Anwälte von inhaftiertem Automanager Ghosn hören auf

Tokio (dpa) - Der in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn muss sich wohl neue Verteidiger suchen. Motonari Otsuru, ein früherer Staatsanwalt, und sein Kollege Masato Oshikubo reichten beim Bezirksgericht in Tokio ihren Rücktritt als Ghosns Anwälte ein.

Ob sie von sich aus ihre Aufgaben niederlegten oder von Ghosn entlassen worden waren, blieb unklar. Ghosn war vor drei Monaten in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden.

Zudem soll der 64-Jährige laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf den Nissan-Konzern übertragen haben.

Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert und vermutete einen Komplott gegen ihn. Sein bisheriger Anwalt Otsuru hatte kürzlich erklärt, es könnten noch Monate vergehen, bis es zu einem Prozess gegen Ghosn kommt. Er hatte mehrmals den Antrag auf Freilassung gegen Kaution gestellt, was das Gericht jedoch ablehnte.

Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault sowie den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi. Die Japaner hatten ihn kurz nach der Verhaftung gefeuert. Auch bei Renault ist Ghosn nicht mehr länger der Chef, er trat kürzlich zurück.

Der französische Konzern prüft nun ebenfalls Vorwürfe gegen Ghosn. Auch die Justiz wurde eingeschaltet. Ghosn soll zum «persönlichen Vorteil» von einem Sponsoring-Vertrag profitiert haben - es geht dabei um die Summe von 50.000 Euro.