In vier Jahren einheitliche Wasserqualität

Das Trinkwasser soll noch besser werden und künftig nicht mehr so hart sein. Aus diesem Grund haben mehrere Kommunen und Zweckverbände im nördlichen Rems-Murr-Kreis die NOW mit der Ausarbeitung einer Trinkwasserkonzeption beauftragt. Derzeit wird ein Wasserwerk gebaut, bis Ende 2022 sollen 52Kilometer Leitungen verlegt werden.

Von Florian Muhl

BURGSTETTEN. Seit Wochen wird neben der Landesstraße1114 zwischen Weiler zum Stein und Burgstetten gegraben. Eine mehrere Meter breite Schicht guten Mutterbodens ist auf einer langen Trasse bereits beseitigt. Seitlich der Trasse wird der abgeschobene Oberboden gelagert, der nach dem Ende der Arbeiten wieder aufgetragen wird. Auch von den frostigen Außentemperaturen lassen sich die Bauarbeiter nicht abschrecken. Meter für Meter verlegen sie neue Wasserleitungen im Boden. Im November vergangenen Jahres war mit dem Leitungsbau für die Trinkwasserkonzeption begonnen worden. Im ersten Bauabschnitt (BA1) werden die Gemeinden Burgstetten und Leutenbach beziehungsweise deren gemeinsamer Zweckverband, die Söllbachgruppe, an das Wasserwerk angebunden.

Gemeinsam mit dem Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) haben die Gemeinden Allmersbach im Tal, Aspach, Burgstetten, Leutenbach und Oppenweiler, die Stadtwerke Backnang GmbH und die Zweckverbände Allmersbach im Tal, Hardt-Wasserversorgung und Söllbachgruppe sich dazu entschlossen, die Wasserversorgung für Bevölkerung und Wirtschaft nachhaltig zu verbessern (wir berichteten).

„Die Kernidee hinter unserem neuen Konzept ist, dass sich durch die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden die Wasserversorgung für die Bürger verbessern lässt. Es entstehen positive Synergieeffekte“, sagt Jochen Damm. „Die Brunnen und Quellen können optimal genutzt werden, die Versorgungssicherheit wird erhöht und die Trinkwasserqualität verbessert“, so der NOW-Geschäftsführer.

Herzstück der Konzeption

ist das neue Wasserwerk Murrtal

Herzstück der Versorgungskonzeption ist das neue Wasserwerk Murrtal, das derzeit zwischen Erbstetten und Maubach errichtet wird. In diesem Wasserwerk wird zukünftig das Wasser aus den örtlichen Brunnen und Quellen mit moderner Technik zentral aufbereitet und enthärtet. Nach Fertigstellung des Projekts wird das Wasserwerk jährlich rund 2,0 bis 2,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gewinnen. Das Rohwasser stammt aus rund 60 Brunnen und Quellen, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern um das Wasserwerk befinden.

Viele Wasservorkommen im nördlichen Rems-Murr-Kreis weisen mit 25 bis 30 Grad deutscher Härte (dH) eine hohe Wasserhärte auf, weshalb das neue Wasserwerk mit einer Enthärtungsanlage ausgestattet wird. Die Wasserhärte wird dabei auf 13 bis 14 Grad dH reduziert. Hartes Wasser kann laut NOW unbedenklich getrunken werden. Es enthalte lediglich besonders viele Kalzium- und Magnesiumverbindungen, aus denen Kalk entsteht. Hartes Wasser hat jedoch den Nachteil, dass sich überall dort, wo es langsam fließt oder auf über 60 Grad erhitzt wird, Kalk absetzt. In Küche und Bad hat man dann mit Flecken zu kämpfen. Ein weiterer Nachteil von hartem Wasser ist, dass man mehr Waschmittel verwenden muss, zum Teil doppelt so viel wie Verbraucher in Weichwassergebieten.

Da in den kommenden Jahrzehnten mit steigenden Grundwasserbelastungen durch Spurenstoffe (zum Beispiel Rückstände von Pflanzenmitteln oder Medikamenten) zu rechnen sei, werde im Wasserwerk Murrtal bereits jetzt vorsorglich ein Aktivkohlefilter installiert.

