Jugendliche sollen mitreden dürfen

Im Oppenweiler Gemeinderat haben die Schul- und die Jugendsozialarbeiterin ihre Arbeit vorgestellt

An der Gemeinschaftsschule in Sulzbach wurde die „Wilde Pause“ schon erprobt. Das schwebt der Schulsozialarbeiterin Sophia Morcher auch für Oppenweiler vor. Archivfoto: J. Fiedler

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. „Man ist oft geneigt, zu fragen, warum es eine Kinder- und Jugendsozialarbeit braucht, wenn man keine Probleme mit Jugendlichen hat“, stellte Oppenweilers Bürgermeister Bernhard Bühler in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats fest. Doch daran, dass es keine offensichtlichen Probleme in Oppenweiler gebe, könne man den Wert jener Arbeit erkennen. „Ich warne davor, hier nachzulassen“, so Bühler. Anlass waren die Jahresberichte der Schulsozialarbeiter sowie der Angestellten für die offene Jugendarbeit.

Sophia Morcher ist mit einem Umfang von 50 Prozent an der Murrtalschule tätig. Sie steht den 124 Schülerinnen und Schülern im Schulalltag zur Verfügung, wenn diese über schwierige Situationen sprechen und gemeinsam nach Lösungsstrategien suchen wollen. Im vergangenen Jahr haben 74 Schüler dieses Angebot wahrgenommen. „Aus ganz verschiedenen Gründen“, wie die Sozialpädagogin mitteilte. „Erschreckend hoch“, fand Erhard Friz, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählervereinigung, diese Zahl. Doch Morcher erklärte: „Das ist ein Von-bis-Bereich, da ist alles mit dabei.“ Manchmal gehe es auch um Missverständnisse zwischen den Schülern. Bei insgesamt 45 Schülerinnen und Schülern hat sich die Einzelfallhilfe über mehr als drei Termine erstreckt. Themen waren laut Morcher in vielen Fällen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Kindern, das Gefühl, gemobbt zu werden, aber auch die Familiensituation zu Hause. „Viele Kinder haben eine niedrige Frustrationstoleranz und kein starkes Selbstwertgefühl“, hat die Sozialarbeiterin festgestellt.

Auch die Eltern suchen manchmal den Kontakt zu Morcher: Im vergangenen Jahr sei sie mit 24 Erziehungsberechtigten im Gespräch gewesen, berichtet sie. „Eltern nehmen oft Kontakt auf, wenn die Kinder zu Hause belastet wirken oder von Mobbing erzählen.“ Bei Bedarf vermittle sie die Eltern auch an individuelle Hilfsangebote weiter.

Doch nicht nur die Einzelfallhilfe für Schüler gehört zum Aufgabenbereich der Schulsozialarbeiterin. Bei schwierigen Klassensituationen unterstützt Morcher auch die Lehrer – ein Angebot, das sechs von zehn Lehrkräfte auch wahrgenommen haben. Ein Baustein für ein gutes Miteinander hat Morcher in Form eines Klassenrats etabliert. „Der soll anregen, dass die Kinder selbst mehr mitwirken.“ Die Schüler können ihre Sorgen, Wünsche und Probleme vorbringen, die dann mit der gesamten Klasse besprochen werden. Zudem werden im Klassenrat auch verschiedene Aufgaben verteilt.

