Nachbarschaft ist ein Geben und Nehmen

Abschluss unserer Serie „Die Leute von nebenan“: Wir haben Facetten der Nachbarschaft beleuchtet und Reaktionen erhalten

Unsere Serie „Die Leute von nebenan“ hat in den vergangenen Wochen die Seiten von unterschiedlichsten Nachbarschaften in den Mittelpunkt gerückt. Es waren unterhaltsame, interessante und auch informative Geschichten rund um das Zusammenleben im Haus, in der Wohnung oder auch rund um das Leben, wenn man Haus an Haus wohnt. Einige BKZ-Leser haben auf diese Geschichten reagiert und ihre Erfahrungen per Post oder E-Mail mitgeteilt.

Das Leben im Hochhaus, die Rechtslage bei einem Nachbarschaftsstreit, das gemeinsame Feiern mit den Nachbarn, das Zusammenleben in einer Weilergemeinschaft oder die Vor- und Nachteile einer WG – das und vieles mehr haben wir in unserer Serie dargestellt. Fotomontage: BKZ/N. Schietinger

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG. „Hallo, Herr Nachbar, Verzeihung, Herr Nachbar, unsere Welt braucht Liebe – bitte recht freundlich, und nicht gleich so feindlich, unsere Welt, die braucht Humor.“ Dieses Lied vom damaligen Schlagerduo Cindy und Bert drückt eigentlich aus, wie Nachbarschaft funktionieren sollte. Aber wie jeder weiß, ist das eben nicht immer so.

In unserer Serie „Die Leute von nebenan“ haben wir in den Geschichten viele Facetten einer Nachbarschaft geschildert: vom Interview mit Netzwerkerin Erdtrud Mühlens, vom Leben im Hochhaus, im Neubaugebiet oder in einer WG, über professionelle Nachbarschaftshilfe und eskalierende Nachbarschaft hinaus. Auch wurde darüber berichtet, wie es ist, in der Nachbarschaft zu feiern, oder wie man Konflikte lösen könnte. Dabei sind sowohl harmonische als auch zum Nachdenken anregende Geschichten entstanden. Einige BKZ-Leser haben direkt auf verschiedene Geschichten reagiert und eine E-Mail geschrieben oder sich über die Facebook-Seite der BKZ gemeldet.

Kerstin Wieland hat zum Beispiel auf unserer Facebook-Seite geschrieben: „Leider hat es eine Weile gedauert, aber was lange währt wird endlich gut. Aus Nachbarn wurden beste Freunde, auf die man sich in jeder Lebenslage verlassen kann.“ Egal, ob es um die Hilfe bei einem Umzug gehe, um Besorgungen oder einfach um das Beisammensein bei einem Grill-Abend: „Sie sind immer für einen da! Schön, euch in unserem Leben zu haben! Ihr seid die Besten!“

Sven Vollbrecht hat sich ebenfalls auf Facebook gemeldet und ein Nachbarschaftserlebnis geschildert: „Als ich letztes Jahr meine neue Wohnung renoviert habe, haben meine damaligen ,Noch-nicht-Nachbarn‘ ständig gefragt, wann ich denn einziehen würde – damit wir endlich ein Bier zusammen trinken können. Als ich vergessen habe, meine Balkontür zu schließen und über Nacht weg war, haben sie die geschlossen und sind über die Wohnung wieder raus. Fand ich ganz toll. Besonders der Spruch danach hat mir gefallen: ,Sven, wir sind nicht neugierig, wir passen hier aufeinander auf.‘ Meine Nachbarn sind klasse.“

Bei ihren sehr hilfsbereiten Nachbarn bedankt sich Ruth Wohlfarth. Sie hat sich auf den Artikel über das Netzwerk Nachbarschaft bezogen: „Es hatte geschneit, und als ich am Morgen aufgestanden bin, habe ich gesehen, dass der Gehweg schon geräumt war.“ Sie habe zwar dann noch mehrmals geschippt, aber auch reichlich Unterstützung erhalten. So habe ein Nachbar beispielsweise ihren Platz vor der Garage freigeschaufelt. Ebenso habe man für sie Streusalz bereitgestellt, weil ihres leer war. „Aber nicht genug der Hilfsbereitschaft“, so Ruth Wohlfarth weiter: „Auch meine direkte Nachbarin fragt oft an, ob ich etwas benötige, wenn sie einkaufen geht und eine andere Nachbarin bietet mir immer ihre Hilfe an. Wenn ich mit meinem iPad oder PC nicht weiterkomme, sind meine Nachbarn für mich da. Sie glauben gar nicht, wie dankbar ich für die angebotene Hilfe bin, die ich mit meinen 89 Jahren zu schätzen weiß. Sie sehen, es gibt noch immer eine gute Nachbarschaft, nur darf man es nicht als selbstverständlich hinnehmen – es muss immer ein Geben und Nehmen sein.“

Die Familien Kuhn, Steckl, Warzecha und Ziegele aus Backnang haben ihre Geschichte per E-Mail an uns gesendet: „Eine gewachsene Gemeinschaft ist es, die sich im Seelacher Weg vor über 21 Jahren gefunden hat. Im Jahr 1999 ist die Idee entstanden, ein Hoffest zu veranstalten, damit sich die Nachbarn kennenlernen können. Aus einem ursprünglichen Grillabend mit Lagerfeuer und Gitarrenmusik ist mittlerweile ein zweitägiges Event geworden. Der Sonntag kam mit einem Weißwurstfrühstück dazu und endet mittlerweile meist mit einem gemeinsamen Pizzaessen am Abend.“ Ausgefallen sei das Fest nicht ein einziges Mal. Weitere Anlässe zum Feiern wurden schnell gefunden. Seit dem Sommermärchen 2006 sei die Garage eines der Nachbarn der Ort für Public Viewing bei allen großen Fußballereignissen. Aber es seien nicht nur die Feierlichkeiten, die diese Nachbarschaft auszeichnen. Kinder seien hier groß geworden – mittlerweile gibt es die ersten Enkelkinder. Die gegenseitige Unterstützung sei es, die diese Nachbarschaft ebenfalls auszeichnet. „Bei Not- und Krankheitsfällen und der Kinderbetreuung helfen wir uns gegenseitig. Der Anhänger eines Nachbarn ist fast schon als Gemeinschaftsbesitz zu bezeichnen und ein Auto wurde von einem an den anderen verliehen, um den Umzug des Sohns zu realisieren, der mit dem eigenen Fahrzeug nicht zu schaffen gewesen wäre.“ Im vergangenen Jahr habe man eine gemeinsame Grünfläche gerodet und baute darauf einen Fahrradschuppen zur gemeinsamen Nutzung. „Wir nennen unsere Gemeinschaft das Höfle. Wann diese Bezeichnung entstanden ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Aber es ist eine Gemeinschaft geworden, die weit über eine normale Nachbarschaft hinausgeht. Eine Familie mit drei Kindern hat im Jahr 2010 trotz beengter Wohnverhältnisse auf einen Umzug verzichtet, weil sie diese Gemeinschaft auf keinen Fall verlassen wollte. Denn die Verlässlichkeit und das Interesse an den anderen sind die Basis für diese gewachsene Nachbarschaft.“