Gefeiert wird mit Familie und Freunden

Murrhardter Politiker, Pädagoge und Sportler Giselher Gruber wird heute 80 Jahre alt – Soziales Engagement trifft Weltoffenheit

Wenn Giselher Gruber heute seinen 80. Geburtstag feiert, wird er seine Liebsten, Familie und Freunde um sich haben. Die Tafel und das Geburtstagsessen sind bestellt. Auf dem Wunschzettel steht normalerweise ein guter schwäbischer Leberkäse mit Kartoffelsalat, nun wird es eine leicht abgewandelte Variante geben – der Leberkäse mit Maultaschen getauscht.

Giselher Gruber zu Hause in Murrhardt. Heute geht es zu einem gemeinsamen Treffen und Essen mit Familie und Freunden in die Stadt. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. In Schwaben hat der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete, Kreisrat und Pädagoge Giselher Gruber fast sein ganzes Leben verbracht, auch wenn die jungen Jahre um einiges weiter entfernt begannen. Geboren am 11. Februar 1939 in Berlin – seine Mutter Thea war Berlinerin, sein Vater Walter stammte aus Welzheim – erlebte er als Knirps Belgrad, wo sein Vater als Journalist und Vertreter der deutschen Nachrichtenagentur arbeitete. 1944 ging es für die Familie zurück nach Süddeutschland, nach fünf Jahren in Welzheim zog sie dann nach Stuttgart-Vaihingen um. Giselher Gruber machte 1958 an einem Künzelsauer Internat Abitur und entschloss sich zu einem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Stuttgart.

In der Familie Gruber stand eine gepflegte Sprache hoch im Kurs, und dies bekam für ihn auf seinem Lebensweg zentrale Bedeutung – Rhetorik und Argumentation wurden später zum Markenzeichen des Lehrers und vor allem des Politikers Giselher Gruber. Noch während des Studiums betrat er auch das berufliche Terrain des Vaters. Um sich etwas dazuzuverdienen, berichtete er als Sportbegeisterter von Fußballspielen für die Stuttgarter Zeitung.

Engagement auch über die beruflichen Aufgaben hinaus

Dass er auch musikalisch unterwegs war (konnte vom Blatt singen und Klavier spielen), bescherte ihm eine Studienfahrt nach Südtirol mit dem Gustav-Wirsching-Chor, auf der er seine künftige Frau Gudrun kennenlernte. 1961 begann für die beiden der Ernst des Lebens und vor allem eines in einer für zwei Stuttgarter neuen Umgebung: Das junge Lehrerehepaar zog aufs Land nach Steinberg, wo Gudrun in der kleinen Schule (Klasse eins bis acht gemeinsam) des Murrhardter Teilorts und Giselher Gruber an der Walterichschule in Murrhardt unterrichtete. Zudem übernahm er die Schwangerschaftsvertretung für seine Frau in Steinberg, will heißen auch die eigene Familienplanung war bald ein Thema – erst wurde Gislind, dann Gernot geboren, später folgten Gunhilt und Gunter. Steinberg, das hieß auch, den Schulgarten mit der Sense mähen, Stallhasenzucht und ein Sportunterricht, der draußen stattfand: Leichtathletik mit einer Weitsprunggrube im Garten, Läufen auf der Durchgangsstraße und ersten Schwimmerfahrungen im Feuerwehrteich für die Kinder und Jugendlichen, die die Grubers betreuten.

Über die beruflichen Aufgaben hinaus, begann Giselher Gruber sich in Murrhardt und im Kreis zu engagieren. 1962 wurde er DRK-Kreisjugendleiter, 1964 übernahm er den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Murrhardt, nachdem er ein Jahr zuvor in die Partei eingetreten war, 1969 wurde er SPD-Kreisvorsitzender. Als er für die Sozialdemokraten 1972 auf Landesebene antrat, holte er ein Rekordergebnis von 38,8 Prozent und zog in den Landtag ein. Auch beruflich standen Veränderungen an – nach einem Aufbaustudium wurde er Konrektor der Backnanger Schickhardt-Realschule, der er von 1978 an viele Jahre als Rektor vorstand. Sein Mandat für eine zweite Amtsperiode im Landtag konnte er 1976 nicht halten, obwohl er mit 33,8 Prozent über dem Landesschnitt seiner Partei lag (Hintergrund war auch ein veränderter Wahlkreis im Zuge der Kreisreform).

Giselher Gruber versuchte, sich in sportlicher Hinsicht immer mal wieder ein Zeitfenster freizuschaufeln, sei es als Volleyballer beim TV Murrhardt oder bei morgendlichen Langstreckenläufen um die 20 Kilometer. Gleichsam hat er sich auf ehrenamtlicher Basis für den Sport engagiert, war von 1978 bis 1993 Vorsitzender des Sportkreises Rems-Murr. Auch in der Jugendarbeit hat Giselher Gruber viel angestoßen und bewegt. Er ist der Mitbegründer des Clubs Junges Europa (CJE) in Backnang, hat den Austausch mit Murrhardts Partnerstadt Château-Gontier vorangetrieben und unzählige Jugendfahrten nach Frankreich und Polen organisiert. An einem weltoffenen und toleranten Deutschland lag und liegt ihm viel. Es gäbe noch viel aufzuzählen, nicht umsonst hat Giselher Gruber 1995 das Bundesverdienstkreuz für sein umfangreiches Engagement erhalten.

Dieses Jahr stellt gleichzeitig einen harten Einschnitt in seinem Leben dar – Giselher Gruber musste aufgrund seiner Erkrankung an Multipler Sklerose aus dem Schuldienst ausscheiden und seine Ehrenämter aufgeben. Im Alltag zu Hause in Murrhardt erfährt das Ehepaar heute Unterstützung vom ambulanten Pflegedienst sowie der Awo vor Ort.