„S’ghert gscheid kehrt“

Alois Gscheidle präsentiert sein zweites Solo- Programm im vollbesetzten Rentamtskeller Oppenweiler

Das Kind hat eine volle Windel? Für Papa Alois Gscheidle kein Problem: Er gibt den Sprössling genau so im Kindergarten ab. Foto: J. Fiedler

OPPENWEILER (jf). Das Publikum im ausverkauften Rentamtskeller bekam nicht nur ein „Schwäbisches Kabarett zum Anfassen“ geboten, sondern auch Bauchweh und Tränen vor Lachen frei Haus geliefert. Mit „s’ghert gscheid kehrt“ präsentierte Kabarettist Alois Gscheidle sein zweites Solo-Programm.

Er beginnt im beigefarbenen Wollpullover, ausgestattet mit Klangschale und Pendel. Om ist das Zauberwort – und die Location muss vorab von allen negativen Einflüssen gereinigt werden, bevor es weiter geht. Alois Gscheidle weiß auch, warum alle Diäten nichts bringen: Dies hänge nur von der Mondphase ab: Bei abnehmendem Mond dürfe man alles essen, nicht so bei zunehmendem Mond, da führe selbst das Radieschen am Tellerrand zur starken Gewichtszunahme.

Im Laufe des Abends schlüpft der Kabarettist in viele verschiedene Rollen und nimmt dabei alles und jeden auf die Schippe. Als Straßenkehrer rechnet er mit der Politik ab. Denn nach einem bösen Unfall mit dem Besen und der Schulter braucht er nun neue Arbeit. Politiker will er werden und am besten Bürgermeister. Aber beim Arbeitsamt gäbe es keine freien Ausbildungsplätze und „Bürgermeister ist der einzige Meisterberuf ohne Ausbildung“.

In der Rolle des Briefträgers der umgeht er das Briefgeheimnis, liest Postkarten und nennt seine individuelle, eigenartige Postzustellung postdynamisch und sein Eigen. Als DRK-Sanitäter endet seine eigene Demonstration der Stabilen Seitenlage mit dem Satz „Und nun das linke Bein durch den angewinkelten Arm ziehen“.

Im grünen Minikleid, blonder Kurzhaarperücke, roten Pumps und hautfarbenen Kniestrümpfen über den haarigen Waden kehrt Gscheidle das Laub auf dem Gehweg hin und her, bis er am Ende nicht mehr weiß, wer jetzt für dessen Beseitigung verantwortlich ist – eine augenzwinkernde Hommage an die Kehrwoche. Dann schlüpft Alois noch in die Rolle des frisch gewordenen Papas, der seinen Sprössling Kai-Rüdiger mit voller Windel im Kindergarten abgibt, nachdem zuvor keine Frau im Publikum die volle Windel in ihrer Handtasche entsorgen will.

Den Schluss bildet Gscheidle im gelben Pullover und schwarzer eckiger Brille als Sänger und erteilt einem Mitglied des Musikvereins Reichenberg Gesangsunterricht. Vorher hatte Alois Vorschläge für ein Abschlusslied wie „Auf de schwäb’sche Eisebahne“ abgelehnt – wegen Stuttgart 21 sie dies nun verboten.