Chefarzt Christoph Riepl beurlaubt

Joachim Singer leitet derzeit kommissarisch die Gesamtabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie

Wurden erst vor zweieinhalb Jahren als Doppelspitze der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie und mit großen Erwartungen versehen ins Amt eingesetzt: Joachim Singer (links) und Christoph Riepl. Nun haben sich die Rems-Murr-Kliniken von Chefarzt Riepl getrennt. Foto: E. Layher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt mit Christoph Riepl einer der beiden Chefärzte der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie die Rems-Murr-Kliniken Winnenden. Der 46-Jährige scheint dies nicht ganz freiwillig getan zu haben. Zumindest ist verwunderlich, dass sich der Aufsichtsrat der Rems-Murr-Kliniken einerseits schon am 20. November mit dem Ausscheiden des Mediziners beschäftigt hat und dass Riepl seither unbefristeten Urlaub hat und sein Büro bereits geräumt hat. Andererseits gab es vonseiten des Klinikums bislang keinerlei Informationen. Erst auf Nachfrage erklärte die Klinik- und Landkreisleitung nun in einem einzigen, dürftigen Satz: „Herr Dr. Christoph Riepl verlässt die Rems-Murr-Kliniken aus persönlichen Gründen auf eigenen Wunsch im besten Einvernehmen.“ Riepl selbst war trotz mehrfacher Versuche für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Als Riepl am 1. April 2016 von der Ulmer Uniklinik in den Rems-Murr-Kreis zog und die Chefarztstelle in Winnenden antrat, wurde er als hochkarätiger Mediziner gefeiert. Und als ein Monat später Joachim Singer von der Orthopädischen Klinik Markgröningen abgeworben werden konnte und als zweiter Chefarzt vom Aufsichtsrat berufen wurde, schwärmte der ärztliche Vizedirektor Andreas Jeron seinerzeit bei der Amtseinsetzung des Duos: „Wenn die beiden gut harmonieren, dann werden sie am Nachthimmel der Unfallchirurgie ein wunderschöner Doppelstern werden.“ Der Plan lautete: Eine Abteilung, zwei Chefärzte. So könnte sich jeder der Mediziner auf sein Spezialgebiet konzentrieren. Will heißen: Singer übernahm die Endoprothetik, also die Patienten, die künstliche Hüft- oder Kniegelenke benötigten. Schließlich genoss er nach mehreren Tausend erfolgreichen Endoprothesenimplantationen als ausgewiesener Experte für Endoprothetik und Wechselendoprothetik einen überregionalen Ruf. Und Chefarztkollege Riepl konnte sich auf die übrigen Patienten auf dem Gebiet der Unfallchirurgie und Orthopädie konzentrieren. Ein gewagtes Konstrukt, das offensichtlich von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Ein Insider erklärt: „Das konnte nicht gut gehen.“ Keiner der beiden sei der „Primus inter Pares“ gewesen, sondern beide hätten über dieselben Organisationsstrukturen und Mitarbeiter verfügt.

Gestern äußerte sich der Aufsichtsrat der Rems-Murr-Kliniken zum weiteren Vorgehen. Demnach soll in der kommenden Sitzung am 26. Februar über ein neues Führungsmodell für die Unfallchirurgie und die Orthopädie in Winnenden entschieden werden. In einer knappen Pressemitteilung heißt es: „Oberstes Ziel ist es, die erfolgreiche Arbeit dieser Abteilung fortzusetzen. Dies beinhaltet auch eine Nachfolgeregelung für die Traumatologie. Dr. Singer leitet die Gesamtabteilung im Moment kommissarisch auf hervorragende Weise.“