Die neue Chefin kommt aus Waiblingen

Christine Käferle übernimmt am 1. April von Jürgen Kurz den Vorsitz der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit

Christine Käferle aus Waiblingen wird neue Chefin der Agentur für Arbeit in Waiblingen. Die 54-Jährige übernimmt am 1. April die Geschäfte von Jürgen Kurz, 64. „Ich trete ab, du trittst an“, sagte Kurz beim Stabwechsel in Waiblingen. Kurz stand sieben Jahren an der Spitze der Arbeitsagentur Waiblingen und setzte in seinem Bezirk bei der Ausbildung Maßstäbe.

Christine Käferle übernimmt am 1. April den Vorsitz der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Waiblingen von Jürgen Kurz. Foto: B. Büttner

Von Martin Winterling

WAIBLINGEN. Maßstäbe, an denen sich inzwischen die anderen Arbeitsagenturen im Land messen lassen müssen, sagte Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg, beim Stabwechsel im Haus von Südwestmetall in Waiblingen. In keinem Bezirk im Land ist die Einmündungsquote von Jugendlichen so hoch, die sich von der Arbeitsagentur beraten ließen und eine Ausbildung beginnen. Dass Kurz’ Verabschiedung und Christine Käferles Amtseinführung in den Räumen des Arbeitgeberverbands stattfand, deutete Rauch als ein Zeichen, wie gut Jürgen Kurz mit den Akteuren auf dem Arbeitsmarkt vernetzt ist.

Jürgen Kurz genießt

hohe Wertschätzung

Hohe Wertschätzung genießt Jürgen Kurz nicht nur bei Arbeitgebern, sondern auch bei den Gewerkschaften. Dominik Gaugler, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Arbeitsagentur und DGB-Regionssekretär für den Bereich Rems-Murr, hob die Bescheidenheit von Jürgen Kurz hervor, der sich auch bei Erfolgen nie in den Mittelpunkt stellte, sondern auf sein großartiges Team bei der Arbeitsagentur in Waiblingen verwiesen habe. Seiner Nachfolgerin gab Gaugler mit auf den Weg, dass sie erst gar nicht versuchen sollte, in Kurz’ Fußstapfen zu treten: „Setzen Sie ihre eigenen!“

„Ich bin wieder dort, wo vor 35 Jahren mein Berufsweg bei der Agentur für Arbeit begonnen hat“, sagte Christine Käferle. Sie hatte 1983 in Waiblingen ihr Studium an der Fachhochschule des Bunds für Verwaltung begonnen und war bis 2004 in Waiblingen als Arbeitsberaterin und -vermittlerin tätig. Über die Regionaldirektion Baden-Württemberg kam sie 2015 zur Agentur für Arbeit in Stuttgart und war zuletzt dort als Geschäftsführerin operativ tätig. „Es sind die besten operativen Erfahrungen, die Sie mitbringen“, sagte Christian Rauch zu Käferle. Er nannte drei Herausforderungen, der sich die neue Chefin stellen müsse. Erstens: Den Spitzenplatz bei der Ausbildung zu halten: Zweitens: Die hervorragende Arbeitslosenquote im Rems-Murr-Kreis von aktuell 3,0 Prozent noch ein bisschen in Richtung Vollbeschäftigung zu verbessern. Und drittens den hohen Anteil von Geringqualifizierten von fast 15 Prozent im Rems-Murr-Kreis anzupacken und ihnen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. „Ich weiß, dass das ein dickes Brett ist“, räumte Rauch ein, wie schwierig es ist, in einer konjunkturell guten Lage einen Weiterbildungsprozess umzusetzen.

Christine Käferle kündigte an, einen ihrer Schwerpunkte auf den Übergang Schule/Beruf legen zu wollen. Bei vielen Jugendlichen klappe dieser Übergang völlig problemlos. Manchen aber gelinge der Wechsel nur schwer oder gar nicht. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sei es die Herausforderung, keinen Jugendlichen auf den Weg in den Beruf zu verlieren.

Die Arbeitsagentur wolle sich aus diesem Grund noch stärker an den Schulen engagieren, verstärkt ihre Beratungen an den Schulen anbieten und vor allem die Eltern ansprechen. „Niemand hat so einen großen Einfluss auf die Berufswahl wie die Eltern“, sagte Käferle. Die Digitalisierung und der Transformationsprozess in der Automobilindustrie stelle auch die Arbeitsagenturen vor neue Aufgaben. „Es geht immer um Qualifizierung, um lebenslanges Lernen“, betonte Käferle. Sie habe weniger Angst, dass es in Zukunft weniger Jobs gibt. Vielmehr werden es andere Arbeitsplätze sein. Mit Blick auf den hohen Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss im Rems-Murr-Kreis kündigte sie an, ihnen mit den neuen Möglichkeiten der Arbeitsmarktpolitik zu Berufsabschlüssen verhelfen zu wollen. Das sei ganz im Sinne der kleinen und mittleren Unternehmen, die der Arbeitgeberservice bei der Suche nach dringend gesuchten Fachkräften unterstützen wolle. „Eigentlich hätte ich gern leise Ade gesagt“, meinte Jürgen Kurz bei seinem Abschied, der mit gemischten Gefühlen verbunden sei. „Ich werde viele von Ihnen vermissen“, sagte der 64-Jährige mit Blick in die stattliche Runde. Namentlich nannte er die Partner in der Fachkräfteallianz Rems-Murr F.A.I.R., die sich seit 2012 für eine aktive Fachkräftesicherung im Kreis starkmacht und die mit Jürgen Kurz einen engagierten Vertreter der Arbeitsagentur hinter sich wusste. „Wir konnten uns immer aufeinander verlassen.“