Vielfalt der Möglichkeiten des Glases

Sonderausstellung „Medium Glas“ mit Werken von Susanne und Ulrich Precht gestern im Spiegelberger Glasmuseum eröffnet

Ein Spiel von Farben und Formen, von Licht und Schatten, Brechungen und Reflexionen, Transparenz und Opazität schlug am Sonntag die Besucher des Spiegelberger Glasmuseums in ihren Bann. „Medium Glas“ lautet der Titel der Sonderausstellung, die dem Künstlerehepaar Susanne und Ulrich Precht gewidmet ist.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Medium Glas“ sind die Werke von Susanne und Ulrich Precht im Glasmuseum ausgestellt.Foto: J. Fiedler

Von Wolfgang Gleich

SPIEGELBERG. Er habe sich schier nicht losreißen können, so sehr hätten ihn die ausgestellten Kunstwerke überwältigt, als die Ausstellung am Freitag und Samstag im Museum, das im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht ist, aufgebaut wurde, gestand Spiegelberger Bürgermeister Uwe Bossert. Immer wieder habe er herein- und den beiden Künstlern über die Schulter geschaut, wie sie ihre Exponate auspackten und arrangierten. Zum Glück seien die Künstler zur Ausstellungseröffnung persönlich anwesend. Er habe sich von ihnen die unterschiedlichen Techniken und Herstellungsverfahren erläutern lassen und dadurch einen intensiven Zugang zu den ausgestellten Arbeiten erhalten – und einen erweiterten Blickwinkel auf den Werkstoff Glas. „Es war ein ausgesprochener Glücksfall, dass unsere ehrenamtliche Museumsleiterin Marianne Hasenmayer das Ehepaar Precht vor ein paar Jahren in Lorch kennenlernte und es ihr nun gelungen ist, sie zu uns nach Spiegelberg zu holen. Diese Sonderausstellung wird wieder eine ganz tolle Sache“, begeisterte sich Bossert. Er gehe davon aus, dass auch heuer wieder die Zahl von tausend Besuchern überschritten werde.

Die Ausstellung gebe einen breiten Überblick über das Schaffen von Susanne und Ulrich Precht. Deren Arbeiten beeindruckten sowohl durch ihren künstlerischen Wert und ihr Wirken, erläuterte Marianne Hasenmayer. Auf den ersten Blick überrasche die Vielfalt der Möglichkeiten und Ausdrucksformen, die der „Kunststoff Glas“ sowohl für den Künstler wie auch für den Betrachter bereithalte, seien es nun Skulpturen und Figuren, Glasfenster und -bilder, Gussglasreliefs oder kleinere Objekte mit Landschafts-, Tier- oder Pflanzendarstellungen in der Tiefe des Glaskörpers. „Freut euch einfach nur an dem Medium Glas und seinen schier unendlichen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten“, rief sie den Ausstellungsbesuchern zu.

Und die ließen es sich nicht zweimal sagen und gaben sich ganz den Exponaten hin, bestaunten die in Glasgefäße hineingegossene Darstellung von Landschaften, Baumgruppen und Gestalten, begeisterten sich an Figuren und Reliefs, an Glasbildern und aufwendig geschliffenen Würfeln, an Ensembles aus Glas und Schiefer.

Werke in Dresden,

Hamburg und Berlin

Susanne und Ulrich Precht haben sich beim Studium an der Hochschule für Kunst und Design in Halle kennengelernt. Ulrich stammt aus einer Künstlerfamilie mit langer „Glastradition“ im Thüringer Lauscha. Dies gab seinem Oeuvre zunächst eine stärkere Konzentration auf das Design und die Gestaltung von Glasobjekten. Beide Künstler nahmen an zahlreichen Symposien in Thüringen, Österreich und Tschechien teil und beteiligten sich an über 60 Ausstellungen. Arbeiten von ihnen finden sich in Museen in Gera, Oldenburg, Dresden, Hamburg und Berlin.

Schwäbische Handwerker brachten 1597 die Glasherstellung und -bearbeitung in die engen Täler der 4500-Einwohnergemeinde Lauscha, erzählte Ulrich Precht bei der Ausstellungseröffnung. Sie hat sich dort bis heute erhalten, dank Lampenglasbläserei und Glasfädenspinnerei, der Herstellung von Perlen, Ketten, Christbaumschmuck und künstlichen „Reformaugen“. „Es ist eine schöne Vorstellung, dass diese Grundlage unserer Geschichte nun von dort nach Spiegelberg zurückgekommen ist“, ergänzte Marianne Hasenmayer.