Das große Weinen der Narren

Backnanger Karnevals-Club verabschiedet bei der traditionellen Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch den Fasching

Aktive und Freunde des Backnanger Karnevals-Club haben am gestrigen Aschermittwoch bei der Geldbeutelwäsche am Gänsebrunnen Abschied vom Fasching genommen. Als Aufmunterung für die Trauergemeinde wurde über die lustigen Pannen der Kampagne gesprochen.

Oh weh, oh weh, die Geldbeutel sind leer und die Narren traurig: Der Fasching ist offiziell zu Ende, der Backnanger Karnevals-Club verabschiedet ihn bei der traditionellen Geldbeutelwäsche am Gänsebrunnen vor dem Rathaus. Foto: J. Fiedler

Von Silke Latzel

BACKNANG. Lautes Jammern und Wehklagen klingt durch die Backnanger Innenstadt. Ein dunkel gekleideter Trauerzug marschiert zu den Klängen von Leonard Cohens „Halleluja“, gespielt von den Lohkäs-Tramplern, auf den Gänsebrunnen vor dem historischen Rathaus zu. Dort soll das Wasser – nach altem närrischem Glauben – Silber enthalten. Und die Narren des Backnanger Karnevals-Club (BKC) wollen ihre leeren Geldbeutel mit eben diesem Wasser auswaschen, damit zumindest ein bisschen des Silbers hängen bleibt. Denn am Ende der Faschingssaison ist kein Geld mehr übrig, die Kampagne hat alles verschluckt.

Auch beim Kinderfasching
geht etwas gründlich schief

Während an anderen Orten die Fasnet verbrannt wird, wird sie in Backnang zu Grabe getragen. Das symbolisiert nicht nur das Kreuz im Gänsebrunnen, sondern auch ein Blumengesteck und Grablichter – in denen mittlerweile übrigens nicht mehr Kerzen sondern LED leuchten. Denn auch wenn die Geldbeutelwäsche eine sehr alte Tradition ist, geht man doch auch mit der Zeit. Und so könnte es theoretisch winden und stürmen, die Lichter würden weiterbrennen.

Die Narren sind traurig, dass es für diese Saison vorbei ist mit dem Fasching. Um sie zu trösten erinnert Detlev Reichert vom Präsidium des BKC seine Narren daran, wie schön die närrischen Tage doch waren und wie viel Spaß sie gebracht haben. Dass dabei nicht alles glatt gelaufen ist, kann er anhand einiger Beispiele aufzeigen. So habe man etwa beim Ordensfest in Stuttgart-Stammheim gemütlich mit den Freunde aus Bad Cannstatt zusammen an einem Tisch gesessen, gelacht und eine gute Zeit gehabt, als auffällt: Das Gastgeschenk ist noch in Backnang. Eilends helfen die Cannstatter aus, besorgen eine Flasche Sekt und dekorieren diese sogar mit Luftschlangen – Peinlichkeit abgewandt.

Auch der vermeintlich harmlose Kinderfasching hatte es in diesem Jahr in sich. Denn in der öffentlichen Ankündigung wurde nicht die Stadthalle als Veranstaltungsort angegeben, sondern die Adresse von Präsidiumsmitglied Gaby Kallfaß. „Wer weiß, wie viele Kinder da vor ihrer Tür standen“, so Reichert.

Wer glaubt, als Mitglied des BKC immer gleich als solches erkannt zu werden, der irrt. Das zeigte sich laut Reichert beim Seniorenfasching, als es zu einer komödiantischen Verwechselung kam. „Da stand also unser Anton mit Hemd, Hose und Fliege bekleidet an der Tür und dann kommen ein paar der älteren Gäste auf ihn zu und wollen wissen, welches der von ihnen reservierte Tisch sei.“

Gerade diese Pannen und Verwechslungen muntern die Narren auf, sie erinnern sich gerne an die Saison zurück und freuen sich schon jetzt auf das kommende Jahr. Nachdem die Geldbeutel wieder trocken sind, geht es sogleich auch weiter ins Vereinsheim, zum ebenfalls traditionellen Heringsessen. Und dabei fällt ihnen sicherlich die ein odere andere weitere Geschichte ein, die ihnen hilft, die Zeit bis zum nächstens Fasching gut über die Runde zu kriegen.