Charmante Botschafter für Kinderrechte

Theaterensemble „SakramO 3D“ vermittelt das Thema spielerisch in der Murrhardter Hörschbachschule

In der Hörschbachschule stehen Kinderrechte auf dem Stundenplan. Was erst mal sehr pädagogisch und theoretisch klingt, entpuppt sich beim Theaterensemble „SakramO 3D“ im wahrsten Sinne des Wortes als spielerisches Angebot. Die Grundschüler befassen sich über die Geschichte von Mowie und Sagro damit, was Kindern zusteht und für eine gute Entwicklung wichtig ist. Das Stück „Alles was Recht ist!“ geht dabei auch Themen wie Krieg und Gewalt nicht aus dem Weg.

Monika Wieder (links) und Sarah Gros erzählen die Geschichte von Alienmädchen Mowie und ihrem Freund Sagro. Sie vermittelt ganz selbstverständlich, was Kindern zusteht und wichtig für sie ist – Schutz, Förderung und Freiräume. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die zentralen Botschafter des Vormittags für die Zweit- und Drittklässler der Murrhardter Hörschbachschule sind das Alienmädchen Mowie und der Alienjunge Sagro, denen Monika Wieder und Sarah Gros Leben einhauchen. Im fliegenden Wechsel und in knallig-bunten, launigen Kostümen erzählen sie die Geschichte der beiden.

Mowie hat so ihre Mühe, ihre Mutter davon abzuhalten, sie überzubehüten. Insofern muss sie sich auch erst mal kräftig wehren, als Mama sie zur Schule begleiten will. Das bekommt sie gut alleine hin. „Ich lern jetzt fürs Leben“, sagt Mowie ganz selbstbewusst, „und du lernst, alleine zu leben.“ Als das Alienmädchen sein Publikum fragt, warum sich die Mutter denn so viele Sorgen macht, kommt da gar nicht so wenig zusammen. „Sie hat Angst, dass du überfahren wirst“, sagt ein junger Zuschauer. „Ich schaue doch rechts und links“, stellt Mowie daraufhin fest. Auf die Überlegung „vielleicht sind Räuber unterwegs“ kontert die junge Dame mit den orangefarbenen Rastahaaren mit der Frage „Wie oft bist du schon geklaut worden?“.

Dass dann doch etwas passiert, bringt Mowie nicht aus der Fassung, denn sie ist viel zu neugierig, als sie auf Sagro trifft, der mit seinem Ufo abgestürzt und bei ihnen auf dem Planet gelandet ist. Der Alienjunge wundert sich ziemlich, dass sie als Mädchen zur Schule darf und hört verdutzt vom Recht auf Bildung und der Tatsache, dass auf Mimaglü „alle in die Schule gehen, egal, ob sie arm oder reich sind oder eine andere Religion haben“. Auch, dass es keine Stadtspäher, die Möglichkeit, sich zu versammeln und zudem eine Bürgermeisterin gibt, muss Sagro erst einmal verdauen. Auf seinem Planeten sieht es nicht nur in dieser Hinsicht schlecht aus. Wegen des Krieges haben ihn seine Eltern auf sein Ufo gesetzt und in der Hoffnung losgeschickt, dass er ein besseres Leben hat. „Als ein Planet in Sicht kam, hab ich erst gedacht, die Leute winken mir, beim Näherkommen aber gesehen, sie fuchteln mit den Armen, ich soll wegbleiben.“ Weil ihm irgendwann die Energie ausging, ist er auf Mimaglü abgestürzt, wo Kindern zum Glück ein Recht auf Schutz zusteht.

Auch in den Alltagsszenen sind Aspekte eingeflochten, die Facetten des Grundthemas beleuchten. Wer krank ist, muss erst mal zum Doktor und nicht in die Schule. Zu Hause mithelfen, ist in Ordnung, trotzdem muss noch Luft zum Spielen und für eine gute Entwicklung sein. Kinder sind keine Erwachsenen.

Als Mowie und Sagro die Grundschüler wieder in einen Dialog verwickeln, sehen die das ganz ähnlich. Auch, dass es nicht in Ordnung ist, wie Erwachsene auf Sagros Planeten mit Kindern umspringen. „Wer Widerworte gibt, bekommt eine gezatscht, wird in den Keller gesperrt und darf nie wieder Sternenschau gucken“, erzählt er Mowie. Und der Krieg bringt Umstände mit sich, die sich keiner wünscht. Ständige Angst vor dem Tod, Hunger, Flucht, Vertreibung und Trennung von der Familie. Sagro erlebt Familienalltag bei Mowie, lernt ihre Mama und ihren kleinen Bruder kennen, bevor er dann doch nach Kriegsende nach Hause zurückkehren kann. Anregungen für all das, was Kindern zuteilwerden sollte und wovor man sie schützen muss, hat er jede Menge im Gepäck.

Zwar haben die 75 Schüler schon beim Stück mitgefiebert, sich eingebracht und auch ein Lied gesungen, trotzdem bekommen sie im Anschluss noch mal Gelegenheit, die Themen in ihren Klassen und mit den Schauspielerinnen, die gleichzeitig auch Autorinnen des Stücks sind, zu vertiefen.

An welchen Punkten im Schulalltag tauchen denn Kinderrechte auf? Melanie Luithardt, Rektorin der Hörschbachschule, sagt: „Streitigkeiten beziehungsweise ein friedlicher Umgang miteinander spielen immer mal wieder eine Rolle. Es sind auch Dinge, wie dass man dem anderen nichts wegnehmen darf“, meint sie. „Und natürlich haben wir hier auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien.“ Zudem findet es Melanie Luithardt gut, die Mädchen und Jungen spielerisch darauf vorzubereiten, dass ihnen bestimmte Dinge zustehen, und sie für ungute Situationen zu sensibilisieren. Insofern hat sich die Rektorin gefreut, als sich die Möglichkeit für den Besuch ergab – angeregt durch Kontakt und Gespräche von Schulsozialarbeiter Tobias Brändle mit Sonja Großhans von der Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention.