„Ich möchte keine Stunde missen“

Heute wird Backnangs langjähriger Erster Bürgermeister Walter Schmitt 80 – Rückblick auf ein arbeitsreiches Leben

Doppeltes Schwabenalter erreicht der langjährige Erste Bürgermeister von Backnang heute: Walter Schmitt wird 80. Der Mann, der das kommunale Geschehen erst im Weissacher Tal, dann in der Murr-Metropole entscheidend mitgeprägt und dabei vier Oberbürgermeister begleitet hat, sagt im Rückblick auf sein an Aufgaben reiches Leben: „Ich möchte keine Stunde missen.“

Ein Leben lang vielfältig engagiert: Walter Schmitt an seinem Lieblingsplatz. Die Wand im Hintergrund ist seiner Leidenschaft, der Jagd, gewidmet: Das Bild zeigt eine Jagdszene, Trophäen sind aufgehängt, eine ehemalige Hahn-Doppelflinte dient als Deko. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Das außergewöhnliche Engagement des gebürtigen Creglingers in und für Backnang und sein Umland begann bereits Anfang der Sechzigerjahre. Walter Schmitt war, wie damals so viele andere junge Leute aus dem Hohenlohischen, der beruflichen Chancen wegen Richtung Stuttgart gezogen. Dort absolvierte er die Staatliche Verwaltungsschule. Gerade das Staatsexamen frisch in der Tasche, fuhr er – es war am 13. April 1961, seinem Geburtstag – nach Backnang, um eine Tante zu besuchen. Am Bahnhof lief er seinem Dozenten Dr. Sautter, damals auch kommissarischer Landrat in Backnang, über den Weg. Der bot ihm prompt eine Stelle im Landratsamt an: Schmitt sollte das Aufgabengebiet Wasserrecht übernehmen, das neu zur Kreisverwaltung gekommen war. Das Regierungspräsidium segnete es ab, und so konnte Schmitt am 2. Mai 1961 im Backnanger Landratsamt anfangen.

In den folgenden Jahren kam er viel im Kreis Backnang herum, der von Rielingshausen bis Gaildorf reichte und das ganze Limpurger Land mit umfasste, ein Kreis mit starker ländlicher Prägung, wie Schmitt es aus seiner Heimat kannte.

1965 dann die nächste Etappe: Schmitt wurde „Schultes“ – wie er selbst sagt – in Lippoldsweiler, der jüngste im ganzen Regierungsbezirk. Zu der Zeit hatte das Weissacher Tal noch zehn einzelne Gemeinden, Fachbürgermeister waren die Ausnahme. Es bahnte sich aber bereits die große Kommunalreform an.

Vom Schultes in Lippoldsweiler zum Finanzbürgermeister in Backnang

Schmitt gehörte zu denen, die im Weissacher Tal eine neue, zukunftstaugliche Konstruktion vorantrieben. Eine Sitzung jagte die andere, Ideen wurden geboren und wieder verworfen. Die Verhandlungen gingen bisweilen durch die Nacht bis zum frühen Morgen. Am Ende wurden weder Oberbrüden noch Allmersbach nach Backnang eingegliedert und auch nicht alle Gemeinden samt Althütte zu einer Großkommune zusammengelegt, sondern vier lebensfähige und überschaubare Einheiten geschaffen. Im Rathaus in Lippoldsweiler fiel zudem die Entscheidung, im Seegut eine gemeinsame Gesamtschule fürs Weissacher Tal, das Bildungszentrum, zu bauen. Der Schulzweckverband sollte dann eine Klammer fürs Täle bilden, ebenso wie das gemeinsame Klärwerk. Schmitt ist heute noch stolz auf das damals Erreichte, vor allem aber auch auf das Wie: „Wir haben die Reform friedlich und ohne aufsichtsrechtliche Entscheidungen kollegial und zur Zufriedenheit aller gelöst.“

1971 wurde Schmitt Bürgermeister der neu gebildeten Gemeinde Auenwald, 1979 wurde er wiedergewählt. Zwei Jahre danach folgte er dem Ruf aus Backnang, wo ihn der Gemeinderat zum Ersten Bürgermeister kürte. Dieser Schritt, so bilanziert Schmitt für sich, „war eine gute Entscheidung“. Denn die Zeit in Backnang „war eine schöne Zeit“. Vier Oberbürgermeister – Martin Dietrich, Hannes Rieckhoff, Jürgen Schmidt und Frank Nopper – hat er erlebt und aktiv begleitet, und sogar mit dem legendären ersten Backnanger OB Walter Baumgärtner hatte er noch von Auenwald aus zu tun gehabt. Anders als in Auenwald, wo er gefühlt mit jedem der 18 Gemeinderatsmitglieder einzeln ringen musste, saß der Finanzbürgermeister nun einem Gremium mit drei großen Fraktionen gegenüber, jede mit einer starken Führungspersönlichkeit an der Spitze. Da herrschten recht klare Verhältnisse, sagt Schmitt auch mit Blick auf die gegenwärtig neun Listen, die zur Gemeinderatswahl 2019 antreten.

