Neues Hospiz im Endspurt

Festakt zur Einweihung im Backnanger Bürgerhaus – Bis auf zwei Gemeinden beteiligen sich alle Kreiskommunen an der Finanzierung

Nur noch vier Wochen, dann wird das neue Hospiz mit einem Festakt im Bürgerhaus offiziell eingeweiht. Heinz Franke, der geschäftsführende Vorstand der Hospizstiftung, freut sich ungemein über diesen Erfolg, zumal die Finanzierung des 4,5-Millionen-Euro-Projekts inzwischen auch in trockenen Tüchern ist.

Heinz Franke (links) und Manfred Orlowski besichtigen einen Wohnraum im Neubau. Sie sind mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Unter den besonderen Umständen wurde das neue stationäre Hospiz in Rekordzeit errichtet. Schließlich wurde mitten in der Rohbauphase beschlossen, noch ein weiteres Stockwerk auf das Gebäude draufzusetzen. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass es ganz, ganz knapp wird, den Termin für die Fertigstellung zu halten. Und umso mehr freut sich Hospizchef Heinz Franke: „Wir sind am Ziel. Das neue Hospizhaus der Hospizstiftung Rems-Murr ist gebaut und kann bezogen werden.“

Parallel zu den Handwerkern arbeitete Franke ebenso emsig an der Finanzierung des Bauvorhabens. Mit der Erweiterung stiegen die Kosten um eine weitere Million auf 4,5 Millionen Euro. Umso erfreulicher ist es für den 69-Jährigen, dass seine Idee, jede Kommune im Rems-Murr-Kreis möge pro Einwohner einen Euro zu dem Vorhaben beisteuern, auf so fruchtbaren Boden gefallen ist. Mit Ausnahme von zwei Gemeinden beteiligen sich alle anderen Kreiskommunen an dem segensreichen Projekt und spülen so ungefähr 500000 Euro in die Baukasse. Franke: „Ich bin sehr zufrieden damit. Und das nicht nur wegen des Gelds, sondern auch für die Wertschätzung für unsere Arbeit, die mit diesem freiwilligen Obolus zum Ausdruck gebracht wird.“

Einige Gemeinderäte haben sogar ihre Sitzungsgelder gespendet

In der Tat fiel die Beteiligung sehr unterschiedlich aus. Dass sich Backnang besonders ins Zeug legt, verwundert nicht. Die Murr-Metropole als Standortkommune hatte beschlossen, auf zwei Jahre verteilt insgesamt 100000 Euro zuzuschießen. Aber auch die allermeisten anderen Kommunen beteiligten sich in ganz unterschiedlicher Weise an dem Projekt. Manche überwiesen exakt den Betrag, wie er sich aus den aktuellen Einwohnerzahlen ergab, andere rundeten auf, mal mehr, mal weniger, oder verdoppelten gar den Betrag. Einige Gemeinderäte haben sogar Sitzungsgelder gespendet, verkündet Franke voller Bewunderung. Zuvor hatte er in einem Brief an die Gemeinden und Städte auch betont, dass das stationäre Hospiz Backnang für den gesamten Landkreis zuständig ist und es definitiv nicht so ist, dass nur Bürger aus dem Raum Backnang hier versorgt werden. „Die Verteilung unserer Gäste aus dem Raum Backnang und dem Remstal hält sich die Waage“, betont Franke.

Mit den 500000 Euro von den Kommunen passt jetzt die Finanzierung. Sie setzt sich zusammen aus Eigenmitteln, schließlich hat die Stiftung seit Jahren auf den Neubau hingespart, und dem Verkaufserlös des bisherigen Hospizes. So sind jetzt 75 Prozent der Kosten abgedeckt, den Rest holt sich Franke vom Kreditmarkt. Er betont, dass es für den Bau keine öffentlichen Mittel gibt, auf die die Stiftung einen Rechtsanspruch hätte, wie es vergleichsweise bei Krankenhäusern der Fall ist.

Die Finanzierungsfrage wird jedoch dadurch verschärft, dass auch der laufende Betrieb des neuen Hauses nicht kostendeckend laufen wird. Wie bereits in der Vergangenheit werden viele Spenden alleine für diese Kostendeckung benötigt.

Auch aus diesem Grund haben die Verantwortlichen schon länger mit einer weiteren vorhospizlichen Pflegeeinheit geliebäugelt. Zumal von den Rems-Murr-Kliniken ein deutliches Signal gegeben wurde, dass es für solch ein Angebot einen wachsenden Bedarf gebe. Das Angebot ist gedacht für Patienten, für die eine Indikation für das Hospiz noch nicht vorliegt, eine solche aber zeitnah zu erwarten ist. Und für die eine stationäre Unterbringung sinnvoll oder gar notwendig ist, weil eine häusliche Versorgung nicht gewährleistet oder möglich ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn zum Beispiel die Angehörigen überfordert sind oder der Patient alleinstehend ist.

Die neu konzipierte Station wäre ein Modellprojekt, das es so bisher nirgends gibt. Noch sind intensive Gespräche mit den Kostenträgern nötig, weil hier ein besonderer Pflegesatz ausgehandelt werden muss. Franke: „Mit einem normalen Pflegesatz funktioniert die wirtschaftliche Versorgung solch schwerkranker Menschen nicht.“

Der nachträgliche Bau des dritten Obergeschosses samt eines kleinen Anbaus war eine Herausforderung für alle am Bau Beteiligten. Natürlich gab es kurz nach der Entscheidung erst eine kurze Phase der Stagnation, bis die Pläne überarbeitet waren. Aber ansonsten lief der Bau wie am Schnürchen.