Eindeutig die richtige Entscheidung

100 Tage Bürgermeister: Steffen Jäger fühlt sich in seinem Amt pudelwohl – Mitarbeiter und Gemeinderäte sind voll des Lobes

32 Jahre Bürgermeister Bernd Brischke – und dann? Mit Steffen Jäger als Nachfolger ist der Gemeinde Oppenweiler ein Glücksgriff gelungen, so scheint es. Für den 31-Jährigen war’s zweifellos die richtige Entscheidung, als Verwaltungschef ins Wasserschloss einzuziehen. Am Dienstag ist Jäger 100 Tage im Amt.

Steffen Jäger geht in seinem neuen Amt als Verwaltungschef einer Kommune voll auf: „Es war bisher eine interessante, arbeitsintensive, aber auch Freude bringende Zeit.“

Von Florian Muhl

OPPENWEILER. Steffen Jäger strahlt. Immer, wenn man den jungen Bürgermeister sieht, strahlt er. Jäger scheint nicht nur ein glücklicher und ausgeglichener Mensch zu sein, sondern er ist es nach eigenem Bekunden auch. Beim Interview-Termin in seinem Amtszimmer – auch da strahlt er. Kein Wunder, arbeitet er doch in einem der schönsten Büros, die man sich überhaupt vorstellen kann, wie er selbst von seiner von licht durchfluteten Arbeitsstätte schwärmt.

Das Büro hat er so belassen, wie er es von seinem Amtsvorgänger übernommen hat. Mit einer Ausnahme: Einen neuen Chefsessel hat sich Jäger gegönnt, „an meine Größe angepasst“, sagt er, um sofort nachzuschieben und erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „...an meine körperliche Größe – ich bin 1,91 Meter groß beziehungsweise lang.“

Bei einem Kunstwerk aus Metall, das wie ein Bild an der Wand hängt und so etwas wie verrostete Beschläge einer alten Truhe darstellen soll, hat sich Jäger entschlossen, es auszutauschen. „Es passt zwar hier rein, aber mir gefällt es nicht.“ Es soll Platz machen für eine Magnetleiste, an der auch mal Bebauungspläne aufgehängt werden können.

Jäger liebt die Ordnung. Alles hat seinen Platz, auf seinem Schreibtisch herrscht Übersicht. Tagsüber stapeln sich schon mal Akten. „Aber abends räume ich grundsätzlich auf“, sagt er. Das habe zwei Gründe. Einerseits beginne man den nächsten Tag an einem ordentlichen Arbeitsplatz und andererseits ist’s am Abend auch eine Art Kontrolle, ob man am Tag alles Wichtige abgearbeitet und nichts vergessen hat.

Zwei Objekte indes haben ihren festen Platz gefunden, nachdem Jäger seine neue Wirkungsstätte erst wenige Tage bezogen hatte: Ein Hubschrauber aus Holz und ein faustgroßes Prisma. Geschenke, die er zu seinem Amtsantritt Anfang März bekommen und die er bereits lieb gewonnen hat. Der Hubschrauber soll ihm helfen, stets den Überblick zu behalten, und das Prisma will aufzeigen, dass man Dinge immer von verschiedenen Seiten aus betrachten kann.

Das ist Jäger bislang gelungen. Über die vergangenen 100 Tage sagt er: „Es war bisher eine interessante, arbeitsintensive, aber auch Freude bringende Zeit.“ Keine leichte Entscheidung sei es im vergangenen Jahr gewesen, innerhalb der Landesregierung den Beamtenstatus auf Lebenszeit aufzugeben, um in die Kommunalverwaltung zu wechseln. Aber die Herausforderung, diese Verantwortung zu übernehmen, das habe ihn schon sehr gereizt. Letztlich war es seine Frau Martina, die ihm zugeredet hat. Nicht, weil sie Frau Bürgermeisterin werden wollte, sondern weil sie der Überzeugung ist, dass das Amt zu ihrem Mann passt. „Sie hat mir Mut gemacht“, sagt Jäger.

„Rückblickend war’s eindeutig die richtige Entscheidung“, ist sich der junge Rathauschef sicher, um gleich nachzuschieben: „Aber es gibt auch Momente, in denen man dies mit größerer oder kleinerer Überzeugung sagt.“ Und nach einer kleinen rhetorischen Pause: „Das Schöne ist, dass die Momente mit großer Überzeugung bei Weitem überwiegen.“

Ihrem neuen Chef mit der charismatischen Ausstrahlung haben es die Rathausmitarbeiter wie auch die Bediensteten im Bauhof, im Schwimmbad und den Kindergärten sehr leicht gemacht. „Ich wurde sehr gut aufgenommen und spüre eine ganz große Rückendeckung.“ Durch die Bank seien es mündige und verantwortungsbewusste Mitarbeiter. Jäger will „ein hohes Maß an Vertrauen zurückgeben“. Auch im Gemeinderat habe er bislang ein „sehr konstruktives und vertrauensvolles Miteinander“ erlebt. Dem Verwaltungschef ist es ein Anliegen, das Gremium frühzeitig über Themen zu informieren. „Ich will niemanden überfallen. Sachorientierte Diskussionen sind nur möglich, wenn die Grundlagen bekannt sind.“ So will Jäger auch die anstehenden Aufgaben angehen: das Neubaugebiet Steinfeld, den Hochwasserschutz, die Kinderbetreuung, die Seniorenarbeit. Die Infrastruktur und die Attraktivität der Gemeinde will der Bürgermeister beibehalten, wenn nicht noch verbessern. Und da ist ja noch der Dauerbrenner, „das Jahrhundertprojekt“: die Verlegung der Bundesstraße mit der anschließenden Gestaltung des Ortskerns. Bei einem Gespräch im Regierungspräsidium wurde dem Bürgermeister versichert, dass die Planfeststellung der neuen B14-Trasse 2011 angestoßen wird.

Eine Menge zu tun; Jäger wird’s anpacken – aber immer strahlend? Was kann denn den ausgeglichenen Bürgermeister aus der Fassung und auf die Palme bringen? „Wenn man versucht, mich hinters Licht zu führen oder für dumm zu verkaufen – dann kann ich sehr ungemütlich werden“, sagt Jäger mit plötzlich fester Stimme. Und einen kurzen Moment hat man den Eindruck, wie das wohl sein könnte, wenn der Rathauschef ungehalten ist – wirklich ungemütlich.

Aber im nächsten Moment wieder das zufriedene Lächeln. Wie lange noch in dieser Position? „Es macht Spaß, ich kann mir das lange vorstellen. Julius Zehender war 30 Jahre im Amt, Bernd Brischke 32 Jahre – das war bestimmt nicht ohne Grund so“, strahlt Jäger.