Gewitter faszinieren ihn besonders

Hobbymeteorologe Yannick Garbe begeistert sich für Wetterphänomene – Der 30-Jährige möchte Wetterhütte in Steinbach aufbauen

Yannick Garbe ist ein „Neu-Backnanger“. Der 30-Jährige stammt aus dem Bottwartal, wohnte in Erdmannhausen und lebt nun mit seiner Familie seit August in Backnang-Steinbach. Dort möchte der Hobbymeteorologe eine Wetterhütte errichten. Fünf Stationen hat der gelernte Chemietechniker schon: „Meine Leidenschaft gehört den Wetterphänomenen.“

Yannick Garbe an einer seiner Wetterhütten im Bottwartal. Foto: privat

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG. Im Rems-Murr-Kreis habe er noch keine Wetterstation, erzählt Yannick Garbe. Das soll sich nun aber ändern: „Ich habe vor, eine Station in Steinbach, in meinem neuen Wohnort, aufzubauen.“ Derzeit müsse er noch den Standort abklären und mit dem Ortsvorsteher sprechen. Ausgeguckt hat sich der junge Familienvater eine Wiese am Ortseingang von Steinbach. „Es stellt sich noch die Frage, ob der Grundstücksbesitzer mir da ein Plätzchen gewährt“, hofft der 30-Jährige. So eine freie Fläche für eine Wetterstation sei ideal, außerdem sei die Stelle nicht weit weg von seinem Wohnhaus: „Das wäre für die Funkübertragung perfekt.“ Wenn alles so klappt, wie Garbe es sich wünscht, dann wolle er in den kommenden Wochen mit dem Aufbau beginnen: „Einerseits möchte ich eine Wetterhütte aus Holz erstellen, die hat dann auch einen gewissen Charme zum Anschauen“, erzählt der junge Mann. „Andererseits wird es eine automatische Station geben, die mit Sensoren aus Kunststoff ausgestattet ist.“ Die digitalen Messgeräte könnten dann ihre Daten automatisch ins Internet stellen. Vielleicht richtet Yannick Garbe auch eine Webseite für das Backnanger Wetter ein: „Für Oberstenfeld habe ich ja auch eine.“

Mit sieben Jahren die ersten

Wetteraufzeichnungen gemalt

Insgesamt fünf Wetterstationen betreibt der gelernte Chemietechniker – die meisten in seiner Heimat, dem Bottwartal. Für die Marbacher Zeitung liefert er seit gut sieben Jahren Wetterberichte: „Das hat sich so ergeben, und macht mir sehr viel Spaß“, sagt Garbe, der auch als Wetterfotograf unterwegs ist.

Das Interesse und die Neugier auf das, was sich da in der Atmosphäre abspielt, hatte Yannick Garbe schon von Kindesbeinen an. „Mit etwa sieben Jahren habe ich meine erste Wetteraufzeichnung gemalt“, berichtet er und legt ein kariertes Blatt auf den Tisch. Darauf zu sehen: eine Skala mit blauen Balken, die im Stundentakt verdeutlichen, wie warm oder kalt es an jenem Tag war. Den Eltern von Yannick Garbe ist diese Leidenschaft nicht entgangen: Der gebürtige Oberstenfelder hat 2004 seine erste Wetterstation zu Weihnachten geschenkt bekommen. „Das war einzigartig“, freut sich Garbe heute noch darüber. Er teilt das Interesse für verschiedene Witterungslagen mit seinem Vater. „Mein Vater zeigte mir als Kind das Hochwasser, vom Orkan Lothar 1999 war ich beeindruckt. Damals habe ich die brachiale Gewalt des Wetters hautnah erlebt und mich gefragt, wie so etwas passieren kann. Das hat mich nicht mehr losgelassen.“

Der Draht zur Wissenschaft, zur Atmosphäre, zur Natur und den Gewalten – das packe ihn jedes Mal aufs Neue. Während sich unsereins bei Blitz, Donner, Regen und Gewitter lieber in die heimischen vier Wände verkriecht, zieht es Yannick Garbe mit seiner Kamera nach draußen. Selbst wenn er die Phänomene nicht im Bild festhält – er beobachtet intensiv: „Wo kommt das Gewitter her, wo zieht es hin? Ich habe einen Mordsrespekt, was da für eine Energie am Himmel frei wird.“ Bedrohliche Gewitterformationen und Nebelschwaden reizen den 30-Jährigen aber ebenso wie Sonne und Schnee. „Ich bin begeisterter Radfahrer, da ist es dann schon schöner, wenn die Sonne scheint.“ Den Schnee liebe er auch. Er muss schmunzeln, als die Frage nach der „weißen Weihnacht“ aufkommt, die 2018 ausgeblieben ist. „Rein statistisch wäre es eigentlich an der Zeit gewesen, dass es am 24. Dezember wieder mal schneit.“ Denn die letzte weiße Bescherung hat 2010 stattgefunden und im Schnitt gebe es nur alle sieben oder acht Jahre weiße Weihnachten. „Am 24. Dezember 2010 schneite es ausgiebig. Das war wie ein Sechser im Lotto“, erinnert sich Garbe. Es sei aber ein Irrglaube, dass früher an Weihnachten häufiger Schnee lag. Was klar zu belegen sei: „Der Winter zieht sich nach hinten raus, also eher in den Februar und März. Das konnte man in den vergangenen Jahren gut beobachten.“

Täglich hat Yannick Garbe seine Wetterstationen im Auge

Etwa zwei Stunden am Tag widmet sich der 30-Jährige den Geschehnissen in der Luft und am Himmel. Kein kostengünstiges Hobby, gibt der „Neu-Backnanger“ zu: Eine vollautomatische Station mit der Grundausstattung koste ab 1000 Euro aufwärts, hinzu kommen die laufenden Kosten oder Ausgaben, wenn etwas an den Stationen beispielsweise durch Hagel kaputtgehe. Seine Wetterstationen hat er täglich im Auge: „Meistens liegt das bei mir auf dem Weg. Entweder wenn ich unterwegs zur Arbeit bin oder zum Einkaufen fahre.“

Der Klimawandel sorgt für Wetterkapriolen – was sagt der Hobbywettermann dazu? „Schwierig zu beschreiben“, antwortet Yannick Garbe nachdenklich. „Es ist auf jeden Fall so, dass das Wetter intensiver wird.“ Soll heißen: Solche Ereignisse wie in Braunsbach, als Starkregen für Erdrutsche sorgten und den Ort verwüsteten (wir berichteten), könnten immer wieder auftreten. „Solche Wetterlagen nehmen zu, das kann man prophezeien.“ Von der Aussage, dass Unwetter, Orkane, Tornados oder weitere unschöne Wetterereignisse in den vergangenen Jahren zugenommen haben, distanziert sich Yannick Garbe: „Es ist richtig, dass es durch die heißeren Sommer das eine oder andere Gewitter mehr gibt. Aber grundlegend hat sich die Wahrnehmung verändert und ist durch den medialen Eindruck ausgeprägter.“ Früher habe es im Norden einen Sturm gegeben, das sei in den Tagesthemen erwähnt worden und fertig. Heutzutage, in Zeiten von Facebook, Instagram und weiteren sozialen Netzwerken, lade jeder Wetterbilder von Windhosen, Tornados oder Blitzen hoch. „Somit empfindet man die Wetterkapriolen als häufiger, als sie eigentlich sind“, vermutet Garbe.