Der Blick gilt nur dem Wohl des Klubs

SG-Torwart Broll nimmt den Rummel seit Osnabrück gelassen

Es wirkt fast, als sei Kevin Broll der Rummel der letzten Tage etwas zu viel. „Ich habe zuvor nichts anderes gemacht als jetzt“, sagt Aspachs Torwart zu dem, was seit dem 2:0 bei Tabellenführer Osnabrück über ihn geredet und geschrieben wird. Er nimmt’s zur Kenntnis, wichtig ist aber vor allem, „dass der Verein nächste Saison noch Dritte Liga spielt“. Dafür tut er alles. Auch morgen, wenn die SG-Fußballer ab 14 Uhr das Starensemble aus Uerdingen empfangen.

Stand zuletzt dank guter Leistungen besonders im Blickpunkt: Torwart Kevin Broll.Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Drei von drei. Zahlen sind es, die für Kevin Broll überaus positiv sind. Sie besagen, dass der Schlussmann der SG Sonnenhof diese Saison dreimal Sieger blieb, als gegnerische Angreifer versuchten, ihn vom Elfmeterpunkt zu überwinden. „Das war vergangene Runde zu dem Zeitpunkt auch so, wenn ich’s richtig weiß“, sagt der gebürtige Mannheimer kühl. Nur hat es damals offenbar niemand groß bemerkt, steckte die Fautenhau-Elf doch nicht in so prekärer Lage wie derzeit. Und: Sie war nicht ein wichtiger Bestandteil eines sensationellen Erfolgs eines Kellerkinds beim zuvor in 15 Partien unbesiegten Spitzenreiter. Nun aber steht Aspachs Torwart im Blickfeld. Auch weil er, der mit erst 23 Jahren bereits 105 Drittligaspiele auf dem Buckel hat, in Sachen prozentualer Quote bestes Schlussmann in zehneinhalb Jahren Dritte Liga ist. Acht von zwölf Elfern hat er gehalten.

Selbstverständlich ist dem im Sommer 2015 als 19-Jähriger vom Regionalligisten Homburg in den Fautenhau gekommenen Fußballer diese Statistik nicht unbekannt. Zu bedeutend nimmt er sie anscheinend nicht. Eher wundert er sich, dass diese Dinge in vielen Medien nun erst richtig bemerkt werden: „Als ich vor drei Jahren einen Flankenball bis zum Strafraum gefaustet haben, dann wurde gesagt: Der Broll ist unsicher. Mache ich es jetzt, dann heißt es: Das war souverän“. Ihm ist wichtig, was Trainer und Mitspieler über das sagen, was er leistet.

Aspachs Torwarttrainer David Yelldell urteilt: „Er ist ein guter, ein sehr aktiver Torwart.“ Der aus der Jugend des SV Waldhof Mannheim stammende Broll zeige nicht erst seit gestern ein konstant hohes Niveau, lobt der 37-Jährige, der es in seiner Aktivenzeit selbst unter anderem immerhin auf ein Länderspiel fürs US-Nationalteam, ein Erstligaspiel für Leverkusen, 86 Zweitligapartien für Koblenz und Duisburg sowie ein DFB-Pokalfinale mit den Zebras gebracht hat. Ob sein Schützling mal auf eine ähnliche Karriere zurück blicken kann? „Ich gebe ihm alle Chancen. Er ist schon über einen längeren Zeitraum einer der besten Torhüter der Dritten Liga und hält auch mal sogenannte Unhaltbaren. Zudem ist er fußballerisch so stark, dass du mit ihm im Spielaufbau einen Feldspieler mehr hast.“ Für Yelldell alles kein Zufall. „Er trainiert sehr gut“, sagt er und ergänzt: „Überhaupt haben wir im Torwartbereich ein super Team, was mit ein Verdienst von Max Reule ist, obwohl seine Rolle als zweiter Mann auf der Position sicherlich nicht einfach ist.“

Die Nummer eins schätzt

Konkurrent Max Reule

menschlich und sportlich

Von Kevin Broll kommt zu der Einschätzung kein Widerspruch. Zum Thema Ehrgeiz sagt er: „Der absolute Wille ist bei mir immer da. Ich will immer sagen: Ich habe alles getan, was möglich ist.“ Dass ihm mit Max Reule ein ernsthafter Kontrahent für den Platz zwischen den Pfosten im Nacken sitzt, sei gut. „Er bringt seine Leistung im Training, da muss ich mein Level ebenfalls hoch halten. Unser Trainingsniveau ist richtig hoch.“ Zudem passt auch das Zwischenmenschliche: „Max und ich kennen uns schon lang, haben bereits in der Jugend, gegeneinander gespielt. Jeder ist eine ehrliche Haut und wir gratulieren uns gegenseitig, wenn es beim anderen klappt.“

Stellt sich die Frage, ob der SG nach dem Erfolg beim Spitzenreiter nun am Samstag gegen den zweiten Aufstiegsaspiranten in Folge eine erneut Überraschung gelingt. „Mit dem Sieg in Osnabrück haben wir neuen Mut getankt“, sagt Kevin Broll und fordert fürs Duell mit dem Starensemble um Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz: „Unser Ziel muss sein, als gesamtes Team ein ekliger Gegner zu sein.“ Überhaupt ist für den Torhüter klar, was er und seine Mitstreiter im Kampf um den Klassenverbleib in den nächsten Wochen zu leisten haben: „Es zählt nur noch purer Wille, pure Leidenschaft, Kampfgeist pur.“ Und dann, was macht er danach, schließlich läuft sein Vertrag im Sommer aus: „Da ist alles offen, die Gespräche beginnen erst noch. Klar ist: Ich stehe zu hundert Prozent hinter diesem Verein und werde alles daran setzen, dass er auch nächste Saison noch in der Dritten Liga spielt.“