Gekommen, um dauerhaft zu bleiben

Frauenschwimmteam der TSG Backnang will sich nach Oberliga-Meisterschaft und Aufstieg in der Zweiten Bundesliga etablieren

Backnang hat einen weiteren Bundesligisten. Einen Zweitbundesligisten, um präzise zu sein. Wie erwartet reichte die Punktzahl, mit der die TSG-Schwimmerinnen kürzlich in Freiburg den Titel in der baden-württembergischen Oberliga holten, um sich im Fernduell mit den Vereinen aus Bayern, Hessen und Sachsen einen Aufstiegsplatz zu sichern. „Ich hoffe, wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagt Abteilungsleiter Mark Daynes.

Haben den Sprung in die Zweite Bundesliga geschafft: Die Schwimmerinnen der TSG Backnang. Laura Manolaras, Cara Möhle, Emma Schmiedefeld, Sara Mauthe, Sira Schelzel, Jule Sittart, Chiara Vetter und Dilara Gül (von links) freuen sich auf die neue Herausforderung. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Schwimmer sind eigentlich Einzelkämpfer. Individualisten im Rennen gegen die Uhr und die Rivalen auf den Nebenbahnen. Einmal im Jahr werden sie aber zu Teamspielern – und zwar dann, wenn der DMS auf dem Programm steht. DMS bedeutet Deutscher Mannschaftswettbewerb und gilt als Kultwettkampf und als Ritual, das alle zwölf Monate in den verschiedenen Ligen mit viel Freude zelebriert wird. „Das war schon zu meiner Zeit etwas Besonderes“, erinnert sich Mark Daynes.

Daran hat sich nichts geändert. „Es ist eine Extramotivation“, zieht Sira Schelzel den Vergleich zu den üblichen Einzelrennen: „Man will das Team nicht enttäuschen, aber das ist positiver Druck.“ Einer, mit dem die 15-Jährige und ihre Teamkolleginnen im Breisgau bestens klarkamen. Nachdem der Wettbewerb für die Murrtalerinnen gut begonnen hatte, schöpften sie zusehends Selbstvertrauen. „Wir wussten, dass wir richtig starke Gegner haben“, erzählt Emma Schmiedefeld (15): „Etwa ab der Mitte des Wettkampfs haben wir uns aber wirklich Hoffnungen gemacht, dass es mit der Oberliga-Meisterschaft klappt.“ Mit 15395 Punkten hängte die TSG, die als Neuling in der Vorsaison den sechsten Platz belegt hatte, den VfL Sindelfingen (14921) sowie die SSG Reutlingen/Tübingen (14833) ab. „Meine Mädels sind überragend geschwommen“, lobt Jörg Scheifele und verweist auf die vielen persönlichen Bestzeiten, die seine Schützlinge erzielten.

Ihren Anteil am Erfolg hatte aber auch die Polin Julia Zaborowicz, die Backnangs Trainer über sein Netzwerk verpflichtete, „um den Aufstieg abzusichern“. Rückblickend „wären wir auch ohne sie aufgestiegen“, betont Scheifele, trotzdem soll es keine einmalige Angelegenheit bleiben: „Sie wird weiter für uns starten und teilweise auch mit uns trainieren, zum Beispiel im Ostertrainingslager in Italien.“ In Freiburg übernahm Zaborowicz unter anderem die 200 Meter Schmetterling, um die sich die TSG-Sportlerinnen nicht unbedingt gerissen hatten, um es vorsichtig auszudrücken. „Das ist die spannende Frage für die Mädchen: Wer muss die unbeliebten Strecken schwimmen?“, verrät Scheifele. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die eine oder andere zu etwas zu verdonnern, was ihr eigentlich nicht liegt, weil es das Reglement verlangt. 13 Strecken (100 und 200 Meter Brust, Freistil, Rücken und Schmetterling, 50, 400 und 800 Meter Freistil, 200 und 400 Meter Lagen) sind jeweils zweimal zu absolvieren – macht 26 Rennen, doch jede einzelne Schwimmerin darf maximal viermal auf den Startblock klettern und keine Strecke doppelt abdecken. „Das ist eine ziemliche Tüftelei“, gewährt der Trainer einen Einblick in seine mühsame Arbeit im Vorfeld: „Eigentlich hat jede Schwimmerin ihre ‚Will-ich-eigentlich-nicht-Strecke‘ drin.“ Neben Julia Zaborowicz biss Dilara Gül in den sauren Apfel, die 200 Meter Delfin meistern zu müssen, über 400 Meter Lagen wurden Cara Möhle und Emma Schmiedefeld in die Pflicht genommen.

„Es zeichnet die Mannschaft aus, dass das funktioniert hat“, freut sich Scheifele, „letztlich muss eben die optimale Punktzahl herauskommen.“ 1000 Punkte würde es für die Einstellung des aktuellen Weltrekords geben. „Ab 600 Zählern fängt es auf unserem Niveau an, richtig Spaß zu machen.“ Mit den persönlichen Bestzeiten, die im TSG-Lager auf das vermehrte Wochenendtraining und die Athletikeinheiten zurückgeführt werden, sorgten die Backnangerinnen für eine gute Punktausbeute – und für eine zufriedene Miene bei Scheifele, dem der DMS als Kontrolle für die Leistungskurve auf dem Weg in die Sommersaison mit den wichtigen Einzelmeisterschaften dient. Nicht zuletzt deshalb will er 2020 auch mit den Jungs um Jannik Mauthe, Richard Schmiedefeld und einige Talente in der Bezirksliga einsteigen.

Das Aushängeschild ist aber fürs Erste das Frauenteam, das in der gegenüber dem Norden und Westen als besonders stark geltenden Südstaffel der Zweiten Bundesliga bestehen will. „Wir haben Respekt vor der Herausforderung“, sagt Chiara Vetter (17), „wir müssen uns noch steigern.“ An der Stelle fällt ihr Emma Schmiedefeld ins Wort: „Das schaffen wir.“ Mut macht die Rechnung des Trainers, dass im Feld der zwölf Vereine bereits die aktuelle Punktzahl für das Mittelfeld reichen müsste.