Mit neuem Mut gegen zweiten Topfavoriten in Folge

Großaspachs Drittliga-Fußballer erwarten heute das Uerdinger Starensemble und hoffen wie in Osnabrück auf eine Überraschung

Von Uwe Flegel

Großaspachs Trainer Florian Schnorrenberg weiß, was heute ab 14 Uhr auf seine Elf zu kommt: „Es gibt in der Dritten Liga keine Mannschaft, die bekanntere Namen und eine individuell höhere Klasse hat als der KFC Uerdingen.“ Dennoch wollen die Fußballer aus dem Fautenhau alles daransetzen, um im Heimspiel gegen das Krefelder Starensemble am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen. „Wir müssen ans Maximum gehen, unsere Ausfälle kompensieren und ein unangenehmer Gegner sein“, nennt der Trainer der SG Sonnenhof die Grundvoraussetzungen fürs Kellerkind, um gegen den zweiten Aufstiegskandidaten in Folge die zweite Überraschung nacheinander zu schaffen. Als Mutmacher für Aspach dient dabei das unerwartete 2:0 vergangene Woche beim Spitzenreiter Osnabrück.

„Man hat im Training gespürt, dass das für die Jungs eine kleine Befreiung war“, berichtet Schnorrenberg. Der Favoritensturz in Niedersachsen tat nicht nur dem Punktekonto, sondern auch der Seele sehr gut. Selbst der Coach gesteht, dass „ich derzeit öfter als zuletzt auf die Tabelle schaue“. Logisch. Sein Team steht als Fünftletzter nun knapp über dem Strich. Eine Position, die auch nach dem letzten Spieltag noch Bestand haben soll. Wobei kein Aspacher was dagegen hätte, wenn der Vorsprung auf die vier hinteren Ränge möglichst rasch ausgebaut wird. Einfach wird das nicht. Schnorrenberg prophezeit einen langen Abstiegskampf und empfiehlt: „Ruhe bewahren.“

Sicher ist sich der Coach, dass seine Mannschaft den Kopf, das Herz und den Willen dafür hat, um die Klasse zu halten. Als Beispiel nimmt er die Reaktion nach der unglücklichen Last-minute-Niederlage zu Hause gegen Lotte: „Ich bin stolz, dass die Jungs nach so einem Tiefschlag wieder aufgestanden sind.“ Und immerhin beim Tabellenführer einen nicht unverdienten Sieg gelandet haben. Allerdings auch einen, der Spuren hinterlassen hat. Gegen das Starensemble des russischen Investors Mikhail Ponomarev um Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz und Ex-Bundesliga-Spieler wie Dominic Maroh, Steffen Aigner, Maximilian Beister, Osayamen Osawe und Assani Lukimya fehlen der gesperrte Abwehrhaudegen Kai Gehring (5. Gelbe Karte) und der verletzte Mittelfeldantreiber Jamil Dem (Sprunggelenk). Zudem ist der Einsatz von Stürmer Kai Brünker (Zerrung) noch nicht ganz sicher und der Angreifer deshalb ein Wackelkandidat. Gehrings Position im Abwehrzentrum wird Korbinian Burger übernehmen, der zuletzt als linker Verteidiger überzeugt hat. Für diesen Job wiederum stehen vor allem Dan-Patrik Poggenberg und Yannick Thermann als Kandidaten zur Verfügung. Ebenfalls mehrere Möglichkeiten gibt es, um im zentralen Mittelfeld den lauf-, zweikampf- und kopfballstarken Jamil Dem zu ersetzen. Eine Alternative ist Michael Vitzthum, der in Osnabrück allerdings auf der linken Außenbahn glänzte und mit einem Klassetor fürs 1:0 sorgte. Zudem hofft Jannes Hoffmann, dass er nach seiner langen Verletzungspause in der Vorrunde nun vielleicht eine Chance in der Anfangsformation erhält.

Ziemlich sicher ist Zlatko Janjic zum ersten Mal von Beginn an dabei. Der 32-Jährige, der erst kurz vor Schluss der Transferperiode am 31. Januar und damit nur zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Lotte nach Aspach kam, erzielte beim 2:0 in Osnabrück nicht nur das wichtige zweite SG-Tor, sondern überzeugte nach seiner Einwechslung für den verletzten Kai Brünker auch sonst. „Er hilft uns mit seiner Erfahrung weiter, kann zudem den Ball halten und hat auch gut nach hinten gearbeitet“, lobt Schnorrenberg seinen zweitligaerfahrenen Zugang.

Wobei Spieler solchen und noch größeren Kalibers bei Uerdingen zuhauf vorhanden sind. „Welche Ambitionen dieser Verein hat, sieht man ja schon, dass er auf Platz vier liegend den Trainer gewechselt hat“, sagt der SG-Coach nur vielsagend und blickt auf die Entlassung Stefan Krämers Ende Januar. Der hatte den Ex-DFB-Pokalsieger im Sommer zum Aufstieg aus der Regionalliga geführt. KFC-Mogul Ponomarev sieht Liga drei aber nur als Zwischenstation, die er mithilfe seiner Millionen binnen zwölf Monaten hinter sich lassen will. Deshalb wollte er nicht mit Krämer nur vorne dabei sein, sondern will nun mit Ex-Nationalspieler Norbert Meier sofort hoch. Und beim Durchmarsch in Liga zwei soll die SG nicht erneut zum Stolperstein werden. Auch wenn das 0:0 in der Vorrunde eher für Uerdingen als für Aspach ein schmeichelhaftes Unentschieden war.