorfeld um Verständnis gebeten, wenn anfangs noch nicht alles rundläuft.“

Einer der größten Schwachpunkte bei einer solch umfassenden Umstellung sind die Fahrer. Die Frage, ob diese fachlich und zeitlich ausreichend geschult wurden, beantwortet der neue Betreiber eindeutig mit Ja. „Wir haben einen großen Teil des Fahrpersonals bereits mehrere Wochen vor Inbetriebnahme eingestellt. Dennoch kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass es an der ein oder anderen Stelle Unsicherheiten gibt. Aus diesem Grund besteht die Hauptaufgabe unseres örtlichen Personals darin, zeitnah nachzusteuern, wo Bedarf besteht.“