Führungszentrum der Polizei geht

Umzug nach Aalen steht Ende 2020 an – Zunächst wird aber das Gebäude saniert

Von Andrea Wüstholz

WAIBLINGEN/AALEN. Sofern alles nach Plan verläuft, zieht das Führungs- und Lagezentrum der Polizei gegen Ende 2020 von Waiblingen nach Aalen um. Der Neubau in Aalen wird teurer als gedacht, das bestätigen Zahlen des Innenministeriums. Weitere Zusatzkosten entstehen, weil die Sanierung des alten Präsidiumsgebäudes in Aalen einen Komplettumzug der gesamten Belegschaft erfordert.

Polizeipräsident Roland Eisele ist dennoch froh, dass jetzt alle ins Interimsgebäude umziehen: Während der Komplettsanierung im Gebäude weiterarbeiten zu müssen, wäre fürs Personal sehr belastend geworden, sagt Eisele – zumal in Aalen zwei Großbaustellen gleichzeitig laufen, die Sanierung und der Neubau. Das war anders geplant: Der Beginn für den Neubau des Führungs- und Lagezentrums (FLZ) in Aalen hatte sich verzögert, weil die Polizeistrukturreform noch mal auf den Prüfstand kam und nicht klar war, ob es beim jetzigen Zuschnitt des Polizeipräsidiums Aalen bleibt.

Es bleibt dabei, das ist längst entschieden. Doch wegen der höheren Baukosten in Aalen ist die Diskussion um den Zuschnitt des Aalener Präsidiums noch einmal aufgeflammt. Seit fünf Jahren besteht das Präsidium Aalen, welches für die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall zuständig ist. Ob dieser Zuschnitt mit Aalen als Präsidiumssitz sinnvoll ist oder nicht – darüber gingen und gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander.

An solchen Diskussionen beteiligt sich Roland Eisele öffentlich nicht. Politische Entscheidungen habe er nicht zu kommentieren, sondern umzusetzen. Eine positive Bilanz der Polizeireform zieht er mit Blick auf die Polizeiarbeit: Die Zusammenlegung der kleineren Polizeidirektionen zu den größeren Präsidien habe den Vorteil, dass größere Einheiten mehr Aufgaben selbst stemmen könnten, ohne Hilfe von außen, wie die Direktionen sie früher schnell gebraucht hätten.

Was die umfangreichen Baumaßnahmen in Aalen angeht, richtet Eisele das Augenmerk auf die Belange der Menschen, die dort arbeiten: „Fürsorgegründe für die Mitarbeiter“ hätten auf jeden Fall für den Komplettumzug gesprochen. Was die Widrigkeiten im Zusammenhang mit großen Baustellen angeht, sieht sich Eisele in guter Gesellschaft: In allen Präsidien laufen zurzeit Bauarbeiten, und solche stehen in großem Umfang auch im Hauptgebäude der Polizei in Waiblingen an, betont er.

Zurzeit laufen dort Umbauarbeiten, damit die für Cyberkriminalität zuständigen Beamten unterkommen, die Spurensicherung erhält ein neues Labor, und sobald das FLZ nach Aalen umgezogen ist, stehen weitere Arbeiten an, weil dann die Räume für die Kripo in Waiblingen umgestaltet werden.

Hätte man die Millionen, welche die Polizeireform verschlingt, nicht für mehr Stellen ausgeben können? Zu einfach gedacht, findet Rolf Kircher. Er gehört dem Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei an und ist beim Polizeipräsidium Aalen als stellvertretender Personalratsvorsitzender tätig. Er zeigt sich erleichtert, dass der Zuschnitt des Polizeipräsidiums Aalen nicht noch mal verändert worden ist. Für den Gewerkschafter steht selbstredend die Personalfrage im Mittelpunkt: Es fehlt an Stellen. Die Einstellungsoffensive des Lands reicht aus Gewerkschaftssicht nicht aus. Dennoch: Große Präsidien arbeiten „schlagkräftiger“ als früher die vielen kleinen Direktionen – aber: „Alle Ermittlungseinheiten müssen hinreichend ausgestattet sein.“

Landrat Richard Sigel hat sich damit abgefunden, dass Waiblingen nicht Präsidiumssitz geworden ist: „Natürlich hätte ich mir als Landrat ein Polizeipräsidium Waiblingen/Esslingen hier am Alten Postplatz gewünscht“, so Sigel. Doch habe sich die Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Aalen sehr gut eingespielt: „Deshalb schauen wir im Sinne der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger nicht zurück, sondern nach vorne.“