Verspätungen und Ausfälle verärgern am meisten

Nicht alle Fahrplanänderungen kommen bei den Busnutzern gut an – Kritik: Zu kleine Busse, Fahrer kennen sich nicht aus

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. „Wie sind Ihre Erfahrungen mit den neuen Buslinien?“ So lautete jüngst unser Aufruf an alle ÖPNV-Nutzer. Um es kurz zu machen: Die Resonanz war überwältigend. Dass nach der Umstellung der Zuständigkeit nicht alles auf Anhieb rundläuft, davon war auszugehen. Dass aber so viele Probleme zutage treten, damit war nicht zu rechnen. Lob gab es aber auch. Im Folgenden ein kleiner Auszug aus den Rückmeldungen:

Harald Schmetzer, Backnang: Als Betriebsratsvorsitzender muss ich zu den neuen Fahrplänen von den Lerchenäckern zum ZOB Backnang Folgendes sagen: Die Firma SMA hat um 6.15, 14.15 und 22.15 Uhr Schichtende. Der Bus fährt um 6.21, 14.21 und 22.21 Uhr. Unsere Mitarbeiter können den Bus nicht erreichen. Und wenn sie früher aufhören zu arbeiten, riskieren sie disziplinarische Konsequenzen. So viel zum neuen Fahrplan, super ausgedacht.

Tatjana Ottenbacher, Heiningen: Seit mehr als 20 Jahren fahre ich mit dem Bus 361 (Heiningen–Steinbach), aber so schlecht war die Situation noch nie. Die Bushaltestelle bei der Chelmsfordbrücke wurde gestrichen. Das war eine wichtige Bushaltestelle nur zum Aussteigen. Man konnte ganz schnell das Stadtzentrum erreichen. Besonders morgens, wenn der Bus Verspätung hatte. Zudem werden jetzt Gelenkbusse auf dieser Linie eingesetzt. Diese Busse sind für die engen und kurvigen Straßen in Waldrems und Maubach schlecht geeignet und sie brauchen mehr Zeit. Außerdem haben sie drei Türen. Es dauert länger, bis der Busfahrer alle drei kontrolliert und zumacht. Und die Monitore in vielen Busse zeigen keine Bushaltestellen an.

Debora Müller: Ich fahre jeden Tag mit der Linie 362 vom Tausgymnasium zum Bahnhof. Dort muss ich dann zwei bis drei Minuten auf meinen Anschluss nach Unterweissach warten. (Linie 365, 383, 384 oder seit neuestem 381). Allerdings wurde die Abfahrtszeit geändert. Statt 13.01 Uhr (was auch mit den Schulzeiten nicht ganz sinnvoll war) ist es jetzt 13.12 Uhr. Dadurch erreiche ich meinen Anschlussbus nicht mehr (nur mit ganz viel Glück am Schillerplatz). Dadurch muss ich dann 20 Minuten am Bahnhof warten, was ja eigentlich noch okay wäre. Aber dadurch, dass ich ohne Warten auch schon 50 Minuten brauche und mit den neuen Zeiten eine Stunde und 20 Minuten, und das jeden Tag, ist es ziemlich nervig. Weiterhin ist auch morgens die Verbindung von Weissach zum Tausgymnasium miserabel.

Rosemarie Oesterle, Backnang: Sie beklagt, dass drei Direktverbindungen vom Bahnhof Backnang zum Klinikum Winnenden ersatzlos gestrichen wurden. „Wenn Nachtbusse für Spaß und Spiele zur Verfügung gestellt werden können, dann muss auch eine Verbindung zum Krankenhaus für ältere oder gehbehinderte Menschen möglich sein.“

Andreas Holz, Maubach: An der Bushaltestelle Bregenzer Straße in Maubach kam zuletzt der Bus, mit dem die Schüler der Backnanger Schulen um 7.05 Uhr fahren sollen, am Montag elf Minuten zu spät und am Dienstag zehn Minuten zu spät. Am Mittwoch musste ein halbes Dutzend Schüler auf anderem Wege in die Schule kommen, weil der 7.05-Uhr-Bus überfüllt war und ohne sie weiterfuhr.

Harald Pfeiffer, Röhrach: Am 3. Januar wollte ich mit der Linie 367 um 21.55 Uhr vom Bahnhof nach Röhrach fahren. Der Bus kam nicht. Ich musste den Bus zwei Stunden später nehmen, da auch der folgende Bus ausgefallen ist. Während des Wartens sind mir die Ratten über die Füße gelaufen. Andere Fahrgäste haben sich fürs Taxi entschieden oder sind nach Großaspach gelaufen. Am Tag danach kam der Bus zwar, versäumte es aber, an der Haltestelle Röhrach auf offener Strecke zu halten. Mit dem Resultat, dass ich bis zur Haltestelle Karlshof mitfahren musste und einen eineinhalb Kilometer langen Heimweg hatte.

