Verkehrskonzept soll Probleme lösen

Aspacher Verwaltung möchte herausfinden, wo es verkehrstechnisch klemmt – Bürger sollen beteiligt werden

Stau auf dem Autobahnzubringer, Lärm und Schleichverkehr: In Aspach brennt das Thema Verkehr seit Langem unter den Nägeln, die Beschwerden der Bürger nehmen zu. Jetzt handelt die Kommune und möchte ein integriertes Verkehrskonzept erarbeiten lassen. Die Kosten von rund 68000 Euro sorgten für Diskussionen im Gemeinderat.

Waren frühere Verkehrskonzepte vor allem autolastig, werden heutzutage auch Fahrradfahrer und Fußgänger berücksichtigt.

Von Silke Latzel

ASPACH. Fast 25 Jahre ist es her, dass die Gemeinde letztmals ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben hat. Die damals angeregten Verbesserungen – unter anderem die Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen Rathaus und Lammkreuzung und deren Umgestaltung – wurden nach und nach umgesetzt. Doch das Verkehrsaufkommen heute ist mit dem von vor 25 Jahren nicht mehr zu vergleichen – Zeit also für eine neue Bewertung der Situation und auch für neue Verbesserungsvorschläge.

Am Montagabend stellten Philipp Hölderlich und Raphael Domin vom Verkehrsplanungsbüro Planersocietät aus Dortmund, Filiale Karlsruhe, das Angebot für das Konzept dem Gemeinderat vor. „Wir wissen, dass das Thema Verkehr ein sehr sensibles ist, deshalb ist die Kommunikation ein wichtiger Teil unserer Arbeit und wir wollen stark mit den Bürgern in den Dialog gehen“, so Hölderlich gleich zu Beginn. Früher habe man Verkehrskonzepte vor allem sehr autofreundlich gestaltet, das sei heute nicht mehr der Fall. „Wir wollen alle Verkehrsmittel beachten, nicht nur Autos.“

Bürger und Gemeinderäte

sollen intensiv beteiligt werden

„Wir haben in einer Vorbesprechung sehr intensiv darüber geredet, welche Punkte wir in dem Konzept aufgenommen haben möchten“, so Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff. So seien nicht etwa nur die Ortsmitte Großaspach oder der Verkehr auf dem Autobahnzubringer ein Thema, das bearbeitet werden soll. „Auch der Schleichverkehr von Strümpfelbach bis Sinzenburg, die Lage in den Bergteilorten und am Stadion – das alles sind Punkte, die wir mit aufgenommen haben.“

Da die Erarbeitung eines solch umfassend angelegten Konzepts Zeit braucht und sich auch die Ergebnisse nicht aus dem Ärmel schütteln lassen, hat das Büro Planersocietät einen Plan vorgelegt, der von den ersten Schritten bis zur Präsentation der Ergebnisse rund ein Jahr vorsieht – bei Start im März 2019 wäre der Abschlussbericht im März 2020 fertig. Raphael Domin erläuterte die Vorgehensweise: Zunächst einmal wolle man sich mit der Situation vor Ort vertraut machen, Ortsbesichtigungen und Verkehrszählungen seien geplant. Danach gehe es darum, zu formulieren, welches die wichtigsten Ziele sind. Auf Basis dieser Ergebnisse wolle das Büro für die Gemeinde ein Handlungskonzept erarbeiten, in dem konkrete Projekte und Maßnahmen beschrieben werden, wie etwa die Taktung der Busse zu optimieren oder die Parkmöglichkeiten zu verbessern. Am Ende steht die Präsentation des Gesamtberichts. „Wir möchten auch einen interfraktionellen Arbeitskreis bilden, um den Gemeinderat mit einzubeziehen“, so Domin. Optional könne die Gemeinde auch eine Planungsradtour mit den Bürgern oder eine Vorstellung der Analyse in einem Bürgerforum zum Grundpaket buchen – mit entsprechenden Mehrkosten natürlich.

Am Ende gibt es bei der Abstimmung eine Enthaltung

Und genau bei den Kosten sah SPD-Gemeinderat Wolfgang Schopf die Schwierigkeit: „In den vergangenen Sitzungen wurde darüber gesprochen, dass wir sparen müssen. Der Grundpreis des Konzepts beträgt schon rund 68000 Euro. Und damit haben wir nur eine Grundlage und noch nichts konkret verlegt. Grundsätzlich finde ich es gut, dass wir uns darum kümmern, aber die Frage ist, ob wir es uns leisten können.“

Auf Unverständnis stieß er damit bei seinen Ratskollegen – der Geräuschpegel im Raum nahm zu. Für den sonst sehr ruhig agierenden Gemeinderat eher ungewöhnlich. Klaus Hamann (Freie Wählervereinigung) sagte etwa: „Wir diskutieren doch jetzt schon länger darüber, dass wir ein neues Verkehrskonzept brauchen. Und jetzt diskutieren wir schon wieder, ich verstehe das nicht. Wir treiben das doch schon seit Jahren vor uns her. Wenn man bedenkt, wie teuer manche Ingenieursleistungen heute sind, dann ist dieser Preis doch sehr günstig.“ Auch Hamanns Fraktionskollege Gerd Raichle äußerte sich positiv: „Nach 25 Jahren müssen wir etwas Neues auf die Beine stellen. Und dann wird auch noch der Bürger mitbeteiligt – das wird ein Leuchtturmprojekt für die Gemeinde. Ich denke, dass hier jeder Cent gut investiert ist.“ Peter Hanisch und Wolfgang Klenk (beide CDU und Bürgerliche Wählerliste) brachten ebenfalls zum Ausdruck, dass sie die Erarbeitung des Konzepts für wichtig und die Kosten für moderat halten.

Ein weiterer Punkt, der für Diskussionen sorgte: Sollte man die L1115 überhaupt mit in das Konzept aufnehmen, wenn man am Ende sowieso keine Entscheidungshoheit habe, weil die Zuständigkeit dieser Straße beim Land Baden-Württemberg liegt? Selbstverständlich, so die Bürgermeisterin. „Wir müssen uns vorbereiten und aufstellen für etwaige Diskussionen und offensiv mit unseren Wünschen bezüglich des Autobahnzubringers umgehen.“ Zudem sei man so in der Lage, dem Regierungspräsidium frühzeitig entsprechende Signale zu geben, pflichtete ihr Hölderlich bei.

Mit einer Enthaltung – von Wolfgang Schopf – stimmte der Gemeinderat am Ende dafür, den Auftrag zur Erstellung des Verkehrskonzepts an das Büro Planersocietät zu vergeben.