Zwei Prozent mangelhaftes Internet

Breitbandversorgung für die kleineren Backnanger Teilorte soll verbessert werden

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Etwa zwei Prozent des Backnanger Stadtgebiets haben laut Oberbürgermeister Frank Nopper eine mangelhafte Breitbandversorgung. Die Stadt möchte dies schnellstens ändern. Im Gemeinderat erläuterte Wirtschaftsförderer Ralf Binder jetzt den dafür nötigen Fahrplan. Demnach wird die Stadt Ende März darüber informieren, welche Lösungen bis wann möglich sind und was sie kosten.

Industrie 4.0, Streaming-Dienste, Smarthome, die Cloud, IP-Telefonie – längst ist das Internet zum unverzichtbaren Bestandteil unseres Alltags, unseres Wohnens, unseres Arbeitslebens geworden. Von vielen wird es als ebenso wichtig wie der elektrische Strom aus der Steckdose wahrgenommen. Voraussetzung dafür ist ein entsprechend leistungsfähiger Internetzugang in jedes Haus. Um dem wachsenden Datenübertragungsbedarf gerecht zu werden, bauen Telekommunikationsunternehmen ihr Glasfasernetz aus. Die Stadt Backnang kooperiert mit ausbauwilligen Telekommunikationsunternehmen und begleitet diese im gesamten Stadtgebiet bei ihren Anstrengungen zum Glasfaserausbau.

Die Kernstadt ist überwiegend

gut bis sehr gut versorgt

Während das Gebiet der Kernstadt und der Stadtteile überwiegend gut bis sehr gut versorgt ist, sind die Teilorte Oberschöntal, Stiftsgrundhof und Ungeheuerhof sowie der Weiler Horbach mit zusammen rund 400 Einwohnern derzeit ungenügend versorgt. Die Teilorte und der Weiler waren jedoch von den Telekommunikationsunternehmen beim letzten Ausbau der Internetinfrastruktur wegen ihrer geringen Größe nicht berücksichtigt worden.

Die Stadt Backnang untersucht nun, wie sich die Internetversorgung in den Orten verbessern lässt und mit welchen Kosten der Ausbau verbunden wäre. Darüber hinaus soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang eine Förderung durch den Bund und das Land möglich wäre. Wirtschaftsförderer Ralf Binder sagte, es sei gar eine Förderung von bis zu 90 Prozent denkbar. Ergebnisse sollen Ende März im Gemeinderat präsentiert werden.

Die Ergebnisse werden dann aller Voraussicht nach in die angestrebten Kooperationsgespräche mit der Deutschen Telekom einfließen. Die Verwaltung wird im weiteren Verlauf dem Gemeinderat Vorschläge dazu vorlegen, inwiefern die Stadt selbst in einen Netzausbau investiert – sofern sich kein Telekommunikationsunternehmen als Investor findet. Wenn sich nämlich kein Betreiber findet, hat die Stadt ein Problem, dann gibt es auch keine Förderung. Gleichzeitig räumt Binder ein, dass dies für die Stadt ein völlig neues Themenfeld wäre.

Gerhard Ketterer (CDU) bezweifelte die Aussage, dass heute bereits 98 Prozent des Stadtgebiets gut bis sehr gut angeschlossen seien: „Wo fängt gut an? Wo hört es auf?“ Er erinnerte an das Versprechen der Regierung in der Digitalen Agenda 2014, dass bis zum Jahr 2018 jeder deutsche Haushalt einen Internetanschluss mit einer Bandbreite von 50 Mbit pro Sekunde zur Verfügung stehen habe. Abgesehen davon, dass diese Vorgabe nicht erreicht wurde, ist heute bereits von 200 bis 400 Mbit die Rede. Und ohnehin seien selbst die zugesicherten Werte alles nur Laborwerte. Ketterer erklärte, es sei absolut notwendig, die weißen Flecken in der Versorgungslandschaft zu beseitigen. Andererseits sagte er: „Dass wir das machen müssen, ist bedauerlich. Mit der Vergabe der Frequenzen hätte verknüpft gehört, dass alle ans schnelle Internet anzubinden sind.“

Gutes Internet ist eine Frage der Definition und ständig im Wandel

Binder gab Ketterer Recht, gutes Internet sei eine Definitionsfrage. Er erinnerte an längst vergangene Zeiten, als viele mit 2 Mbit pro Sekunde zufrieden waren. Heute seien Übertragungsgeschwindigkeiten von 500 Mbit in der Diskussion. Binder: „Danach wäre das gesamte Stadtgebiet Backnangs unterversorgt.“ Auch Armin Dobler (SPD) kritisierte die Betreiber heftig, hier gebe es eine Art System- oder Marktversagen. Er verglich es mit der Post. Dort gebe es für jede Hallig und für jede Alm die Pflicht der Zustellung.

Zuletzt hakte Willy Härtner nach, ob nicht die Richtfunktechnik eine Lösung für die Teilorte darstellen könnte. Binder: „Das ist möglich, aber es ist technisch sehr anfällig.“ So würde das Internet etwa bei Schnee nicht zuverlässig funktionieren. Online-Banking wäre in diesen Fällen nicht möglich.

Wirtschaftsförderer Ralf Binder gab des Weiteren zu bedenken, dass für Immobilieneigentümer der Ausbau des Glasfasernetzes eine wichtige Maßnahme für die Attraktivität ihrer Immobilien ist. Die Vorteile des Ausbaus kommen allerdings erst dann voll zum Tragen, wenn Glasfaser bis in die Gebäude geführt werden. Binder: „Die Kosten für den Hausanschluss müssen die Immobilieneigentümer selbst tragen, wie bei Hausanschlüssen allgemein üblich.“