Neues Leben für das Kleinod alte Kelter

Das denkmalgeschützte Gebäude in Bruch soll wieder dem Weinbau dienen und zu einem Ort der Begegnung werden

Ein Traum soll wahr werden: Bernd Knödler, der neue Eigentümer der alten Kelter in Bruch, will das Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert erhalten und wieder für den Weinbau öffnen. Auch verschiedene Veranstaltungen sollen möglich werden, von Verkostungen bis Trauungen. Bürgermeister und Gemeinderat sehen dies mit Wohlgefallen.

Traumhafte Lage: Die alte Brucher Kelter befindet sich an der Straße Richtung Lutzenberg. Der neue Eigentümer betreibt an den Hängen unterm Ebersberg einen eigenen Wengert. Fotos: A. Becher

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Straße Richtung Lutzenberg ist zum größten Teil unverändert erhalten geblieben. Es wurde auf Mauern aus großen Sandsteinen gegründet und hat noch das alte Dachtragwerk.

Nach dem Ende des Weinbaus an den Brucher Hängen diente der Bau über Jahrzehnte als Lagerraum, zunächst für die Gemeinde, später für einen Zimmermann, der dort Holz aufbewahrte. Doch der Zahn der Zeit hat an dem 1762 errichteten Bauwerk genagt. Obwohl es über viele Jahre vom früheren Besitzer gepflegt wurde, hat das für Keltern typische Walmdach zuletzt Löcher bekommen, die nicht mehr geflickt wurden. Auch die Fassade hat gelitten, sie ist auch vielfältig verunziert. Und: Es gibt im Gebäude weder Wasser noch Strom, geschweige denn sanitäre Einrichtungen mit Anschluss an die Kanalisation. Doch nach wie vor strahlt die Kelter ihren alten Charme aus.

Wo heute Obstwiesen sind, gab es bis in die 40er-Jahre Weinbau

„Seit 20 Jahren habe ich diesen Traum“, sagt der neue Eigentümer Bernd Knödler und verweist auch auf seinen Vater Reinhold, der ihm seine Liebe zum Weinbau mitgegeben hat. Gemeinsam treiben sie in der Nachbargemeinde Auenwald, am Hang oberhalb von Däfern, einen eigenen Wengert um – in Sichtdistanz zur Kelter. „Bernd, guck nach dera Kelter“, so lautete das Anliegen des Seniors, der für sein Engagement in der Fortführung des Weinbaus 2018 den Kulturpreis der Gemeinde erhalten hat. Früher, bis in die 40er-Jahre, gab es bei der Kelter, wo heute Obstwiesen sind, den „alten Wengert“, erinnert sich Reinhold Knödler. Gepresst wurden die Trauben einst mit einem Kelterbaum, einem Hebel aus Eichenholz. Und jetzt: „Die Kelter ist wieder in Brucher Hand“, freut sich der Junior, der den Bau quasi aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und „zum Vorteil für unsere Heimat“ mit neuem Leben füllen will.

Die Kelter könnte, wie er jetzt im Gemeinderat sagte, als Gerätescheuer für den Weinbau dienen, man könnte dort wieder Wein erzeugen und so ihren Wert für die letzten Weinberge im Weissacher Tal sichern. Doch Knödler sieht noch größeres Potenzial, um Träume und Visionen zu verwirklichen. Er denkt beispielsweise daran, dass die Ebersberger Vinöre in dem urigen Raum ihre Weine präsentieren oder auch ein Besenwochenende abhalten könnten. Auch die Brucherei – ein Freundeskreis aus Bruch, der das Miteinander im Ort mit verschiedenen Zusammenkünften und Aktionen stärken möchte – könnte verschiedene Events wie das Christbaumverbrennen zu Lichtmess dort begehen. Knödler kann sich aber auch Heimatabende mit volkstümlicher Musik und Mundarttheater vorstellen, ebenso multikulturelle Abende mit musikalischen, literarischen und kulinarischen Beiträgen aus aller Welt. Ihm schweben auch eine ländliche After-Work-Party oder eine Weinlaube unter dem Motto „Brucher Altweibersommer“ vor und vieles andere mehr.

„Mir ist wichtig, dass die Kelter lebt“, fasst Knödler zusammen. Er baut darauf, dass sich Helfer finden, die bei dem angedachten Gemeinschaftsprojekt mitmachen wollen. Aber er stellt auch klar: An eine Dauergastronomie ist nicht gedacht. Zusammen mit seiner Frau Monika Kaiser will Knödler das Projekt vorantreiben und später auch Events selbst auf die Beine stellen beziehungsweise die Organisation begleiten.

Bei Bürgermeister Ian Schölzel hat Knödler offene Türen eingerannt, als er ihm sein Anliegen bereits kurz nach dessen Amtsantritt vorstellte. Schon immer, so Schölzel jetzt im Gemeinderat, habe er die Kelter für erhaltenswert angesehen. Dieses Ziel wolle man gemeinsam angehen – als PPP-Projekt, im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft („Public-Private-Partnership“). Auch er hat schon Vorstellungen, was in der Kelter passieren könnte, beispielsweise Trauungen und Gemeinderatssitzungen.

Der Rathauschef würdigte Knödlers mutige Entscheidung, das Kleinod zu erwerben, und sieht in der privaten Eigentümerschaft große Vorteile. Denn so könne der Besitzer frei agieren und seine guten Kontakte zu Handwerkern und Helfern nutzen, wohingegen die Gemeinde streng nach dem Vergaberecht vorgehen müsse. Die Erschließung jedoch und die Beschaffung von Fördermitteln sei Sache der Gemeinde, wobei Schölzel auch den Vergleich zur Ortssanierung in Unterweissach zog. In ähnlicher Weise möchte er das Vorhaben an der alten Kelter mit kommunalen Zuschüssen fördern.

Hoffnung auf Fördermittel und Unterstützung durch die Gemeinde

Wichtig sei überdies, die Denkmalbehörde dafür zu gewinnen, wobei ein erster Termin bereits vielversprechend verlaufen sei. Auch mit dem Umweltschutzamt sollen wegen der Lage in der Landschaft Gespräche geführt werden. Bis September, so hofft Schölzel, könne der konkrete Bauantrag fertiggestellt sein, um auf dieser Grundlage Förderanträge zu stellen. Im Gemeinderat gab es viel Lob und Anerkennung für Knödlers Initiative, es kam aber auch die Frage auf, wie die Parkplatzfrage gelöst werden soll. Schölzel hat dazu zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst. Zum einen hat die Gemeinde auf der gegenüberliegenden Straßenseite eigenen Grund, zum anderen könnte der Parkplatz beim Friedhof genutzt und über einen Fußweg an die Kelter angeschlossen werden.

Die Kosten für die Sanierung und Umgestaltung der Kelter zum Ort der Begegnung belaufen sich nach ersten Schätzungen auf fast 370000 Euro. „Aber bei Baustellen kann einiges passieren“, weiß Schölzel, er kündigte daher eine fundierte Kostenschätzung an, ehe das Thema im Herbst weiter beraten werden soll.