Ein humorvoller Bildberichterstatter

Christian Schweizer stellt beim Kunstgespräch seine Recherchen zum Murrhardter Maler Georg Adam Eger vor

Der in der Walterichstadt geborene Georg Adam Eger (1727 bis 1808) war ein berühmter, vielseitiger und lebensfroher Tier-, Jagd- und Porträtmaler in der Zeit des Rokoko. Zunächst arbeitete er in Darmstadt, später in der Region Hohenlohe, Öhringen und Schwäbisch Hall sowie in Göppingen.

Beim jüngsten Kunstgespräch steht der Murrhardter Maler Georg Adam Eger im Mittelpunkt. Die Besucher schauen sich mit Kuratorin Gabriele Rösch (Zweite von links) und Christian Schweizer (Mitte) Porträts – links Johann Christoph Glenk (1779) und auf der Staffelei Herzog Carl Eugen (um 1768) – sowie Stiche des Künstlers an. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Im ersten Kunstgespräch des Jahres präsentierte Christian Schweizer, Leiter des Carl-Schweizer-Museums, neue Erkenntnisse über Leben und Werk des Künstlers vor einer indes nur kleinen Zuhörergruppe. „Aus ortsgeschichtlichem Interesse“ habe er seit der Ausstellung über Georg Adam Eger 2013 in der Städtischen Kunstsammlung dessen Familiengeschichte erforscht, der übrigens „um einige Ecken“ mit den Murrhardter Familien Zügel und Nägele verwandt war und vielfältige Beziehungen unterhielt, erzählte Schweizer.

So stand Eger in Verbindung zu etlichen bekannten Künstlern seiner Zeit und arbeitete auch mit einigen zusammen, wie mit Johann Elias Ridinger, dessen Stil und Werke sehr ähnlich sind. Ebenso hatte Eger gute Kontakte zu Persönlichkeiten des weitverzweigten Netzwerks der Ehrbarkeit, also des Bildungsbürgertums, und des Pietismus. Schweizer nimmt an, dass der Maler in Augsburg ausgebildet wurde, als Lehrer vermutet er Johann Christoph Grooth und seine Söhne, möglicherweise auch Karl Wilhelm de Hamilton. Ab 1748 war er als Hofjagdmaler des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt tätig.

Dieser veranstaltete viele große Jagdgesellschaften und Parforcejagden mit hetzenden Hundemeuten und Jägern zu Pferd. Diese begleitete Eger als guter Reiter und Bildberichterstatter, wobei er viele Skizzen für naturgetreue Tierdarstellungen und zahlreiche teils großformatige Jagdgemälde anfertigte. Schweizer beschrieb Eger als humorvoll, lebensfroh und erzählfreudig, was das Jagdtagebuch mit reizvollen Bildern und köstlichen Schilderungen von merkwürdigen, teils auch peinlichen Vorkommnissen beweist. „Kuriositäten und Besonderheiten waren im Barock und Rokoko sehr beliebt zur Unterhaltung“ der höfischen Gesellschaft, ergänzte Kunsthistorikerin Gabriele Rösch, Kuratorin der Städtischen Kunstsammlung.

Für den Maler bedeuten der Stadtbrand und Tod des Landgrafen einen tiefen Einschnitt

Der Murrhardter Stadtbrand 1765 und der Tod des Landgrafen 1768 bedeuteten für Eger einen tiefen Einschnitt und den Beginn einer neuen Epoche. Er kehrte zunächst in seine Heimatstadt zurück und musste sich ein neues Aufgabenfeld suchen. Dank seiner Beziehungen avancierte er zum Porträtisten der Fürstenfamilie Hohenlohe-Öhringen, des Haller Patriziats, des Göppinger Bürgertums sowie von Persönlichkeiten der Ehrbarkeit. Von 1783 bis zu seinem Tod 1808 arbeitete er in der Walterichstadt. Spannende Einblicke in Egers Leben und seine Familie gewährt ein spektakulärer Fund, den Christian Schweizer im Privatarchiv des großherzoglichen Hauses Baden im Generallandesarchiv Karlsruhe entdeckte: ein 1780 verfasstes Bewerbungsschreiben Egers an Markgräfin Caroline Luise von Baden, Tochter des Landgrafen Ludwig. Sie war eine selbstbewusste, vielseitig gebildete und künstlerisch begabte Frau, die selbst malte und musizierte und in Kontakt zu den berühmtesten Geistesgrößen der Zeit stand.

In seinem Brief an die Markgräfin berichtete Eger, dass seine Tochter Johanna Dorothea Regina ebenfalls als Malerin tätig ist und seine Frau Maria Juliana Katharina ihn bei seiner Arbeit unterstützt. Zudem erwähnte er zwei Gemälde, die er selbst als „die fleißigsten“ (besten), „welche ich jemals gemalt habe“ einschätzte: die qualitätvollen Ganzfigurenporträts des Fürstenpaares Hohenlohe-Öhringen. Mit dem Bewerbungsschreiben sandte er zwei Porträtstudien des Markgrafen und der Markgräfin. Damit wollte er sich als Hofmaler bei Caroline Luise empfehlen, die bei Eger und seinen Kollegen malen lernte, hatte jedoch keinen Erfolg.

Weiter informierte Christian Schweizer über einige Jagdgemälde und Porträts, die in jüngster Zeit im Kunsthandel und bei Auktionen verkauft wurden. Teils sind sie von Georg Adam Eger signiert, teils nicht, werden ihm aber zugeschrieben. Der Heimatgeschichtsforscher versuchte, dies anhand verschiedener Merkmale zu belegen, die für Eger typisch sind. So die sehr sorgfältige und detailgenaue Wiedergabe verschiedener Bildelemente, wie die Textilienoberflächen und Stoffstrukturen, aber auch Haltungen und Positionen von Personen. Doch: „Da muss man mit Zuschreibungen sehr vorsichtig sein“, machte die Kunsthistorikerin deutlich. Denn „die Qualität von Porträts in der Barock- und Rokokozeit war nicht so gut wie in anderen Epochen, da sie meist Inszenierungen sind“. Dabei seien die Personen oft geschönt und in charakteristischen Posen gemalt worden. Dagegen forderten die Pietisten eine wahrheitsgetreue, realistische Darstellung der Person, die stets ein Lächeln auf den Lippen haben sollte (also trotzdem auch ansprechend), und Eger sei sehr bestrebt gewesen, diesen Anspruch in seinen Porträts zu erfüllen, erwiderte Schweizer.

Ein gutes Beispiel dafür ist die im Heinrich-von-Zügel-Saal vorgestellte Neuerwerbung des Carl-Schweizer-Museums: das Originalporträt des gebildeten Schwäbisch Haller Bäckermeisters und Hospitalgerichtsbuchhalters Johann Christoph Glenk, genannt „Glenkenbeck“ (1726 bis 1801), Vorfahre der berühmten süddeutschen Salinen- und Bergmannsdynastie von Glenck. Im Vergleich zum idealisierten Porträt von Herzog Carl Eugen, das Eger wahrscheinlich nach einem anderen Bildnis malte, wirkt Glenk sehr lebendig und natürlich. Schweizer zeigte sich überzeugt davon, dass Glenk Eger Modell saß, dieser also dessen Persönlichkeit wahrheitsgetreu im Bild einfing.

Gabriele Rösch fand Christian Schweizers völlig anderen Zugang zu Georg Adam Egers Werken über die Erforschung von Familiengenealogien und Beziehungsnetzwerken faszinierend, machte aber auch keinen Hehl daraus, dass sie unterschiedlicher Auffassung über dessen stilistische Zuschreibungen ist.