Mal ganz zart, mal wuchtig-monumental

Bläserphilharmonie Rems-Murr zeigt bei Benefizkonzerten in Backnang und Murrhardt ihre Vielseitigkeit und Spielfreude

Mit sinfonischer Bläsermusik vom Feinsten begeisterte die Bläserphilharmonie Rems-Murr große Zuhörerscharen bei ihrem Benefizkonzert in der Christkönigskirche Backnang zugunsten der Aidswaisenkinder in Simbabwe sowie in der katholischen Kirche St. Maria in Murrhardt zugunsten der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis.

Das Orchester nahm das Publikum auf eine faszinierende Reise durch die Musikstile vom 16. bis ins 21. Jahrhundert mit. Fotos: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT/BACKNANG. Dirigiert von Wilhelm Müller, unternahm das Orchester eine faszinierende Reise durch die Musikstile vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Dabei entfalteten die Musiker mit hoch engagiertem, souveränem Spiel die enorme Fülle an Klangfarben der verschiedenen Instrumente. Mit hörbar großer Musizierfreude gestalteten sie abwechselnd weltliche und geistliche Werke. Stilvoll arbeiteten sie die vielen unterschiedlichen Charaktere und Stimmungen heraus, ebenso die melodischen Details, Harmonien und Rhythmen. So präsentierte das Ensemble eine große dynamische Bandbreite von zarten, filigranen Tönen einzelner Instrumente bis zum wuchtig-monumentalen Tutti des gesamten Orchesters. Durchs Programm führte Konzertsprecher Georg Götzelmann mit vielen Informationen zu den Komponisten und Werken, gewürzt mit ironischen Anmerkungen zu aktuellen Themen und Ereignissen.

In die Zeit der Renaissance versetzte „The Danserye“, drei von fünf Tänzen des flämischen Komponisten deutscher Abstammung Tielman Susato (1510 bis 1570). Lebensfrohe Feststimmung vermittelten „La Mourisque“ und „Basse Danse Bergeret“, wobei die Musiker in die Rolle von Spielleuten schlüpften und den typischen Renaissance-Klang authentisch präsentierten. Dagegen wirkte „Ronde – Mon Amy“ wie ein traurig-sehnsuchtsvolles Liebeslied, gefühlvoll mit schöner Kantilene vorgetragen.

Ernst und feierlich bot die Bläserphilharmonie das Choralvorspiel „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) aus dem Orgelbüchlein mit klangschön verflochtener Stimmführung und kunstvollen Verzierungen dar. Ein großes Hörvergnügen war die selten interpretierte, von Wolfgang Amadeus Mozart inspirierte Serenade in d-Moll Opus 44 für Bläserensemble von Antonin Dvorák (1841 bis 1904). Darin bereicherte der tschechische Komponist die Wiener Klassik mit typischen Klängen der Volksmusik seiner Heimat, charakterisierte die Themen mal komisch, mal sentimental und gestaltete sie kurzweilig mit vielen Modulationen. Daraus formte das von Volkmar Schwozer geleitete Bläserensemble eine melodisch reizvolle, spätromantische Idylle.

Eine fantasievolle Klangmalerei mit gregorianischen Einflüssen schuf der Italiener Ottorino Respighi (1879 bis 1936) in „Kirchenfenster – Der Erzengel Michael“. Die Bläserphilharmonie brachte das spannungsreiche, monumentale Werk mit großer Bandbreite des Ausdrucks, erweiterter Harmonik, impressionistischen Gestaltungselementen und exotisch wirkenden Klangfarben stimmig zur Entfaltung. Rebecca Eichinger, Harfenistin im Daimler-Sinfonieorchester Stuttgart, unterstützte und bereicherte mit ihrem feinsinnigen Spiel das Ensemble bei dieser und weiteren Kompositionen.

Ein faszinierendes Hörerlebnis war Alfred Reeds (1921 bis 2005) „Praise Jerusalem“, das auf einem armenischen Osterlied aus dem 7. Jahrhundert basiert. Der amerikanische Komponist für sinfonische Blasorchesterwerke verarbeitete das Thema in einer Einleitung, fünf Variationen und einem grandiosen Finale. Die Einleitung illustrierte in monumentalen Akkordfolgen, wie sich das Grab Jesu Christi öffnet und die Erde ob dieses Wunders bebt. In den Variationen entfaltete sich eine stimmungsvolle Choralmelodie, die verschiedene Instrumente unterschiedlich gestalteten. Dabei steigerten sich filigrane, meditative Flöten- und Harfentöne zum majestätischen Gesamtorchesterklang. Das Finale feierte und verkündete die Auferstehung und den triumphalen Sieg des Erlösers über den Tod mit einer überwältigenden Klangfarbenfülle, von der Barockmusik inspirierten Kompositionsstrukturen sowie einer glorifizierenden Intonation mit wie vom Himmel zur Erde erschallenden Trompetenfanfaren.

Mit enthusiastischem Applaus dankten die Zuhörer den Mitwirkenden für die facettenreichen Interpretationen. So setzte die Bläserphilharmonie noch drei Zugaben drauf, darunter ein Satz aus dem festlichen Werk „Terpsichore“ von Bob Margolis nach Michael Praetorius mit einem zarten Flöten- und ätherischen Harfensolo, und das wunderschöne „Ave Maria“ von Franz Schubert.

Susanne Stolp-Schmidt von der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis dankte der Bläserphilharmonie und der katholischen Kirchengemeinde St. Maria, die den Anstoß dazu gab, dass die Spenden des Benefizkonzertes in der katholischen Kirche St. Maria der Hospizstiftung zugutekommen. Diese „unterstützen unser großes Vorhaben, den Bau des neuen Hospizhauses“, das zwölf Gästen Platz bieten soll. Darin „werden alle Dienste der hospizlichen und palliativen Angebote unter einem Dach vereint sein“, blickte die Hospizreferentin voraus.

Beide Benefizkonzerte boten den Zuhörern hochkarätige Musikgenüsse, worauf sie großzügig spendeten. In der Backnanger Christkönigskirche, wo die Bläserphilharmonie seit 20 Jahren Wohltätigkeitskonzerte zugunsten von Kindern in Not gibt, kamen 3050 Euro für das Tariro Centre (Hoffnungszentrum) für Aidswaisenkinder in Simbabwe zusammen, und in St. Maria 1900 Euro für die Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis.