Alte Freunde, die ohne Präsent erscheinen

Wenn Aspachs Elf am Mittwoch Wiesbaden empfängt, dann sind beide Drittligisten in Zugzwang und haben nichts zu verschenken

Eigentlich könnte der Mittwochabend im Fautenhau richtig gemütlich sein. Schließlich ist es eine Partie unter vielen alten Bekannten, wenn Aspachs Fußballer den SV Wehen Wiesbaden empfangen. Da aber die Gastgeber im Kampf um den Drittliga-Verbleib ebenso wenig wie die Hessen im Aufstiegsrennen was auslassen dürfen, wird’s ab 19 Uhr wohl eher ein Duell zweier Mannschaften, die richtig kräftig unter Zugzwang stehen.

Im Fautenhau zwar immer noch ein stets gern gesehener Gast, der morgen aber einen möglichst unangenehmen Abend erleben soll: Rüdiger Rehm. Der Ex-Aspacher kehrt mit Wiesbaden in die frühere Heimat zurück, darf von der alten Liebe allerdings keine Punktgeschenke erwarten. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Bei der SG sind Maximilian Reule, Kai Gehring, Michael Vitzthum, Zlatko Janjic und Dominik Martinovic die fünf Protagonisten. Beim Ex-Zweitligisten aus der hessischen Landeshauptstadt haben Coach Rüdiger Rehm und sein Co-Trainer Mike Krannich sowie Moritz Kuhn, Jeremias Lorch und Maximilian Dittgen eine Vergangenheit beim morgigen Kontrahenten. Wird noch der von den Schwaben an den Nordost-Regionalligisten Erfurt ausgeliehene Stephane Mvibudulu dazugezählt, dann reicht es gar für eine komplette Elf, deren Akteure für beide Klubs schon am Ball waren. Doch um Freundschaft und alte Verbindungen geht es garantiert nicht, wenn der Vierte um den Anschluss an die Aufstiegsplätze und das gastgebende Kellerkind ums Überleben in Liga drei kämpfen.

Ganz besonders gilt das für Wehens Trainer Rüdiger Rehm, der bekanntlich in Aspach eine ganz intensive Vergangenheit hat. Erst Spieler und Co-Trainer, dann Chefcoach und der Mann, der vor nicht ganz fünf Jahren den Verein aus dem Fautenhau in die Dritte Liga führte. Acht Jahre war der heute 40-Jährige bei der SG Sonnenhof am Ball und eine diese Zeit mitprägende Figur. „Wenn man in Großaspach Trainer wird, dann hört man schnell und oft den Namen Rüdiger Rehm“, erzählt Florian Schnorrenberg so, dass es sich durchaus anerkennend anhört. Für den Coach der Schwaben ist es auch deshalb keine Frage, „dass Wehen Wiesbaden diese Saison ins Aufstiegsrennen eingreift“. Die drei Spiele in Folge ohne Sieg, die die Hessen zuletzt von Rang drei auf vier zurückfallen ließen, ändern für den SG-Coach daran nichts. „In der Liga ist jederzeit alles möglich.“ Außerdem: „Davor hat Wehen Wiesbaden fünf Spiele in Folge gewonnen.“

Schnorrenberg macht sich dann auch nichts vor. Im Heimspiel kommt auf seine Elf kein nettes Wiedersehen mit alten Freunden, sondern eine Schwerstaufgabe zu. Denn das Team des SVWW verfügt über eine enorm hohe Qualität. „Das ist schon eine richtig, richtig gute Mannschaft“, lobt Schnorrenberg den Gegner und wird von der Statistik bestätigt. Der Ex-Zweitligist ist nicht nur das Team mit der torgefährlichsten Offensive (48 Treffer), sondern „im Umschaltspiel nach Ballgewinn auch das Beste, was die Liga zu bieten hat“, urteilt Aspachs Trainer. Er macht klar, dass seine Fußballer gegenüber den Vergleichen mit Cottbus und in Rostock (beide 0:0) in Sachen Spielaufbau die Fehlerquote dringend verringern und im eigenen Ballbesitzspiel wieder deutlich präziser werden müssen. Gelingt das nicht, dürfte es gegen die favorisierten Schnellangreifer aus der Rhein-Main-Region schwer werden, wenigstens einen Punkt zu ergattern.

Verstecken muss sich der Tabellensechzehnte vor dem Vierten allerdings nicht. Denn immerhin sind die Aspacher mittlerweile seit fünf Spielen ohne Niederlage, kletterten dank zweier Siege und drei Unentschieden auf einen Nichtabstiegsrang. Allerdings ist der Abstand nach hinten nicht übermäßig groß. Drei Punkte würden dem SG-Konto auf jeden Fall sehr guttun. Ob die gegen den Ex-Coach gelingen? „Wir müssen an unser Maximum kommen“, nennt Schnorrenberg als Mindestvoraussetzung, damit eine Überraschung wie beim 2:0 in Osnabrück oder beim 3:2 gegen Uerdingen gelingt. Gut wäre dafür, wenn die SG-Spieler die Strapazen von der Auswärtspartie in Rostock möglichst rasch aus den Kleidern geschüttelt hätten. Von Vereinsseite wurde dafür jedenfalls viel getan und die sparsamen Schwaben ließen sich das was kosten, kam das Aspacher Team doch zum ersten Mal in der SG-Geschichte in den Genuss, die Heimreise von einem Auswärtsspiel mit dem Flugzeug antreten zu dürfen (wir berichteten). Im Abstiegskampf zählt in einer englischen Woche jegliche Unterstützung, damit die nötige Frische vorhanden ist, um einem Favoriten ein Bein zu stellen. Selbst wenn es dabei gute Bekannte trifft.