Luka Pavlekovic: Seitdem die 361er-Linie in Backnang von der DB übernommen wurde, läuft alles nur noch schief. Gestern habe ich insgesamt eine Stunde und 40 Minuten damit verbracht, auf den Bus zu warten. Dies ist aber keine Ausnahme. Manche Haltestellen werden einfach ignoriert und die Busfahrer fahren einfach dran vorbei, obwohl Leute an der Bushaltestelle stehen. Einfach nur schrecklich, was seit der Übernahme passiert ist.

Reinhard Muth, Althütte: Für Lutzenberg hat sich die Verbindung zur S-Bahn am Wochenende massiv verschlechtert. Die Linie 384 ist am Wochenende durch die Linie 382a ersetzt worden. So hat sich die Fahrzeit laut Fahrplan von 25 Minuten auf 50 Minuten verdoppelt. Mit dem Auto ist man sonntags in 20 Minuten von Lutzenberg am Bahnhof in Backnang.

Heike Heinze-Kühnle, Allmersbach im Tal: Ich finde es total super, dass es bei uns auf der Strecke Backnang–Allmersbach im Tal so viele zusätzliche Fahrten gibt. Bisher waren besonders Fahrten am Abend, in der Nacht und am Wochenende echt selten, dass hat sich nun doch sehr verbessert. Zu bemängeln habe ich nur, dass es morgens nur noch einen Schulbus ab Ortsmitte ins Bize gibt und der ist auch noch ein normaler Bus, kein Gelenkbus, also platzmäßig nicht ausreichend. Leider hat sich der vollmundig angepriesene Stundentakt in der ganzen Nacht vor Feiertagen und Wochenenden überraschenderweise im aktuellen Fahrplan in einen Zweistundentakt verwandelt.

Hans-Jürgen Kümmerer, Weissach im Tal: Ich mag in der Minderheit sein, aber für mich als Pendler wurde keines der Versprechen eingelöst, sondern im Gegenteil, das Angebot wurde bis zur Unbenutzbarkeit verschlechtert. An meinem Wohnort wurde für die einzige Haltestelle die Hälfte der Fahrten in der Hauptverkehrszeit ersatzlos gestrichen, also nicht einmal der Status quo erhalten. Bei einer verspäteten S-Bahn muss ich nun eine volle Stunde auf den nächsten Anschluss warten. Morgens wurde eine Busfahrt fünf Minuten später gelegt, weshalb der Regionalexpress in Backnang gar nicht mehr und die folgende S-Bahn nur mit Mühe erreichbar ist. Ich werde wohl umsteigen – aber vom Bus auf das Auto. War dies so gewollt?

Michel Saalbach, Benningen: Mein Fazit fällt durchweg positiv aus. Da die Buslinie 369 vom ZOB Backnang in den Kuchengrund gefühlt so selten wie der Orient-Express gefahren ist, musste ich seither immer den Bus in die Weissacher Straße nehmen und vom BayWa-Kreisel per pedes in den Kuchengrund pilgern und die Heinrich-Hertz-Straße queren. All das gehört jetzt der Vergangenheit an, da die Abfahrtszeiten den üblichen Arbeitszeiten von Arbeitnehmern im Industriegebiet angepasst wurden.

Martin Femiak, Steinbach: Der Bus der Linie 361, der am Dienstag um 9.46 Uhr am Lindenplatz abfahren sollte, war bis 10 Uhr nicht da. Dann bin ich mit dem Auto gefahren.

Barbara Kastin, Sachsenweiler: Für uns bedeuten die neuen Buszeiten, dass mein Sohn, Schüler der Max-Eyth-Realschule, eine halbe Stunde später aus der Schule nach Hause kommt. 2018 waren die Zeiten viel günstiger mit dem Schulschluss gekoppelt.

Wolfgang Meller: Bei der VVS-App gibt es keine Realzeitinformationen mehr und keine Informationen über Verspätungen oder Ausfälle. Ebenso gibt es im Bus keine Kameras und keine Anzeige der Uhrzeit mehr. Die Busse riechen noch neu, sind leise und sauber.

Andrea Zerahn, Steinbach: Mit dem neuen Betreiber der Buslinien habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht. Die Fahrer waren, soweit ich das beurteilen kann, immer höflich und der deutschen Sprache mächtig. Über eine zusätzlich eingeführte Fahrt habe ich mich auch schon gefreut. Allerdings habe ich auch von schlechten Erfahrungen anderer Fahrgäste gehört. Von diesen müssen sich die neuen Fahrer einiges anhören.