Im Wald wartet auf den Borkenkäfer ein wahres Festmahl

Die Waldbesitzer müssen handeln – Käfergefahr erfordert schnelle Maßnahmen – Forstamt bietet kostenlose Beratung an

Mit Beginn des Frühjahrs steht der Borkenkäfer in den Startlöchern, um über die Fichten herzufallen, die durch die Trockenheit im vergangenen Jahr geschädigt sind. Bei einer Fahrt durch den Wald bei Däfern zeigt Jürgen Baumann vom Geschäftsbereich Forst des Landratsamtes, wo die Gefahren lauern und was die Waldbesitzer unternehmen müssen, um eine Käferplage noch abwenden zu können.

Jürgen Baumann appelliert an die Waldbesitzer: „Schafft die Baumwipfel auf!“Fotos: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

AUENWALD. Nach dem Winter wartet im Wald ein wahres Festmahl auf den Borkenkäfer. An einem bewaldeten Hang in der Nähe von Däfern hält Jürgen Baumann an und deutet auf Dutzende von Fichtenwipfeln, die durch den schweren Schnee im Dezember und die Stürme der vergangenen Tage abgebrochen sind und jetzt auf dem Waldboden liegen. Ihr Duft lockt den Kupferstecher an, eine Unterart des Borkenkäfers. Der nutzt die Äste als Kinderstube für seine Larven, die sich von der saftigen Rinde ernähren und sie mit zahlreichen Gängen durchziehen. Wenn sie sich verpuppen und nach dem Schlüpfen als Käfer ausschwärmen, dann hat der Wald ein Problem. Denn wenn man die Tierchen unbehelligt lässt, vermehren sie sich explosionsartig. In den nächsten Wochen wird es die Aufgabe der Waldbesitzer sein, die abgebrochenen Wipfel zu zersägen, sodass sie austrocknen. Damit entzieht man den Larven ihre Nahrung, und sie sterben ab. Dabei ist Eile geboten: Wenn es gelingt, 50 Prozent der Käfer der ersten Generation zu eliminieren, kann man den Befall in der dritten Generation um 87 Prozent zurückdrängen, erläutert Jürgen Baumann, der beim Landratsamt für den Bereich Privatwald zuständig ist. Auf Bäume umgerechnet bedeutet das: In diesem Zeitraum steigt die Zahl von beispielsweise 20 befallenen Fichten nicht auf 8000 Exemplare, sondern nur auf 1000. „Wir rechnen mit extrem viel Borkenkäfern“, betont Baumann und spricht sogar davon, dass 2019 ein Katastrophenjahr werden könnte. Wenn in den nächsten Wochen die Temperaturen auf 16 Grad und mehr steigen, beginnen die Tiere, die im Boden überwintert haben, zu fliegen und machen sich auf die Suche nach bruttauglichem Holz. „Es geht bald los“, vermutet der Fachmann, „jetzt gilt’s. Wir müssen einen Großteil der ersten Generation abfangen.“

Sorgen machen Baumann vor allem die privaten Eigentümer, die immerhin ein Drittel der Waldbesitzer stellen. Neben denen, die ihren Wald picobello in Ordnung halten, gibt es eine ganze Reihe, die sich kaum oder gar nicht um ihren Besitz kümmern, obwohl sie von Gesetzes wegen dazu verpflichtet sind. Um sie bei ihrer Aufgabe nicht alleine zu lassen, bietet das Landratsamt eine kostenlose Beratung an. Eindringlich appelliert Jürgen Baumann an die Waldbesitzer, ihrer Pflicht nachzukommen. Dabei genüge es nicht, den Wald nur von den Wegen aus zu kontrollieren, man müsse die ganze Fläche ablaufen. „Schafft die Wipfel auf! Saubere Waldwirtschaft ist das oberste Motto.“ Wenn ein Teil der Waldbesitzer nicht mitzieht, kann das katastrophale Folgen für alle haben, mahnt Baumann, „Das muss eine Gemeinschaftsaktion sein. Wir alle verlieren, wenn wir nicht danach schauen.“

Im Vorbeifahren deutet Baumann auf einen bewaldeten Hang in einiger Entfernung, der große kahle Flächen aufweist. Hier hat der Borkenkäfer bereits ganze Arbeit geleistet. Der Kampf gegen den krabbelnden Fichtenkiller ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn die Fichten sind wegen der Hitze und Trockenheit im vergangenen Sommer in keinem guten Zustand. Drei bis vier Jahre dauert es, bis sie sich erholt haben, zumal das Wasserdefizit des Jahrhundertsommers 2018 noch lange nicht ausgeglichen ist. Dadurch sind viele Bäume in ihrer Abwehr geschwächt und nicht in der Lage, sich durch das Absondern von Harz gegen angreifende Borkenkäfer zu wehren.

Das bedeutet, dass die Fichten das Jahr über regelmäßig auf Borkenkäferbefall kontrolliert werden müssen. Denn es gibt eine zweite, weitverbreitete Unterart, den vier bis sechs Millimeter großen Buchdrucker, der stehende Fichtenstämme bevorzugt. Wenn man an der Rinde oder am Boden braunes Bohrmehl findet, ist das ein sicheres Zeichen: Die Fichte ist befallen. In diesem Fall muss der Baum so schnell wie möglich gefällt und aus dem Wald entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Und nicht nur die Fichten sind bedroht. Baumann zeigt auf eine Weißtanne, an deren Stamm das Fraßmuster eines Schädlings deutlich sichtbar ist. Der Tannenrüsselkäfer hat den 80 bis 100 Jahre alten Baum so geschädigt, dass er nicht mehr zu retten ist. Baumann weist auf die rot verfärbten Äste hoch oben in der Krone: „Der ist dem Tod geweiht, den muss man umsägen und rausschaffen“.

Am Schluss äußert Jürgen Baumann noch einen unpopulären Wunsch, was das Wetter in den kommenden Wochen betrifft: Damit die Borkenkäferlarven möglichst schlecht gedeihen, würde er sich über ein kaltes und völlig verregnetes Frühjahr freuen.