Gott zur Ehr und den Menschen zur Freud

Polnischer Gottesdienst in der katholischen Kirche Sulzbach – Band und Chor bringen viel frischen Schwung in die Kirche

In der katholischen Kirche St. Maria in Sulzbach finden regelmäßig Gottesdienste in polnischer Sprache statt. Die Veranstaltungen sind immer prächtig besucht. Mit zum Erfolg trägt unter anderem die Band „Te Deum“ samt zweisprachigem Vokalensemble bei.

Die Mitglieder der Musikgruppe und des Vokalensembles kommen alle zwei Wochen aus der ganzen Region ins Obere Murrtal. Foto: privat

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Am Anfang war die Skepsis unter den deutschen Gottesdienstbesuchern groß: „Ein polnischer Gottesdienst in unserer Kirche? Das ist bestimmt nichts für uns“, dachten manche Sulzbacher Katholiken. Aus Gewohnheit – vielleicht war auch etwas Neugier dabei – ging man doch zur sonntäglichen Messe und – man war begeistert! „Das muss man erlebt haben“, schwärmt inzwischen Karin Fuchs, die schon lange in der hiesigen katholischen Gemeinde aktiv ist. „Diese polnische Band bringt so viel frischen Schwung in die Kirche.“

Die Band nennt sich Te Deum, stammt aus Murrhardt und ist inzwischen in der ganzen Region in sämtlichen Kirchen und Hallen unterwegs. „Winnenden, Ludwigsburg, Stuttgart“, zählt Iwona Kolodziejczyk auf, die das Ensemble mitgegründet und die musikalische Leitung innehat. „Wir hatten eigentlich nur mit ein paar Frauen eine Vokalgruppe zusammengestellt, mit mir am Keyboard. So haben wir vor gut sechs Jahren unsere Maiandacht begleitet“, erzählt die Murrhardter Organistin mit polnischen Wurzeln. Nach dem Gottesdienst sei ganz begeistert ein fremder Mann auf sie zugekommen und hätte gefragt: „Frau Kolodziejczyk, möchten Sie nicht eine Band gründen?!“

Der Schlesier Edward Schiwek ist

die Seele und der Manager der Band

Edward Schiwek spielte Schlagzeug in einer Rockband und brachte auch gleich den Sänger dieser Band mit. Der redegewandte Schlesier Schiwek fühlt sich in der deutschen Sprache inzwischen fast mehr zu Hause als in Polnisch und übersetzt gekonnt beliebte polnische Kirchenlieder wie „Die Barke“ oder „Die Schwarze Madonna“ in singbares Deutsch, sodass zu Weihnachten 2012 erstmals ein gemeinsamer Gottesdienst veranstaltet wurde. Seitdem ist der 52-jährige selbstständige Steintechniker sozusagen Seele und Manager der neuen, religiösen Band, auch wenn er selbst das nicht so bezeichnen würde.

Alle zwei Wochen trifft man sich in Murrhardt oder Sulzbach zur Probe, die Mitglieder von Musikgruppe und Vokalensemble (sechs Frauen und ein Mann) kommen aus der ganzen Region ins Obere Murrtal zusammen. Der Name der Musikgruppe ist Programm: Das „Te Deum (laudamus)“ ist ein archaischer, kirchlicher Lobgesang, vielfach vertont und unter anderem als festlicher Choral „Großer Gott wir loben dich“ oder auch als Erkennungsfanfare der Eurovision bekannt (Präludium zum Te Deum in D-Dur des Barockkomponisten Marc-Antoine Charpentier). „Wir singen für unseren Gott“, erläutert Kolodziejczyk ihre Motivation, „und den Leuten zur Freude“. Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Wer singt, betet doppelt, heißt es doch so schön.“

Die Faszination ihrer Musik zu beschreiben, ist schwierig. Sie liegt einerseits sicherlich an der professionellen, modernen Aufbereitung mit Gitarren, Bass, E-Schlagzeug, Keyboard. Mehr aber noch bewirkt die innere Einstellung der Musiker, die aus vollem Herzen bewusst so spielen wollen, dass die Menschen mitsingen können: „Wir wollen den Gottesdienst gemeinsam erleben, das soll kein Konzert sein.“ Der charismatische Schlagzeuger, Dichter und Autor Schiwek erlebt immer wieder, dass Leute tief bewegt aus der Messe gehen und sich bei ihm bedanken: „Das freut mich natürlich, denn so etwas kann man ja nicht zwangsläufig erwarten. Das ist unser Beitrag zur Evangelisation.“ Und er erzählt von einem morgendlichen Gottes-dienst in Ludwigsburg, bei dem die Besucher überraschenderweise bis zur Türe standen, „obwohl am Vorabend große Faschingsparty gewesen war“.

Jour fixe für Te Deum ist das traditionelle Schlachtplattenessen des Arbeitskreises Geselligkeit und Erwachsenenbildung Sankt Paulus Sulzbach (AGE/ehedem KAB), zu Anfang jeden Jahres. Denn davor gibt es – wie am kommenden Sonntag – den deutsch-polnischen Gottesdienst: Die Messe wird gehalten vom deutschen Pastor Andreas Krause und einem polnischen Pastor gemeinsam, letzterer wird von der polnischen Mission in Stuttgart gestellt. Dieses Jahr kommt Peter Wloczyk, „der ist eigentlich schon in Rente“, weiß die polnische Musikerin Kolodziejczyk, „aber der kommt immer gerne“. Und dann singt man gemeinsam bekannte Kirchenlieder im Wechsel auf Deutsch und auf Polnisch, „für die schönen Weihnachtslieder ist es dieses Jahr leider schon zu spät“.

Die binationale Sonntagsmesse ist ein Publikumsmagnet, „die ist wirklich gut besucht“, staunt Pfarrsekretärin Barbara Voß, „die kommen da mit Kind und Kegel – und im besten Sonntagsstaat“. Im katholischen Polen hat der sonntägliche Messegang einen hohen Stellenwert. Davon profitieren die hiesigen Katholiken, die im evangelischen Württemberg von Haus aus in der Minderheit sind. Und so hoffen die Organisatoren auch dieses Jahr auf eine gute Völkerverständigung in der Kirche, auf dass es wieder heißt: „Die Kirch’ ist voll!“