Schmitts Aktivitäten erstreckten sich aber nicht nur auf Backnang. Verantwortung übernahm er etwa auch als Verbandsvorsitzender bei der Nordostwasserversorgung (NOW). Und er arbeitete fast 30 Jahre lang für die FDP/FW im Kreistag mit – nicht als Parteimitglied, sondern als „freier Wildbretschütz“, wie er das Kürzel FW lachend interpretiert.

In diesem Zusammenhang kommt er auch auf die Kreisreform und den späteren Kampf ums Krankenhaus zu sprechen. „Das hätte alles nicht sein müssen“, ist er überzeugt. Der Fehler sei gewesen, dass der ländliche Kreis Backnang mit dem ganz anders strukturierten Kreis Waiblingen zusammengelegt wurde, hadert er mit den politischen Weichenstellungen Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre. Für ihn steht nach wie vor fest: „Wir wären ein schöner Landkreis gewesen.“

Schmitts Engagement ging aber noch weiter. Schon als junger Mann frönte er einer Leidenschaft: der Jagd. Ganz wie sein Vater und Großvater, die ebenfalls Waidmänner gewesen waren. Erste Erfahrungen sammelte er in Creglingen als Treiber. Gerne hätte er da schon so bald wie möglich die Jägerprüfung abgelegt. Doch der strenge Herr Papa bestand darauf, dass der Sohn zuerst einen Beruf lernte, ehe er sich einem Steckenpferd zuwenden würde. Als dann aber die Zeit für den Schein reif war, gab es für den Junior einen Drilling zum Geschenk.

Aufgaben übers berufliche Engagement hinaus

In Backnang blieb es dann nicht aus, dass sich Walter Schmitt in den Dienst der Jägerei stellte. Zunächst schon einmal von Amts wegen: Während seiner Tätigkeit unter Landrat Wilhelm Schippert übernahm er auch den Aufgabenbereich des Kreisjagdamts. Dann auch in privater Mission: Schmitt brachte sich in der Kreisjägervereinigung ein, verantwortete über Jahrzehnte die Ausbildung der Jungjäger und wurde Kreisjägermeister. Heute ist er noch als Ehrenkreisjägermeister mit seinem Rat dabei, auch wenn er seit vier Jahren, seit einer Herz-OP, nicht mehr aktiv jagen geht.

Auch im Deutschen Roten Kreuz hat Schmitt Spuren hinterlassen. Schon als Bürgermeister in Auenwald war er als Ortsvereinsvorsitzender tätig gewesen, desgleichen dann 32 Jahre in Backnang. Zu seinen Anliegen gehörten der Erhalt und die Ausstattung der Bereitschaft, ferner die Kleiderkammer und die Ausbildung der Helfer. Als er sein Amt vor zwei Jahren in die Hände seines Nachfolgers legte, wurde er auch im DRK zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nach wie vor aktiv engagiert ist Schmitt jedoch als Stiftungsvorstand der Stiftung Altenheime Backnang und Wildberg, die in Backnang unter anderem das Alten- und Pflegeheim Staigacker und das Bürgerheim auf dem Hagenbach betreibt. Derzeit beschäftigen ihn in dieser Funktion zwei große Bauprojekte, darunter das Demenzhaus auf dem Krankenhausareal in Backnang. Für den Jubilar steht aber schon fest, dass mit dem Abschluss dieser Vorhaben auch für ihn ein Schlussstrich bevorsteht: „Mit Ablauf des Jahres höre ich auf.“

Künftig will er sich mehr dem Privatleben widmen, auch wenn sein Wort als DRK-Ehrenvorsitzender und als Ehrenkreisjägermeister weiterhin gefragt sein wird. Aber schon jetzt hat sich der Verwaltungsroutinier dem häuslichen Miteinander mit seiner Ehefrau Margarete, die er während seiner Jahre in Auenwald kennen- und lieben gelernt hat, besonders verschrieben. Zusammen kümmern sie sich um Haus und Garten, ab und zu treten sie kleine Reisen an, Tages- oder Zweitagesfahrten in die Umgebung oder auch mal ein paar Tage an den Bodensee.

Seinen heutigen Ehrentag will Schmitt übrigens ohne großen Rummel genießen. Er hat auf einen Empfang im historischen Rathaus verzichtet und spendet stattdessen das Geld: Der Träger der Backnanger Bürgermedaille gibt die Summe an das Alten- und Pflegeheim Staigacker und freut sich – anstelle von Geburtstagsgeschenken – über weitere Spenden an das Alten- und Pflegeheim Staigacker.