SG hat Spaß an Rolle als Favoritenschreck

3:2-Erfolg gegen Uerdingens Startruppe verschafft Aspachs Drittliga-Fußballern ein wenig Luft im Kampf um den Klassenverbleib

Die sogenannten Großkopfeten liegen dem Dorfklub der Dritten Liga ganz offensichtlich. Auf die 2:0-Überraschung bei Tabellenführer VfL Osnabrück ließ die SG Sonnenhof nun ein 3:2 gegen die Startruppe des KFC Uerdingen folgen. Binnen einer guten Woche sicherten sich Großaspachs Fußballer damit gegen zwei Aufstiegskandidaten sechs wichtige Punkte für den Kampf um den Klassenverbleib.

Verabschiedeten sich mit Großaspach dank des zweiten Überraschungssiegs in Folge zumindest vorläufig aus der direkten Abstiegszone: Timo Röttger und Zlatko Janjic. Die beiden Routiniers erzielten beim 3:2 über den KFC Uerdingen die drei Treffer für die Elf aus dem Fautenhau. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Trainer Florian Schnorrenberg hatte bereits unter der Woche festgestellt: „Irgendwie tun wir uns gegen schwere Gegner leichter. Vielleicht weil da die Erwartungshaltung nicht so hoch ist.“ Als Beispiele für seine These führte er einerseits die unglückliche Last-Minute-Heimniederlage gegen das damals ebenfalls hinten drin stehende Lotte (0:1) an und andererseits den folgenden 2:0-Husarenstreich bei Spitzenreiter Osnabrück. Das 3:2 gegen den früheren DFB-Pokalsieger aus Krefeld passt ebenfalls in dieses Bild. Schließlich gelang der verdiente Sieg gegen eine Elf, in der bis auf Mittelfeldmann Connor Krempicki jeder Spieler erst- oder wenigstens zweitklassig als Profi unterwegs war. Ein Erfolg über einen Gegner, der neben dem deutschen Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz noch frühere polnische, kongolesische oder sonstige Nationalspieler hat. Ein Kontrahent, der in der Anfangsphase mit schnellen Kombinationen und gutem Passspiel seine Qualität demonstrierte.

Dennoch war es am Ende das Team aus dem Fautenhau, das sich im Abstiegskampf drei Punkte erarbeitete, erkämpfte und auch erspielte. „Uerdingen hat nach 20 Minuten aufgehört zu spielen“, urteilte auf der Tribüne Aspachs Ex-Coach Rüdiger Rehm, der mit Wehen-Wiesbaden tags zuvor in Unterhaching mit 2:1 gewonnen hatte und auf den dritten Rang geklettert war. Entsprechend gerne erlebte er bei seinem früheren Verein den Patzer des Konkurrenten im Aufstiegsrennen mit.

Weniger gut hatte die Partie dagegen seinem Kollegen Norbert Meier gefallen. „Eine halbe Stunde lang hatten wir alles im Griff, dann kam der Ausgleich und wir haben die Kontrolle verloren“, analysierte Uerdingens Coach. Warum das so war, sprach der Ex-Nationalspieler deutlich an. „Das hier war Drittligafußball, das war Leidenschaft. Du fährst nicht einfach mal in Großaspach vorbei. Du musst dir hier jeden Punkt hart erkämpfen.“ Der erfahrene Trainer hatte den Finger in die richtige Wunde seines Starensembles gelegt. Als es intensiv wurde, als Willens- und Zweikampfstärke gefragt waren, da geriet die Elf vom Niederrhein trotz früher Führung gegen die Schwaben auf die Verliererseite.

Schnorrenberg ist glücklich,

aber nicht mit allem zufrieden,

was von seiner Elf kam

Glücklich, aber nicht mit allem zufrieden, war allerdings auch der SG-Coach: „Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht den richtigen Zugriff und sind zu tief gestanden.“ Erst nach und nach arbeitete sich Schnorrenbergs Team in die Partie und hatte die richtigen Akteure zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Vorwärtsgang hießen sie vor allem Makana Baku, Timo Röttger und Zlatko Janjic. Erstgenannter bereitete alle drei Tore mit Flanken, Fleiß, gewonnenen Zweikämpfen und Balleroberungen vor. Timo Röttger machte den Deckel drauf und Winterzugang Janjic traf doppelt. Damit hat der 32-Jährige in nur 180 Spielminuten für Aspach bereits drei Tore erzielt. Ein Einstand, „wie man ihn sich nicht besser wünschen kann“, gestand der Routinier, sah das aber fast als seine Pflicht an: „Ich bin hier her gekommen, um zu helfen.“ Die Rolle füllt er bisher bestens aus.

Ist Glanz in der SG-Offensive in dieser Saison eher neu, so gehört die Defensivstärke fast schon zum gewohnten Bild. Wieder einmal stemmte sich Aspach geschlossen dem Gegner entgegen. Wie so oft ging Julian Leist voran, nahm sich des KFC-Kraftpakets Osayamen Osawe intensiv an. Dabei blieb Aspachs Kapitän nicht immer, aber sehr, sehr oft der Sieger.

Bei all dem Jubel hielten die Schwaben den Ball verbal schnell wieder flach. „Jetzt genießen wir den Sieg ein wenig, dann schauen wir, was Aalen am Montag macht und bereiten uns danach sofort aufs Derby am Freitag dort vor“, richtete Schnorrenberg den Fokus schnell auf die nächste Aufgabe. Schließlich weiß der Coach ebenso wie sein Abwehrkämpe Kai Gehring, der diesmal wegen einer Gelbsperre fehlten: Die Erfolge gegen Osnabrück und Uerdingen sind gut fürs Selbstvertrauen, aber „erreicht ist noch nichts.“ Drei Punkte auf die Abstiegsplätze sind kein großer Vorsprung. Ein kleiner Polster ist es aber schon. Den Erfolgen gegen Großkopfete sei Dank.