Mit Spätzle und Maultaschen aufgepäppelt

Jakob Eisler präsentierte beim 213. Altstadtstammtisch die Geschichte der Familie Ustinov in Württemberg und im Heiligen Land

Eher aus Zufall stieß Jacob Eisler vom Landeskirchlichen Archiv Stuttgart während seines Studiums auf das ungewöhnliche Thema Familie Ustinov. Nun referierte er im Helferhaus dazu. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Der Schauspieler Sir Peter Ustinov hat Wurzeln in Russland, Palästina und Württemberg. Über die bewegte Geschichte seiner Familie referierte dieser Tage der Historiker und Archivar Jakob Eisler vom Landeskirchlichen Archiv Stuttgart beim Altstadtstammtisch im Helferhaus.

Es war eigentlich ein Zufall, dass Jakob Eisler während seines Studiums an der Universität Haifa 1989 auf die Geschichte der Familie Ustinov stieß. Seine Aufgabe war es, die Geschichte eines Hauses in Jaffa zu rekonstruieren, das einst dem Baron Plato von Ustinov, dem Großvater des Schauspielers gehörte. Seine Recherchen führten ihn immer tiefer in die Geschichte der Familie.

Zahlreiche historische Dokumente, Gemälde und Fotos hat Eisler in jahrelanger Forschung zusammengetragen. Bei seinem Vortrag „Die Familie Ustinov in Württemberg und im Heiligen Land“, der vom Backnanger Heimat- und Kunstverein veranstaltet wurde, zeigt er etwa ein Bild vom Gut Ustinovska bei St. Petersburg, das der adligen russischen Familie gehörte. Der Sohn Plato sollte es einmal übernehmen, erkrankte aber um 1860 schwer nach einem Sturz vom Pferd. Zur Genesung wurde er nach Italien geschickt und gelangte später nach Jaffa in Palästina.

Der promovierte Historiker Jakob Eisler hat nicht nur die Geschichte der Ustinovs recherchiert, sondern auch die der Menschen, die im Umfeld von Bedeutung waren. Bei Peter Martin Metzler und seiner Frau Dorothea kam Plato von Ustinov in Jaffa unter. Die Gattin stammte aus Heubach in Württemberg und konnte hervorragend schwäbisch kochen. Mit Spätzle und Maultaschen wurde der kranke russische Adlige wohl aufgepäppelt, führt der Referent aus. Unterhaltsame Geschichten, die Eisler aus Schriften aus dem Umfeld recherchiert hat, sind eingeflochten. So muss Plato Ustinov wohl kein einfacher Gast gewesen sein. Selbst am Puddinglöffel nörgelte er herum, worauf die verärgerte schwäbische Hausfrau konterte, indem sie ihm einen großen, abgeleckten Salatlöffel reichte. Nach seiner Genesung zeigte sich der reiche Adlige erkenntlich, sodass Metzler ein größeres Haus kaufen und eine Schule und Krankenstation errichten konnte.

Eisler, der den Vortrag lebhaft und frei gesprochen anhand von Bildprojektionen hielt, berichtete, wie Ustinov wieder in seine Heimat Russland zurückkehrte und Metzler als Verwalter mit seiner Familie nachholt. Dorothea Metzler hat er am Sterbebett versprochen, dass er ihre Tochter Maria heiraten würde, die zu diesem Zeitpunkt erst zehn Jahre alt war. Im Jahr 1875 trat Ustinov von der Russisch-Orthodoxen Kirche zum Protestantismus über und zog mit den Metzlers nach Württemberg, wo er 1876 Maria Metzler in Kornthal heiratete. Für einen Geldbetrag habe die Zarentochter Olga, die in Württemberg Königin war, ihm den deutschen Adelstitel Baron Plato von Ustinov verliehen. Von diesem Geld habe sie ein Kinderhospital gegründet, das heutige Karl-Olga-Krankenhaus „Olgäle“, so der Referent. Baron von Ustinov wanderte 1878 nach Palästina aus und wurde in Jaffa zum größten Privatgrundbesitzer.

Der Historiker gab Einblicke in das Familienleben. Ustinovs Frau Maria war unzufrieden in Jaffa und reiste nach Paris. Aus geplanten drei Monaten Aufenthalt wurde über ein Jahr. Erst nachdem der Ehemann sie suchen ließ, kehrte sie zurück mit einem Baby und behauptete, es wäre sein Kind. Trotzdem wollte er die von ihr gewünschte Scheidung nicht. Sieben Jahre dauerte es, bis er endlich einwilligte. Nur fünf Tage später habe er Magdalena Hall, die Tochter eines Missionars, geheiratet.

Peter Ustinov wurde in Gmünd mit Wasser aus dem Jordan getauft

Mit ihr bekam er fünf Kinder, darunter Jona Ustinov, der Vater des Schauspielers Peter Ustinov. Als Plato von Ustinov starb, zog seine Frau nach Württemberg. Der Sohn Jona kam in ein Internat nach England. Eisler hat recherchiert, dass Jona im Ersten Weltkrieg bei der englischen Luftwaffe war – sein Bruder Peter bei der deutschen. Der 1921 geborene Schauspieler Peter Ustinov wurde nach seinem Onkel benannt und in Schwäbisch Gmünd mit Wasser aus dem Jordan getauft, führt Eisler aus.

In der Schweiz hat der Historiker 1998 Sir Peter Ustinov kennengelernt und ihm seine umfangreiche Recherche unterbreitet. Zahlreiche Details wusste der Schauspieler selbst nicht, und auch in seiner Autobiografie haben sich einige Fehler eingeschlichen, stellte sich heraus. 1999 hielten Ustinov und Eisler einen Vortrag in Basel. Der Referent erinnert sich bei dem interessanten Vortrag an die Worte des 2004 in der Schweiz verstorbenen Schauspielers: „So ein Glück, dass wir Historiker haben.“