Zwei klare Siege, keine Rechenspielchen

Backnangs Oberliga-Volleyballerinnen wollen den Meistertitel morgen und am nächsten Samstag aus eigener Kraft perfekt machen

Wollen Backnangs Oberliga-Volleyballerinnen den rechnerisch einfachsten Weg zum Meistertitel und zum Regionalliga- Aufstieg nehmen, sollten sie die beiden verbleibenden Spiele mit 3:0 oder 3:1 gewinnen – morgen (11 Uhr, Blauringhalle) in Ulm, nächsten Samstag zu Hause gegen Rottenburg. Kompliziert kann es werden, falls die TSG noch einen Zähler oder sogar mehrere Punkte abgibt. Dann kommt es auf die Verfolger an.

Schwört Backnangs Volleyballerinnen auf die verbleibenden zwei Begegnungen im Oberliga-Titelrennen ein: Trainer Raphael Käfer. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Die Ausgangsposition: Mit dem 3:0-Heimerfolg gegen Horgenzell kehrte Backnang am vergangenen Sonntag auf den Tabellenthron zurück, weil der bisherige Spitzenreiter Biberach tags zuvor gegen Ditzingen lediglich mit 3:2 gewonnen hatte. 3:0 oder 3:2 – bei den Kickern würde das zum Beispiel keine Rolle spielen, weil es für alle Siege drei Punkte gibt, egal wie hoch sie ausfallen. Beim Volleyball ist das anders: Drei Zähler können nur bei einem Drei- oder Viersatzsieg (3:0 oder 3:1) auf dem Konto verbucht werden, bei einem knappen Fünfsatzerfolg reduziert es sich auf zwei Zähler. Dieser Logik folgen auch die Punktzahlen bei Niederlagen: Für ein 2:3 gibt es als Trostpreis immerhin noch einen Zähler, für ein 1:3 oder 0:3 keinen.

Das Rennen um den Meistertitel ist ein Dreikampf, in den Backnang (42 Punkte), Fellbach und Biberach (jeweils 41) involviert sind. Wie dominant die drei Vereine sind, zeigt sich daran, wie weit der Vierte weg ist: Bad Waldsee hat 26 Zähler. Darauf zu hoffen, über die Relegation in die Regionalliga aufzusteigen, wäre ein Wagnis: Abhängig von den Entwicklungen in den höheren Spielklassen kann sie ausfallen oder zum Muster ohne Wert werden.

Das Ziel der TSG: Die Truppe von Trainer Raphael Käfer will die letzten zwei Duelle mit 3:0 oder 3:1 gewinnen, um allen Rechenspielen aus dem Weg zu gehen. Fallsdas klappt, können Fellbach und Biberach nur noch gratulieren. Eine Selbstverständlichkeit ist es allerdings nicht, denn Backnangs Rivalen sind keine Laufkundschaft: Morgen müssen die Murrtalerinnen beim Fünften in Ulm ran, am nächsten Samstag (19.30 Uhr) wird mit Rottenburg der Siebte in der Katharinenplaisirhalle erwartet. Zwei Mittelfeldteams, die nichts zu verlieren haben und locker aufspielen können.

Die Kriterien bei Punktgleichheit: Schaffen es Spielführerin Franziska Schlipf und ihre Kolleginnen nicht, die maximal möglichen sechs Punkte einzufahren, öffnet sich wieder ein Türchen für die zwei Verfolger aus Fellbach und Biberach. Mit der Frage konfrontiert, welche Parameter in welcher Reihenfolge eigentlich bei einer durchaus möglichen Punktgleichheit den Ausschlag geben, müssen selbst erfahrene Leute wie Backnangs langjähriger Trainer Hans-Peter Richter oder der Staffelleiter Hartmut Winkler in die Landesspielordnung schauen. Dort steht, dass als zweites Kriterium die Zahl der gewonnenen Spiele herangezogen wird. 14 sind’s momentan bei Backnang, Fellbach und Biberach, womit sich andeutet, dass vielleicht auch dieser Punkt nicht zur Klärung führt. Als nächstes geht es nicht etwa um die Anzahl der 3:0- und 3:1-Siege oder ums schnöde Satzverhältnis, sondern um den Satzquotienten: Hierfür braucht es den Taschenrechner, denn dann wird die Zahl der gewonnenen durch die Zahl der verlorenen Sätze dividiert. Aktuell ist Fellbach Zweiter vor Biberach, da 46:16 einen Quotienten von 2,875 ergibt und 45:16 einen von 2,8125. Es geht aber noch komplizierter, denn danach rückt der Ballquotient in den Mittelpunkt. Hier sind vierstellige Zahlen zu teilen, spätestens an dieser Stelle sollte die Entscheidung gefallen sein. Falls nicht, bleiben noch der direkte Vergleich und Entscheidungsspiele.

Das sagt das Team: Ungeachtet des Drucks, der auf Backnang lastet, will die TSG „die Leichtigkeit im Spiel nicht verlieren und nicht zu verkrampft spielen“. Franziska Schlipf und ihre Mitstreiterinnen erinnern an den Regionalliga-Aufstieg in der Saison 2016/2017: „Damals mussten wir acht Spiele hintereinander gewinnen, um Meister zu werden, und haben es geschafft. Wir schaffen das auch dieses Mal.“