Welpentraining mit Flocke, Zino und Amigo

Im Hundesportverein „Am Krähenbach“ lernen junge Hunde und ihre Besitzer im Team

Hundewelpen sind wie kleine Kinder: Auch sie müssen erst einmal lernen, was falsch und was richtig ist, wie man sich anderen Hunden gegenüber benimmt und generell auf das zu hören, was Herrchen oder Frauchen sagen. Und das können sie im Training des Hundesportvereins „Am Krähenbach“ üben.

Sieht für einen Menschen vielleicht einfach aus, aber es kostet einen Welpen oft große Überwindung, durch den bunten Tunnel zu laufen. Zum Glück wartet Frauchen am anderen Ende. Fotos: J. Fiedler

Von Silke Latzel

 

BACKNANG. Zino hat heute einfach keine Lust. Vor dem Welpentraining war er mit Frauchen Dana Schubert und seinen Hundekumpels spielen. Und jetzt möchte er am liebsten gar nichts mehr machen. „Ich kann das schon verstehen“, sagt Schubert lachend. „Man darf halt nicht vergessen, dass er mit seinen viereinhalb Monaten ja eigentlich noch ein Baby ist.“

Dass junge Hunde jungen Menschen in mancher Hinsicht gar nicht so unähnlich sind, kann Sigrid Starke vom Hundesportverein „Am Krähenbach“ in Backnang tatsächlich bestätigen. „Idealerweise sind sie noch sehr jung, wenn sie mit ihren Besitzern zu uns kommen und mit dem Training anfangen. Und wir arbeiten dann immer maximal 15 Minuten mit ihnen, weil dann ihre Konzentration nachlässt und wir erst einmal eine Pause machen müssen, bevor es weitergehen kann.“

Das Ziel des Welpentrainings, das jeden Samstag stattfindet, ist vor allem eines: Die Bindung zwischen Mensch und Tier aufzubauen und diese zu festigen. Denn nur ein Hund, der eine Bindung zu Herrchen oder Frauchen hat, hört auf sie, wenn sie rufen und laufen nicht einfach woanders hin. Das zu lernen fällt manchen Hunden zwar ein bisschen schwerer als anderen. Aber: „Es sind auch vor allem die Menschen, die hier viel über ihre Tiere lernen und oft auch lernen müssen“, so Starke. „Die meisten Hunde haben eigentlich eine sehr gute Auffassungsgabe.“

Das zeigt auch die erste Übung: Übungsleiterin Doris Lohberger hält den vier Monate alten Flocke am Halsband fest, sein Frauchen Birgit Schick läuft rund 100 Meter weit weg und ruft Flocke dann. Er lässt sich nicht zweimal bitten und rennt schnurstracks zu seinem Frauchen – vorbildlich. Dafür gibt es dann gleich mal eine Leckerli als Belohnung. Auch das ist sehr wichtig bei der Hundeerziehung: die Belohnung. „Wir hören immer erst dann auf, wenn der Hund die Aufgabe richtig gemacht hat. Und dann muss er dafür natürlich auch belohnt werden“, erklärt Starke.

Nicht nur die Bindung wird trainiert, sondern auch der Umgang mit anderen Hunden. So simulieren die Teilnehmer des Trainings ein Zusammentreffen zweier Hundehalter mit ihren Tieren. Die Welpen müssen es schaffen, neben ihren Frauchen stehen zu bleiben, sich ruhig zu verhalten und nicht zu bellen, während die Frauen sich die Hände geben. Auch das klappt ausgesprochen gut. Und das, obwohl Zino immer noch keine Lust hat und ein bisschen aufgeregt reagiert, als Sandra Bauer und Amigo auf ihn zukommen.

Wie auch bei den Menschen hat jeder Hund seine eigene Persönlichkeit. Und die zeigt sich auch schon, wenn er erst wenige Monate alt sind. Wichtig bei der Erziehung ist vor allem Konsequenz. „Hunde merken wie Kinder schnell, wenn sie bei einem ,Elternteil‘ bestimmte Dinge dürfen und bei einem anderen nicht.“ Starke lacht. „Alle Familienmitglieder müssen einfach an einem Strang ziehen und dem Hund dieselben Signale senden.“ Apropos Signale: „Hunde durchschauen die Menschen sehr schnell. Schon alleine an der Kleidung, die der Mensch trägt, kann ein Hund nach einer Weile erkennen, ob jetzt ein Spaziergang ansteht und er mit nach draußen darf, oder ob ihr Mensch sich auf den Weg zur Arbeit macht und sie daheimbleiben müssen.“ Und natürlich spüren Hunde auch Unsicherheiten ihrer Besitzer. „Wenn man dann nicht wirklich konsequent daran arbeitet, nicht nur hier, sondern auch zu Hause, dann tanzt der Hunde einem auf der Nase herum. Und das macht nur Probleme, zum Beispiel beim Gassigehen, da kann man ihn dann nicht von der Leine lassen.“

Die Hunde signalisieren, dass

sie jetzt keine Lust mehr haben

 

Nach kurzer Pause, in der die Hunde einfach still sitzen oder liegen sollen – auch das ist etwas, dass sie üben müssen –, geht es über einen Hindernisparcours. Dabei lernen die Vierbeiner über Treppen zu gehen, müssen Tunnel bewältigen und eine Wippe. Nicht ganz einfach und man merkt, dass sich das Training langsam dem Ende neigt, die Hunde signalisieren, dass es für heute reicht.

Wer mit seinem Tier in den Hundesportverein eintritt, arbeitet mit den Übungsleitern auf die Begleithundeprüfung hin. Durch sie wird nicht nur die Alltagstauglichkeit des Hunds bestätigt, sondern auch, dass Vier- und Zweibeiner ein gutes Team sind. Doch für die Teilnehmer des Welpentrainings ist nun erst einmal Schluss. Genug gelernt für heute. Jetzt geht es nach Hause zu Fresschen, Körbchen und vielen Streicheleinheiten.