Viele Aufgaben und ein ganz großer Schritt

Handballtalent Jana Scheib hat erst das Abitur, dann die U-19-EM und den Wechsel zum Erstligisten Bad Wildungen im Blick

Jana Scheib wird’s nicht langweilig. Nach langer Verletzungspause geht die Handballerin für Bietigheim wieder auf Torjagd. Unlängst absolvierte die Linkshänderin aus Oppenweiler ihr letztes Jugendspiel, sie kämpft mit der SG BBMII um den Drittliga-Verbleib, wurde fürs U-19-Nationalteam nominiert und in der Schule steht das Abitur an. Zudem bahnt sich im Sommer ein großer Schritt an: Scheib wechselt zum Erstligisten HSG Bad Wildungen.

Nach langer Verletzungspause wieder am Ball: Jana Scheib. Die 18-jährige Jugendnationalspielerin aus Oppenweiler hat für die nahe Zukunft wichtige Ziele in den Blick genommen. Foto: Baumann

Von Alexander Hornauer

Vergangenes Jahr blieb Jana Scheib bei den Spielen ihrer Mannschaften lange nur die Rolle als Zuschauerin. Sie hatte sich das zweite Mal das Kreuzband gerissen. Die ambitionierte Sportlerin aus dem Murrtal begegnete dem Rückschlag aber mit bemerkenswerter Zuversicht und eisernem Willen. Sie verbrachte viele Stunden in Praxen und im Fitnessstudio. Im November kehrte sie aufs Handballfeld zurück und ging wieder ihrem liebsten Hobby nach. Schon als kleines Kind jagte sie mit dem Ball in der Hand durch die Halle. Mama Regina war eine gute Spielerin, und Papa Bernhard ist ein ehemaliger Zweitliga-Spieler und Rekordtorschütze beim TV Oppenweiler. Der Sport liegt Jana Scheib im Blut.

Mit den ersten Monaten nach ihrem Comeback ist sie zufrieden. Sie findet, dass „ich bereits nach kurzer Zeit wieder gut reingekommen bin“. Sie spielt aktuell für Bietigheims Zweite in der Dritten Liga und möchte dazu beitragen, den Klassenverbleib zu sichern. Bis zum vergangenen Wochenende bestritt sie auch Begegnungen für die A-Jugend. Weil ihr Team in der Zwischenrunde der Bundesliga ausschied, war die Partie gegen den HCD Gröbenzell im bei Hamburg gelegenen Brunsbüttel ihr letztes Jugendspiel.

Damit geht ein Abschnitt in Jana Scheibs Sportlerinnenleben zu Ende, der vor über einem Jahrzehnt bei den TVO-Minis seinen Anfang nahm. Doch zugleich tun sich auch neue Türen auf. Im Sommer verlässt Jana Scheib die SG BBM Bietigheim und wechselt zur HSG Bad Wildungen. Beim Verein aus dem Enztal spielt sie seit der D-Jugend. Sie schnupperte als Jugendliche schon Bundesliga- und Champions-League-Luft. Nun will sie in Nordhessen den Übergang in den Erwachsenbereich schaffen. „Ich habe mir gesagt, wenn ich die Chance bekomme, möchte ich den Schritt in die Bundesliga wagen.“ Beim Klub aus dem Mittelfeld der Tabelle tat sich die Gelegenheit auf – und Scheib sieht gute Chancen, dort den Sprung auf das hohe Niveau in der Eliteliga zu packen.

„Ich werde sehr gute Bedingungen haben“, ist sich die Sportlerin sicher, nachdem sie ein Probetraining bei den sogenannten Vipers absolviert hat. Ihre Nationalmannschaftskollegin Maxi Mühlner, mit der sie 2017 U-17-Europameisterin wurde und mit der sie sich auch privat gut versteht, spielt bereits für die HSG und sprach ihr gut zu. Die 18-Jährige aus Oppenweiler sagt: „Ich kann hier viel von den älteren Spielerinnen lernen und möchte unter Trainerin Tessa Bremmer zu einer Bundesliga-Spielerin reifen.“

Parallel geht auch die Nationalmannschaftskarriere der 1,80 Meter großen Sportlerin voran. „Im Sommer bin ich aufgrund des Alters von der Jugend zu den Juniorinnen aufgerückt“, erklärt Jana Scheib, die wie schon Vater Bernhard bevorzugt mit links wirft. Dass sie schon kurz nach dem Comeback wieder zu einem Lehrgang eingeladen wurde, hat sie sehr gefreut: „Da haben sich die vielen Stunden Arbeit in der Reha gelohnt.“

Junioren-Europameisterschaft

im ungarischen Györ

ist ein verlockendes Ziel

Anfang März stehen weitere Trainingseinheiten mit dem Nationalteam an, im Sommer lockt die EM im ungarischen Györ. Jana Scheib wäre gern dabei. „Der Kader steht noch nicht fest. Ich werde im Training und im Spiel alles geben, um nominiert zu werden.“ Das ist derzeit aber nicht das einzige Ziel der ehrgeizigen Sportlerin, macht sie doch zudem am Stuttgarter Cotta-Gymnasium ihr Abitur. Vor dem großen Schritt nach Hessen hat sie bei aller Vorfreude auch Respekt. Sie bezeichnet sich selbst als „echten Familienmenschen“, da fällt der Weggang aus dem gewohnten Umfeld nicht leicht. Aber sie ist guter Dinge, sich in Bad Wildungen gut einleben zu können. „Dort hat es ein sehr familiäres Umfeld.“ Und die Tatsache, dass mehrere Frauen-Bundesligisten im Großraum Stuttgart beheimatet sind, kommt ihr entgegen. „Dadurch spiele ich häufig in der Gegend.“