„Ihr müsst heut Abend nicht fernsehen“

Die Kabarettistin Marianne Schätzle als Angela Merkel in der Gruschtelkammer Auenwald

Marianne Schätzle kennt man als Angela die Zweite. „Früher war nix to go“ heißt ihr Comedy-Programm, das sie jetzt in der Gruschtelkammer Auenwald präsentierte. Und dabei ist nicht nur die Bundeskanzlerin Thema.

Beim Lied über „Schleimscheißereien“ begleitet sich Marianne Schätzle in der Sängerhalle Oberbrüden mit der Ukulele. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

AUENWALD. „Saumäßig“ freute sich Charley Graf über eine Künstlerin, die „hier nicht so bekannt“ ist. Bereits vor drei Jahren hatte der Chef des Fördervereins Kleinkunstbühne den Vertrag mit dem Merkel-Double Marianne Schätzle gemacht und bei der Bundestagswahl dann gezittert. „Angela II.“ gab jetzt Entwarnung. Denn auch wenn die Kanzlerin sich allmählich aus der Politik zurückziehen will – im Amt ist sie ja noch, und ihr Alter Ego Marianne Schätzle weiß die Rolle ihrer gelegentlichen Vertreterin auszufüllen.

Zunächst allerdings ist „Angie“ gar nicht anwesend, und noch bevor das Publikum in enttäuschtes Raunen ausbrechen kann, verkündet die Kabarettistin: „Wir schaffen das!“ Sie wird ihr Versprechen halten und den Gästen zu späterer Stunde, mit Perücke und Blazer ausgestattet, lispelnderweise erscheinen.

Aber wie kam Marianne Schätzle eigentlich zu ihrer Paraderolle? Sie sei irgendwann darauf angesprochen worden, dass sie aussähe wie die damalige Umweltministerin Angela Merkel und nahm sich ihrer an, als die Vergleiche sich häuften. „Kohls Mädchen“ war das damals noch, aber längst ist Schätzle Kanzlerinnen-Double und auch im Fernsehen präsent. Jedoch: „Ihr habt’s gut, ihr müsst heut Abend nicht fernsehen“, bemerkt sie zur Begrüßung und geht erst einmal ein paar Beispiele des Trash-TV durch. „Die Geissens“ bezeichnet Schätzle als „die Sendung mit der Geiss“ und befindet, dass Carmen Geiss eines Tages voraussichtlich nicht beerdigt, sondern im gelben Sack entsorgt werden wird, Plastik eben. Auch die Produktion „Bauer sucht Frau“ nimmt Schätzle aufs Korn – hierfür müsse stets ein „Mindeststandard an IQ und Anstand unterschritten“ werden. Selbst auf einem Bauernhof („nicht zu verwechseln mit einem Ponyhof“) aufgewachsen, muss die Kabarettistin es wissen. Sie kritisiert die Billigmentalität der Verbraucher und resümiert angesichts fallender Fleischpreise: „Die sollen doch Klopapier fressen.“ Und dann hagelt es Witze von der Bühne. Sie führen zu einer Frau Häberle und in den Supermarkt, zu George Clooney und den Paaragenturen Elitepartner und Parship, zu Kurienerzbischof Georg Gänswein (dem „George Clooney des Vatikan“) und der modernen Frau sowie dem Thema Altern. Mancher Gag ist Geschmackssache. Das Publikum reagiert freundlich und höflich, aber nicht so ausgelassen, wie man es in der Gruschtelkammer gewöhnt ist. Am besten kommen immer noch klare Stellungnahmen der Künstlerin an, beispielsweise Scherze zur weitverbreiteten politischen Korrektheit.

Höhepunkt des Abends in der Sängerhalle ist ein Lied über „Schleimscheißereien“, das Marianne Schätzle zur Ukulele singt. „S kriacht a Schneckle“ heißt es da, und die Gäste sind begeistert. Im zweiten Teil ihrer Vorstellung empfängt die Kabarettistin Handyanrufe und entführt ihre Gäste gewissermaßen auf die Psychiatercouch. Sie lässt das Publikum die Nationalhymne summen und verspricht noch einmal: „Ich hol se.“ Klar, dass die Kanzlerin gemeint ist, und ach, sogar deren Mann Joachim Sauer muss Marianne Schätzle vertreten.