Initiative möchte ein plastikfreies Backnang

Junge Menschen aus der Region haben sich zusammengetan und den Kampf gegen den Plastikmüll aufgenommen

Eigentlich wollten sich Maya Wochner und ihre Freundinnen „nur“ für ein plastikfreies Straßenfest einsetzen (wir berichteten). Doch mittlerweile sind die drei nicht mehr allein: Ihr Engagement hat andere Menschen beeindruckt – und das Projekt ist zu einer Initiative herangewachsen, die sich ein größeres Ziel gesetzt hat: Ein plastikfreies Backnang.

Mit herumliegendem Müll auf dem Backnanger Straßenfest hat alles angefangen. Jetzt ist die Idee gewachsen und die jungen Menschen kämpfen für ein Backnang ohne Plastikmüll. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

 

BACKNANG. Was muss passieren, damit aus einer kleinen Idee eine große wird? Manchmal hilft es, die richtigen Leute zu kennen, manchmal spielt auch der Zufall eine Rolle. Manchmal hilft es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Oder aber ein Zeitungsartikel bringt zwei Menschen zusammen, die sich unter „normalen“ Umständen vielleicht nie begegnet wären.

Vergangenen Herbst berichteten wir über die Backnangerin Maya Wochner, die sich mit zwei Freundinnen für ein plastikfreies Straßenfest einsetzen möchte. Der Artikel über Wochners Idee fand nicht nur auf unserer Facebook-Seite großen Anklang. Auch Thomas Korell war begeistert von ihrer Idee. Der Geschäftsführer des Backnanger Designbüros „Papa Tom“ setzte sich direkt mit Wochner in Verbindung: „Ich fand das einfach klasse, das Thema interessiert mich sehr und ich bin mir sicher, dass es vielen anderen Leuten auch so geht. Wir haben uns dann getroffen, geredet und dabei sind wir drauf gekommen, dass man das Ganze auch weiterdenken und mehr machen könnte als ein plastikfreies Straßenfest.“

Wochner und Korell finden schnell weitere Mitstreiter. So schnell, dass sie eine Initiative gründen, die sich „Plastikfreies Backnang“ nennt. Mittlerweile besteht der harte Kern aus 13 Menschen, die aus Backnang und Umgebung kommen und sich für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und vor allem für die Vermeidung von Plastikmüll in ihrer Heimat einsetzen wollen – ehrenamtlich und neben ihrer eigentlichen Arbeit. Und weil jeder von ihnen besondere Ideen, Fähigkeiten und Wissen mitbringt, wird ihr Netzwerk immer größer. Bei unregelmäßig stattfindenden Treffen wird besprochen, welche lang- und kurzfristigen Ziele man verfolgt, wie man diese erreicht, welche Schritte gegangen werden müssen und wer vielleicht noch mit ins Boot geholt werden kann.

Die langfristigen Ziele sind bereits klar formuliert: Die Initiative möchte die Menschen in Backnang sensibilisieren, bei ihnen ein Umdenken im Umgang mit Verpackungen aus Kunststoff bewirken und gleichzeitig Alternativen zum Plastikmüll aufzeigen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu urteilen. „Wir brauchen keine tausendste Aufklärungs- oder Schockkampagne – die Menschen wissen eigentlich, worum es geht. Aber obwohl so gut wie jeder die aktuelle Situation für nicht richtig erachtet, scheitert es oft einfach am Handeln des Einzelnen. Und die Initiative möchte die Leute direkt am Ort des Geschehens, also hier in Backnang, an die Hand zu nehmen und die letzten Meter zum Ziel begleiten.“

Durch sein Designbüro ist Korell bereits mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, auch mit großen Firmen. „Es gibt so viele Ideen, wie man Plastikmüll vermeiden kann. Sei es jetzt beim Mittagessen, das in der Metzgerei zum Mittagessen angeboten wird, in der Kantine oder beim Einkauf von Lebensmitteln, die nicht mehr in Plastiktüte nach Hause getragen werden müssen.“

Das „Okay“ von der Verwaltung der Stadt Backnang haben Wochner und Korell laut eigener Aussage auch schon bekommen – inklusive des positiven Feedbacks für ihr Engagement. „Wir wollten das nicht einfach hinter dem Rücken der Verwaltung machen“, erklärt Korell.

Erster runder Tisch mit Backnanger ewerbetreibenden in Planung

 

Immer wieder – und manchmal fast schon wie von selbst – lernt die Initiative Pioniere kennen, die sich mit dem Thema der Müllvermeidung schon etwas mehr auseinandergesetzt haben. So ist bei einem der Treffen auch Thorben Bechtoldt aus Stuttgart dabei. Er und seine Partner haben 2017 unter dem Name Recircle eine Idee aus der Schweiz ins Schwabenland gebracht: Recircle ist ein städtisches Mehrwegsystem für Restaurants oder Lebensmittelgeschäfte, die Essen zum Mitnehmen anbieten. Dort können die Kunden gegen zehn Euro Pfand das Essen in Mehrweggeschirr mitnehmen und das Geschirr nach Verzehr der Gerichte bei allen teilnehmenden Restaurants wieder ungespült abgeben und das Pfand zurückbekommen. „Durchaus auch eine Idee für Backnang“, so Bechtoldt, der das Pfandsystem auch schon in kleineren Orten etabliert hat. Sein ganz besonderer Tipp an die Initiative: „Versucht nicht nur die Chefs, sondern auch die Mitarbeiter der Firmen für eure Idee zu begeistern, denn sie sind es am Ende, die sie umsetzen werden.“ Doch er sagt auch ehrlich: „Es ist nicht einfach und bedeutet vor allem Klinkenputzen.“

Wochner, Korell und ihre Mitstreiter wollen sich aber nicht entmutigen lassen. „Wichtig ist es, einfach offen zu sein. Wer mit Skepsis auf etwas schaut, der sieht nur Probleme und keine Lösungen“, sagt Wochner. Die jungen Leute sind voller Tatendrang und planen bereits die nächsten Schritte. Ende April soll ein erster runder Tisch mit Backnanger Gewerbetreibenden stattfinden. „Wir wollen da aber nicht schon mit vielen fertigen Ideen kommen, sondern gemeinsam überlegen, wie man etwas ändern kann. Denn diese Menschen kommen aus der Praxis und wissen selbst am besten, was geht und was nicht.“

Zudem sei es auch entscheidend, dass „wir etwas in der Hand haben, wenn wir auf die Menschen zugehen“, sagt Korell. Deshalb wird parallel am Aufbau einer Webpräsenz und der Gestaltung von Flyern gearbeitet. „Wichtig ist es zu diesem Zeitpunkt, der Initiative ein Gesicht zu geben“, so Korell. Er hat bereits eine Grafikerin an der Hand, die „Feuer und Flamme ist und uns auf jeden Fall unterstützen möchte“, um bei der Gestaltung von Flyern zu helfen, die die Initiative und ihre Ziele vorstellen sollen. „Wir wollen einfach richtig Bock drauf machen, sich zu engagieren.“

Wer gerne Teil der Initiative werden möchte – egal ob Privatperson, Händler oder Konzernchef – kann sich bei Thomas Korell unter Telefon 0 71 91 / 9 61 96 53 oder per E-Mail an thomas@papatom.studio wenden.