Neben Mozart auch Natasha Bedingfield

Beim ihrem Frühjahrskonzert legt die Jugendmusikschule Backnang den Fokus auf Pop, Jazz und Rock – Musiker zeigen Potpourri aus Stilen

Beifallsstürme, Begeisterungsrufe, exakt einstudierte und intensiv dargebotene Vorträge, was hätte dieser garstige, nasskalt verregnete Sonntagnachmittag Schöneres bieten können, als das Konzert der Jugendmusikschule Backnang im Walter-Baumgärtner-Saal des Bürgerzentrums?

Das Jugendsinfonieorchester überzeugte mit Fingerfertigkeit und Gefühl die Besucher im Walter-Baumgärtner-Saal im Bürgerzentrum. Foto: J. Fiedler

Von Wolfgang Gleich

BACKNANG. „Let me entertain you“ lautete wieder das Motto, unter dem die jungen Gesangs- und Instrumentalsolisten, die Mitglieder der Percussion- und Bläserensembles, von Combo, Big Band und Jugendsinfonieorchester oft mit klopfenden Herzen und feuchten Händen, tapfer gegen das aufkommende Lampenfieber ankämpfend, auf der Bühne ins Scheinwerferlicht traten. Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde im Zuschauerraum fieberten und litten mit – doch alle Besorgnis war unnötig! Es wurde ein großartiges Musikerlebnis, das Schüler und Lehrer einmal mehr ihrem Publikum und sich selbst bereiteten.

Mit Fug und Recht konnte Schulleiter Michael Unger auf das hohe pädagogische und künstlerische Niveau stolz sein, das an der Backnanger Musikschule gepflegt wird. „Wir haben ja eine Vielzahl von Veranstaltungen im Lauf eines Jahres. Sie haben auch die Aufgabe, die ganze Bandbreite des Angebots der Musikschule abzubilden. Unser Jahreskonzert zum Beispiel ist eher klassisch ausgerichtet, das Frühjahreskonzert dagegen steht im Zeichen von Pop, Jazz und Rock. Dies bietet unseren Orchestern und den fortgeschrittenen Solisten Gelegenheit, ihr Können auch in diesem Bereich zur Geltung zu bringen und ihrer Spielfreude freien Lauf zu lassen. Natürlich ist es eine Freude, moderne Stücke zu interpretieren, die perfekt in das Programm einer Musikschule passen, und die absolut dazu geeignet sind, die Schüler am Instrument aus- und weiterzubilden. Natasha Bedingfield passt da so gut wie Mozart oder Beethoven hinein.“ Es handle sich um eine Linie, die von den Musikschulen schon seit vielen Jahren erfolgreich verfolgt werde. Natürlich gebe es grundlegende Fähigkeiten, Fingerfertigkeiten und Übungen dazu, räumte Unger ein, die ein Schüler sich aneignen müsse. Daran habe sich seit zwei Jahrhunderten nichts geändert, und dafür gebe es hervorragende klassische Stücke. Aber für den fortgeschrittenen Bereich sei auch hervorragende Literatur aus dem Bereich der modernen Musik vorhanden, die sich sehr gut für den Einsatz im Unterricht eigne und den Schülern die Möglichkeit biete, sich künstlerisch weiterzuentwickeln.

Inszeniert als Spiel von Farben,

Licht und Dunkelheit

Den furiosen Auftakt gab am Sonntag Burkhardt Wörnles Percussionensemble mit dessen Stück „The Nightlight“, nicht nur perfekt vorgetragen, sondern auch fesselnd inszeniert als Spiel von Farben, Licht und Dunkelheit. Daran anschließend bot das von Michael Unger geleitete Jugendsinfonieorchester Streichern, Bläsern und Schlagzeugern die Möglichkeit, mit Fingerfertigkeit und Feeling zu begeistern, wobei die ausgewählten Stücke von Larry Moores „Shut up and dance“ über einer von Calvin Custer arrangierten „Forrest Gump Suite“ bis hin zu einem Potpourri aus dem legendären Tanz- und Musikfilm „Grease“ eine Brücke zwischen den Generationen von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart hinein schlug. Ein „American Feeling“ vermittelte Volker Schwozers Klarinettenensemble auf den Spuren Benny Goodmans und swingte fröhlich in die Pause.

So richtig krachen ließ es dann die Musikschulcombo mit ihren Solistinnen und Solisten, die mit festen Stimmen Stevie Wonders „I wish“, Natasha Bedingfields „Soulmate“, den Gospel „Shackles“ aus dem Jahr 1999 und – als Reminiszenz vor allem an das schwache Geschlecht – Michael Bublés „Feeling good“ in den Saal trugen.

Kein Wunder, dass bei dem Auftritt von Felix Meyerles Big Band die Luft im Saal brannte. Der Spannungsbogen reichte von Count Basies „Lil’ Darling“ über Victor López’ „Sabor de Cuba“ bis zu dem als krönenden Abschluss interpretierten „Let me entertain you“ von Robbie Williams. Womit sich der Kreis zum Motto der Veranstaltung wiederum schloss. Und wie bereits eingangs geschrieben: Was hätte dieser garstige, nasskalt verregnete Sonntagnachmittag Schöneres bieten können.