Gesicht des Vereins und Liebling der Fans

Kai Gehrings Vertrag beim Fußball-Drittligisten Großaspach hat sich verlängert, der 31-Jährige fühlt sich im Fautenhau „pudelwohl“

„Das werde ich dem Klub nie vergessen“, sagt Kai Gehring und meint damit, dass ihn die SG Sonnenhof 2013 holte, obwohl er eine Saison vereinslos gewesen war. Im Sommer startet der Fußballer wohl in die siebte Runde in Großaspach, denn sein Vertrag verlängerte sich dank einer Option bis 2020. Er gilt zwar nur für die Dritte Liga, „aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass wir drinbleiben“, betont der 31-Jährige vor der morgigen Begegnung um 14 Uhr in Unterhaching.

Emotionaler Typ mit unbändigem Siegeswillen: Kai Gehring kann sich vorstellen, bis zum Karriereende in Aspach zu bleiben. Archivfoto: A. Becher

Von Steffen Grün

Er habe schon darüber nachgedacht, die Kickstiefel an den Nagel zu hängen oder zumindest einen anderen Berufsweg einzuschlagen und nur noch im Amateurbereich dem runden Leder nachzujagen, erinnert sich Kai Gehring an die Zeit nach seinem Aus in Saarbrücken zum 30. Juni 2012. Es dauerte zwölf Monate, in denen er sich bei verschiedenen Klubs fit hielt, ehe die Aspacher seine Leidenszeit beendeten. Der damalige Regionalligist stattete den Innenverteidiger mit einem Vertrag aus, nur ein Jahr später feierten die Schwaben und ihr Zugang den Aufstieg.

Mit Kai Gehring als Stammspieler und Leistungsträger, daran änderte sich auch eine Etage höher nichts. 154 seiner 213 Drittliga-Partien absolvierte der gebürtige Göppinger im SG-Trikot. Der blonde Abwehrhüne mit dem unbändigen Siegeswillen und den offen ausgelebten Emotionen, die ihm auch unnötige Karten einbringen, ist längst ein Gesicht des selbst ernannten Dorfklubs und ein Publikumsliebling. In dieser Spielzeit hat er seinen Anteil daran, dass das Team aus dem Fautenhau zusammen mit Karlsruhe und Lotte die drittbeste Drittliga-Defensive aufweist und es damit zumindest ein Stück weit ausgleicht, dass kein Rivale seltener getroffen hat.

Am Mittwochabend beim 2:3 zu Hause gegen Wiesbaden ärgerte sich Gehring allerdings über „blöde Gegentore“, die einen zählbaren Erfolg gegen den Aufstiegsaspiranten um Ex-SG-Trainer Rüdiger Rehm verhinderten. „Wenn wir das 2:0 machen, weiß ich nicht, ob Wiesbaden noch einmal zurückkommt“, fügt der 1,93-Meter-Mann einen weiteren Kritikpunkt hinzu. Mit 30 Zählern hat Aspach als Fünftletzter noch einen Nichtabstiegsplatz inne, doch die punktgleichen, direkt dahinter lauernden Cottbusser haben ein Duell in der Hinterhand. „Es ist natürlich nicht so angenehm, wenn man auf die Tabelle schaut“, kennt der Innenverteidiger die Brenzligkeit der Lage, bewahrt aber trotzdem die Ruhe: „Wir wissen, um was es geht. Noch sind es genug Spiele.“ Mit Überraschungen wie dem Sieg von Cottbus beim Dritten in Halle oder von Aalen beim Zweiten in Karlsruhe müsse man immer rechnen, deshalb sei es ganz klar: „Wir schauen nur auf uns, wollen uns auf nichts verlassen.“

Die vor dem Duell mit Wiesbaden fünfmal unbesiegte SG-Truppe will in Unterhaching am Samstag eine neue Serie starten. „Wir wollen dort gewinnen.“ Es wäre wichtig, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Aspacher ihre sechste Saison in der Dritten Liga in Angriff nehmen dürfen und die Vertragsverlängerung von Gehring tatsächlich greift. „Ich fühle mich pudelwohl und kann mir definitiv vorstellen, meine Karriere hier zu beenden“, verrät er und fährt schmunzelnd fort: „Meine Knochen machen noch mit und ich hoffe, dass auf die nächste Saison noch weitere folgen.“ Zumal es zum persönlichen Wohlfühlfaktor beiträgt, in Göppingen mit seiner Verlobten und in der Nähe der Familie und seiner Freunde wohnen zu können.

Doch was wäre im Falle eines Abstiegs? „Damit befasse ich mich nicht“, entgegnet Gehring, lässt aber deutlich durchblicken, dass sein Bleiben auch dann gut denkbar ist. Nicht zuletzt, weil er der SG dankbar dafür ist, ihn 2013 verpflichtet zu haben.