„Wilde Pause“ ist ein Wunsch

der Schulsozialarbeiterin

Ein weiteres Projekt für mehr Selbstbehauptung, das sich an die Mädchen richtet, ist die AG „Starke Mädchen“. Diese hat Sophia Morcher im Februar 2018 eingeführt. Mit insgesamt zwölf Schülerinnen machte sie Übungen und Spiele zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Erlangung von Durchsetzungsvermögen. Für jene Schülerinnen und Schüler, die zu viel Energie haben oder gar Aggressionen abbauen möchten, würde Morcher gerne eine „Wilde Pause“ einführen. Dieses Projekt, das beispielsweise in der Gemeinschaftsschule in Sulzbach schon erprobt wurde, ermöglicht es Kindern, unter Aufsicht und der Einhaltung vereinbarter Regeln, auf einer Matte zu raufen und zu rangeln. Das sei aber derzeit in der Murrtalschule nicht umsetzbar, räumte die Schulsozialarbeiterin ein. „Zum einen sind die Anschaffungskosten für eine Matte zu hoch, außerdem haben wir nicht den nötigen Platz.“ Das wollten die Gemeinderäte nicht akzeptieren. In der Gemeindehalle gebe es vier oder fünf solcher Matten, sagt Gudrun Rauh, Fraktionsvorsitzende der Freien Gemeindeliste. Davon könne man bestimmt eine an die Schule ausleihen. Und Platz gebe es womöglich im Sturmfedersaal.

Im Anschluss an Sophia Morchers Jahresbericht stellte auch Denise Moser ihre Tätigkeit in der offenen Jugendarbeit im vergangenen Jahr vor. Donnerstags, freitags sowie jeden zweiten Samstag steht es Kindern und Jugendlichen frei, sich in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde zu treffen, sich mit anderen zu treffen, zu spielen oder sich mit Moser auszutauschen. Das Angebot ist kostenlos und offen für alle Jugendlichen von 10 bis 21 Jahren. 2018 verzeichnete der Jugendtreff 461 Besuche. Wichtig sind der Jugendarbeiter das Prinzip der Partizipation, der Geschlechtergleichheit sowie der Integration. Das sei nicht immer alles einfach. „Mädchen sind ganz stark in der Unterzahl“, hat Moser festgestellt. Etwa 70 Prozent der Besucher des Treffs sind Jungen. Das liege einerseits daran, dass die Mädchen von den Eltern aus oft nicht über die gleichen Freiheiten verfügen wie Jungs – „sie dürfen nicht so viel“ – aber auch, dass sie sich weniger trauen.

Problematisch gestalte sich auch die Unterbringung. Zwar sei sie der evangelischen Gemeinde sehr dankbar für die Räume, betonte Moser, doch durch die Ansiedlung in der Kirchengemeinde sei es unmöglich, die angestrebte Gleichberechtigung aller Religionen zu gewährleisten. Auch bieten die Räume durch die großen Fenster keine Anonymität, die Moser für ihre Arbeit gerne hätte. „Die Kinder brauchen einen geschützten Raum, wo sie nicht unter Beobachtung stehen“, betonte sie. Und auch die Wünsche der Jugendlichen, die Räume anders zu gestalten, könne sie nur sehr bedingt erfüllen. Hingegen richte sie sich bei der Ausstattung nach den Vorlieben der Jugendlichen. „Wegen mir bräuchte es keine Spielkonsole“, sagte die Jugendarbeiterin schmunzelnd. Aber das sei den jungen Leuten nun mal sehr wichtig.

Zwar können die Besucher des Jugendtreffs sich einfach nur zum „Chillen“ treffen, oftmals organisiert Denise Moser aber auch spezielle Programme oder Ausflüge. Ob ein Filmabend, ein Ausflug zur Sommerbobbahn oder ein Erlebnistag auf dem Reiterhof oder in die Kletterhalle – das Angebot ist vielfältig. Zusätzlich leiste sie auch Einzelfallhilfe, erzählte Moser. Gerade bei Themen wie Streits, Sexualität, der Umgang mit den Eltern, Drogen und Alkohol oder die Gestaltung des Lebenswegs suchten die Jugendlichen das Gespräch. In geringerem Maße suche sie auch bekannte Treffpunkte im Ort auf, gab Moser auf Nachfrage an. Richtige Brennpunkte gebe es allerdings nicht. „Das Kriegerdenkmal ist ein beliebter Treffpunkt – gerade bei den älteren und bei Pärchen.“ Probleme mit Drogen oder Ähnliches seien ihr diesbezüglich aber nicht bekannt.

Als Ausblick auf das laufende Jahr äußerte Denise Moser den Wunsch, eine Mädchengruppe zu etablieren sowie eine Kooperation mit den Schulen in Sulzbach anzustoßen.