Um das Rohwasser der Konzeptionspartner zum Wasserwerk zu fördern und nach der Aufbereitung das Trinkwasser wieder zu verteilen, müssen bis zur Fertigstellung des Projekts rund 52 Kilometer an Roh- und Reinwasserleitungen verlegt werden (siehe Karte unten). Durch die neuen Wasserleitungen wird die Versorgungssicherheit für die Bürger erhöht, wie die NOW mitteilt.

Der aktuelle Zeitplan sieht die Fertigstellung des Leitungsbaus, und damit des Gesamtprojekts, bis Ende 2022 vor, wobei externe Faktoren, wie die Bereitstellung von Fördermitteln, zu Verschiebungen führen können. Die NOW übernimmt bei dem Projekt die Planung, Bauleitung und Steuerung und ist später für den Betrieb des Wasserwerks verantwortlich. Auch die Brunnen und Quellen werden dann von ihr betrieben. Diese gehören aber weiterhin den beteiligten Kommunen und damit den Bürgern.

Aber warum solch ein Projekt, das insgesamt 36 Millionen Euro netto kostet? „Wir müssen uns auch in Baden-Württemberg auf trockenere Sommer vorbereiten“, sagt Damm. „Mit moderner Aufbereitungstechnik und neuen Wasserleitungen sorgen wir dafür, dass die örtlichen Brunnen und Quellen in Zukunft optimal genutzt werden können.“ Neben der verbesserten Wasserqualität und der geringeren Härte sowie der Nutzung der lokalen Wasservorkommen und der größeren Versorgungssicherheit durch den Bau eines modernen Wasserwerks und dem Verlegen neuer Versorgungsleitungen gebe es einen weiteren Vorteil: die Investitions- und Betriebskosten seien im Vergleich zu einer dezentralen Trinkwasseraufbereitung durch die einzelnen Partner geringer.

Der Spatenstich für das Wasserwerk fand im September 2017 statt. Seitdem sind die Tiefbau- und Rohbauarbeiten planmäßig vorangekommen, teilt die NOW mit. Die Fertigstellung des Rohbaus ist, in Abhängigkeit der witterungsbedingten Winterpause, für Ende März 2019 geplant. Anschließend wird im Wasserwerk die Aufbereitungstechnik installiert und es werden die notwendigen hydraulischen und elektrotechnischen Arbeiten durchgeführt. Parallel hierzu erfolgen die Ausbauarbeiten für das Wasserwerk. Die Fertigstellung des Wasserwerks ist für Herbst 2019 vorgesehen. Anschließend beginnt die Probebetriebsphase der Anlage.

Zurück zu den Arbeiten am Rande der L1114, die dem Autofahrer auffallen. „Der Bauabschnitt 1 verläuft vom Wasserwerk Murrtal zum Hochbehälter Birklen der Söllbachgruppe. Auf der 1,75 Kilometer langen Trasse werden bis zu vier Leitungen parallel verlegt“, sagt Patrick Helber. „Die Leitungen bestehen aus sechs Meter langen duktilen Gussrohren mit Zementmörtelauskleidung und Faserzementumhüllung“, so der NOW-Sprecher weiter. Zwischen der Kreisstraße1846 zwischen Nellmersbach und Erbstetten und dem Hochbehälter Birklen wird eine Wasserleitung nördlich an der Ortschaft Heidenhof vorbei zur L1114 verlegt. Dort führt sie entlang der Landesstraße nach Norden in Richtung Burgstall. „Zusätzlich zu den Leitungen werden Steuerungskabel mitverlegt, mit denen die Brunnen, Quellen und Rohwasserbehälter später überwacht und ferngesteuert werden können“, so Helber.

Um die Leitungen vor Frost zu schützen, werden diese in einer Tiefe von mindestens 1,4 Metern verlegt. An Tiefpunkten der Trasse werden Spülschächte zur Entleerung der Leitungen angebracht. An den Hochpunkten befinden sich Schächte zur Entlüftung.

Nach der Winterpause beginnt der Leitungsbau in Richtung Norden, der später Backnang, Aspach und Oppenweiler mit dem Wasserwerk verbinden wird. Der erste Teilabschnitt reicht vom Wasserwerk bis zur Murr. Ist dieser fertiggestellt, folgen die nächsten Bauabschnitte.