Messstation auf Probe

Stickstoffdioxidwerte in Oppenweiler werden ermittelt – Sondermessungen an 40 Standorten

Die hitzige Diskussion um Stickstoffdioxidwerte geht auch an der Landesanstalt für Umwelt nicht spurlos vorüber: Zu Beginn des Jahres wurden an 40 zusätzlichen Standorten im Land Messstationen installiert, die für drei Monate die Stickstoffdioxidkonzentration ermitteln – darunter auch die Hauptstraße in Oppenweiler. Ist diese sehr hoch, könnte der Apparat bleiben.

An der B14 in Oppenweiler werden seit Anfang des Jahres die Stickstoffdioxidwerte der Luft erhoben. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. Stuttgart, Ludwigsburg, Heilbronn, Backnang – in zahlreichen deutschen Städten ist die Luft mies. Der Grenzwert für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) wird dort überschritten. Grund genug für die Landesregierung, die Messungen auszuweiten. „Immer mehr Kommunen und Bürgerinnen und Bürger haben sich in den letzten Monaten mit der Bitte an uns gewandt, an ihren Wohnorten die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid zu überprüfen“, hatte Eva Bell, die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), im November vergangenen Jahres erklärt.

Dies mündete in einem Sondermessprogramm, in dessen Rahmen an 40 weiteren, verkehrsnahen Standorten im Land Messstationen eingerichtet wurden. „Die zusätzlichen Messungen der LUBW helfen uns, die Schadstoffbelastung an viel befahrenen, innerörtlichen Straßen in Baden-Württemberg noch detaillierter zu dokumentieren“, so Uwe Lahl, Amtschef im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, das die Sondermessungen der LUBW finanziert. Zu den neu gewählten Standorten zählen auch die Hauptstraße (B14) in Oppenweiler und die Neckarstraße in Waiblingen.

Oppenweilers Bürgermeister Bernhard Bühler war von der Wahl seiner Gemeinde als einem der neuen Standorte wenig überrascht: „Ortsdurchfahrten, bei denen die Wohnbebauung so dicht an der Straße ist, gibt es nicht viele.“ Die Betroffenheit der Wohnbevölkerung von der Immissionsbelastung war ein entscheidendes Kriterium. Auf der 2006 erstellten Prioritätenliste der LUBW war Oppenweiler zwar aufgeführt, jedoch nicht so weit oben, als dass man dort vorrangig gemessen hätte, erklärt LUBW-Pressesprecherin Tanja Erkert.

Die Prioritätenliste sei 2016 überarbeitet worden, da sich die Gegebenheiten in den zehn Jahren zuvor verändert hätten. „Feinstaub ist nicht mehr das flächendeckende Problem, das es einst war“, sagt sie. Unter anderem deshalb sei das Ranking angepasst worden. Mit der Konsequenz, dass nun auch in Oppenweiler der Stickstoffdioxidwert ermittelt wird. Dass es nun so schnell ging mit der Errichtung neuer Messstationen, sei auch der Brisanz des Themas geschuldet. „Diese Diskussion verläuft unter hohem Zeitdruck“, sagt Erkert.

Wenn die Ergebnisse sehr hoch ausfallen, wird weitergemessen

Vorerst sind die neuen Messstationen, die im Januar angebracht wurden, für drei Monate ausgelegt. Um belastbare Aussagen bezüglich einer Überschreitung des NO2-Grenzwerts treffen zu können, müsse eigentlich ein Jahresmittelwert erhoben werden, so Erkert. Eine dreimonatige Messung gebe aber einen Hinweis darauf, ob an jener Stelle mit einer Überschreitung zu rechnen ist. „Die Stickoxidkonzentration verläuft in Schlangenlinien“, erklärt sie. Denn viele Faktoren spielen beim Zustandekommen der NO2-Konzentration eine Rolle. Dazu gehören beispielsweise der Ozonwert, die Wind- und Wetterverhältnisse sowie die direkte Sonneneinstrahlung. Somit schwanken die Messwerte zum Teil stark.

Weil das Verkehrsaufkommen in Oppenweiler sehr hoch ist, und der Straßenverkehr Hauptemittent für Stickstoffdioxid ist, sei es wahrscheinlich, dass man hier erhöhte Messwerte vorfindet. Ob diese aber in Bezug auf den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) relevant sind, wird sich erst noch zeigen. Aus den Ergebnissen der dreimonatigen Messung wird nämlich ein Durchschnittswert erhoben, der hochgerechnet auf ein Jahr Anhaltspunkte liefern soll. „Leiten wir daraus ab, dass eine Überschreitung des Grenzwerts möglich ist, wird an dieser Stelle weitergemessen“, sagt die LUBW-Pressesprecherin. Mit ersten Zahlen sei frühestens im kommenden Monat zu rechnen.

Bei der Wahl des Standorts für das Anbringen des Passivsammlers hat man bei der LUBW nichts dem Zufall überlassen, denn auch diesbezüglich hat es in anderen Kommunen oft Kritik gegeben. Tanja Erkert macht klar: Die Mitarbeiter haben sich an geltende Vorschriften gehalten. Etwa, dass ein Mindestabstand von 25 Metern zur nächsten Kreuzung gewahrt werden muss. Mit den Verantwortlichen der Oppenweiler Gemeindeverwaltung habe man vor Ort verschiedene Stellen begutachtet und die Bushaltestelle „Post“ ausgewählt. „Wir schauen auch immer nach Pfählen oder Ähnlichem, wo man die Messstationen sinnvollerweise anbringen kann“, so Erkert.

Was passiert aber, wenn auch in Oppenweiler die NO2-Werte zu hoch sind? Dann müsse ein Luftreinhalteplan erstellt werden, sagt Erkert. Das sei aber dann Aufgabe des Regierungspräsidiums Stuttgart, die LUBW habe ihre Finger da nicht im Spiel. „Gemeinsam mit der Gemeinde sucht das RP dann nach Lösungen.“ Autofahrer, die ob dieser Möglichkeit vielleicht aufgeschreckt werden, beruhigt sie aber: „Ein Dieselfahrverbot ist dabei das wirklich letzte Mittel.“ Vielmehr gehe es im Fall der Fälle darum, den Verkehrsfluss durch Oppenweiler zu verstetigen oder das Aufkommen zu verringern.