Fachkräftemangel ist größtes Problem

IHK-Bezirkskammer Rems-Murr: Trotz zunehmender Herausforderungen zeigt sich Wirtschaftskonjunktur in robuster Verfassung

„Trotz konjunktureller Warnzeichen und zunehmender Herausforderungen zeigen sich unsere heimischen Betriebe nach wie vor optimistisch“, so beschreibt Claus Paal, Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, die derzeitige Stimmungslage der hiesigen Wirtschaft. Der Wirtschaftslagebericht belegt einen guten Jahresbeginn trotz steigender Risiken.

Für die weitere Entwicklung sehen inzwischen über drei Viertel der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Problem. Als weitere Risikenwerden unter anderem Inlandsnachfrage, Arbeitskosten und Wirtschaftspolitik genannt. Grafik: IHK/BKZ

Von Yvonne Weirauch

WAIBLINGEN/BACKNANG. Die Auswertung des vom 10. Dezember 2018 bis zum 15. Januar 2019 durchgeführten Stimmungsbildes der Wirtschaft bei rund 340 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung zeigt, dass derzeit rund 66 Prozent ihre wirtschaftliche Lage als gut, 30 Prozent als befriedigend und nur etwa vier Prozent als schlecht beurteilen. Zudem erwarten fast 93 Prozent der Unternehmen bessere oder gleichbleibende Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten.

Zum Jahresbeginn läuft die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis also weiter auf „hohen Touren“. Trotz zunehmender Herausforderungen zeige sich die Konjunktur in einer robusten Verfassung, so die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. Noch besser als im Herbst fallen die Einschätzungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen und künftigen Geschäftslage aus. Das ist das Ergebnis des aktuellen Wirtschaftslageberichts, den die Bezirkskammer vorgelegt hat.

Rund 30 Prozent der Betriebe planen, zusätzliches Personal einzustellen

Im Vergleich zur Herbstumfrage seien die Exporterwartungen aller Unternehmen leicht gesunken. Nach 88 Prozent im Herbst rechnen jetzt knapp 87 Prozent der Unternehmen mit einer steigenden oder konstanten Entwicklung in diesem Jahr. Dabei blicken die Unternehmen aus der Industrie etwas kritischer auf die kommenden Monate: Etwa zwölf Prozent rechnen mit Einbußen im Export, fast 80 Prozent rechnen weiter mit einer günstigen Entwicklung des Auslandsgeschäfts. In der letzten Umfrage im Herbst gingen immerhin 83 Prozent der Betriebe von einer positiven und nur acht Prozent von einer rückläufigen Entwicklung aus.

„Dank der guten konjunkturellen Lage läuft der Arbeitsmarkt weiter auf Hochtouren. Rund 30 Prozent der Betriebe planen in den nächsten zwölf Monaten zusätzliches Personal einzustellen, fast 65 Prozent möchten ihre Belegschaften auf gleichem Niveau halten und fast fünf Prozent wollen Personal abbauen. Im Herbst wollten etwa 33 Prozent der Unternehmen Personal einstellen, aber 11,5 Prozent ihren Personalbestand reduzieren,“ so Markus Beier, Leitender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr.

Für die weitere geschäftliche Entwicklung sehen inzwischen über drei Viertel der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Problem. Als weitere Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung werden Inlandsnachfrage, Arbeitskosten, Wirtschaftspolitik, Energie- und Rohstoffpreise sowie Auslandsnachfrage genannt. Im Vergleich zur vorigen Umfrage haben eine nachlassende Inlandsnachfrage, ungünstige Wirtschaftspolitik und steigende Energiepreise an Bedeutung zugenommen. Dagegen werden höhere Arbeitskosten nicht mehr so stark befürchtet wie zuvor.

Die aktuelle Wirtschaftslage in der Industrie wird laut Bericht besser eingeschätzt als im Herbst: 68 Prozent der Unternehmen gut, 26 Prozent befriedigend, knapp sechs Prozent schlecht. Die künftige Lage wird besser beurteilt: 52 Prozent der Betriebe besser, 39 Prozent gleich, knapp neun Prozent schlechter. 80 Prozent gehen von steigenden oder gleichbleibenden Geschäften aus. Ein Hoch scheinen die Maschinenbauer zu verspüren: Alle Unternehmen sind mit der aktuellen Situation zufrieden.

Die Erwartungen an eine weitere Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten sind gestiegen: 48 Prozent erwarten bessere Geschäfte (vormals 45 Prozent), 45 Prozent rechnen mit keiner Veränderung, fast sieben Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage. Bei den Risiken für die künftige wirtschaftliche Entwicklung wird ebenfalls der Fachkräftemangel gesehen. An zweiter Stelle werden die Arbeitskosten genannt.

An dritter Stelle wird die Wirtschaftspolitik gesehen, an vierter und fünfter Stelle die steigenden Rohstoff- und Energiepreise. Der Blick in die Handels-Branche weist einen kleinen Dämpfer auf: Die Lage im Handel hat sich leicht rückläufig entwickelt. Der IHK-Indikator zur Bewertung der Geschäftslage ist von 48,1 Punkten im Herbst auf derzeitig 46,4 Punkte gefallen. Aktuell bezeichnen etwa 89 Prozent der Händler ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Fast elf Prozent (zuvor etwa sieben Prozent) geben eine eher schlechte Geschäftslage an. Der Blick nach vorn fällt zuversichtlicher aus. Rund 93 Prozent der Händler bezeichnen ihre künftige Geschäftslage als gut oder befriedigend.

Die Wirtschaftslage bei den Dienstleistern fällt nach Angaben der IHK positiv aus. Alle Dienstleister halten ihre aktuelle Geschäftslage für gut oder befriedigend. Im Herbst waren nur knapp 92 Prozent zufrieden. Rund 79 Prozent sind mit ihrem derzeitigen Auftragsbestand und fast 92 Prozent mit ihrer jetzigen Ertragslage positiv eingestellt. 31,5 Prozent der Betriebe erwarten einen Aufschwung und gut 62 Prozent gehen von einer konstanten Geschäftsentwicklung aus.