Rettung aus flammendem Inferno klappte

Katastrophenschutzübung im neuen B14-Tunnel – Über 200 DRK- und Feuerwehrkräfte bei schwerem Verkehrsunfall im Einsatz

Am Ende waren die Verantwortlichen zufrieden. Und erleichtert. Das Zusammenspiel aller Einsatzkräfte wurde bei der Katastrophenschutzübung im neuen B14-Tunnel am Samstag geprobt. Die Annahme: Ein schwerer Verkehrsunfall mit Feuer und Schwerverletzten.

Verbandsplatz vor dem Westportal des Tunnels: Drei Zelte zur Versorgung der Verletzten.

Von Florian Muhl

LEUTENBACH. Es ist 8 Uhr. Es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Zu schön, um bereits jetzt schon an die bevorstehende Katastrophe im neuen B14-Tunnel zu denken. Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung. Wie realistisch sich dabei aber alles abspielt, dass auch eine Übung unter die Haut gehen kann, wird sich bald sehr deutlich zeigen.

Gerade ist die Vorbesprechung für die leitenden Einsatzkräfte zu Ende. „Wir proben heute einen Massenunfall von Verletzten, kurz Manv genannt“, wendet sich Reinhold Gruhler an die Medienvertreter. Der Regierungsbaumeister und Diplomingenieur ist beim Regierungspräsidium Stuttgart zuständig für 56 Tunnel. „Allerdings haben wir nur zwölf Verletzte. Und zusätzlich wird es brennen“, kündigt der Tunnelmanager an.

Vom DRK werden Kräfte aus Winnenden, Leutenbach, Schwaikheim, Backnang, Fellbach und Weinstadt dabei sein, zählt Monika Hermann auf. „Es wird spannend für alle sein“, sagt die Kreisgeschäftsführerin und gibt zu: „Ich als Laie staune, wie freizügig die Vorgaben sind.“

Von der Feuerwehr werden sogar Floriansjünger aus Murrhardt und Welzheim mit dabei sein. „Wir wollen heute das Zusammenspiel aller Kräfte proben“, sagt Kreisbrandmeister Reinhard Kowalzik zum Ziel der Übung.

9.07 Uhr: Der Fußmarsch in den gut ein Kilometer langen Tunnel hinein dauert länger als erwartet. In einer leichten Linkskurve stehen zwei Unfallautos, ein Panda und ein Fiesta. Drei DRK-Mannschaftswagen bringen die zwölf Männer und Frauen, die die Verletzten mimen werden. Sie werden geschminkt, das Blut kommt aus der Tube.

9.19 Uhr: Ein Abschleppdienst bringt das dritte Unfallauto, einen Volvo-Kombi. „Alles soll so realistisch wie möglich sein, ungewöhnlich ist nur, dass es jetzt keine Luftströmung gibt, wie sonst, wenn Verkehr ist“, sagt Kowalzik.

9.25 Uhr: Der künstliche Stau wird gebildet. Es sind Mitglieder der Winnender Alterswehr mit ihren Privat-Autos.

9.33 Uhr: „Achtung, wir schalten jetzt den Tunnel scharf“, warnt eine Männerstimme. Die Tunnellautsprecher dröhnen.

9.35 Uhr: Markus Kramer, beim Landratsamt zuständig für den Katastrophenschutz, setzt den Notruf ab.

9.40 Uhr: Eine Sirene ist von weitem zu hören. Plötzlich eine Stichflamme. Der Brandsimulator sorgt für das Feuer, Kowalzik zündet zwei Rauchbomben. Sekunden später ist ein Rettungswagen zu sehen. Er hält am Stauende. Es dauert einen Moment. Die Rettungskräfte setzen offensichtlich einen Funkspruch ab.

9.41 Uhr: Die Lüftungsanlage springt an. „Sechs Meter pro Sekunde“, hatte Kowalzik zuvor zur erzeugten Windgeschwindigkeit gesagt. Gewaltig. Die Verantwortlichen sind selbst überrascht. Die Flamme ist fast waagerecht, der Rauch zieht mit einem irren Tempo in der Röhre Richtung Backnang ab.

9.43 Uhr: Zwei Männer vom Rettungsdienst schauen in die Unfallautos hinein.

9.47 Uhr: Der erste Notarzt und eine Rettungswagen-Besatzung kümmern sich um Verletzte im Volvo. Schreie sind zu hören. Jedem Insassen wird eine Verletztenanhängekarte um den Hals gehängt. Das erste Opfer, ein Mädchen, kann gehen, wird zum Rettungswagen geführt.

9.52 Uhr: Das erste Feuerwehrauto trifft ein. Ein Schlauch wird ausgerollt, das Feuer gelöscht.

9.55 Uhr: Weitere Rettungskräfte und Notärzte treffen ein, stellen fest, dass sich die Türen der anderen Autos nicht öffnen lassen. Fenster werden eingeschlagen, um sich um Verletzte zu kümmern.

10.02 Uhr: Aus Richtung Backnang kommt eine Feuerwehr. Mit hydraulischen Scheren und Spreizern werden Türen geknackt, später Dächer abgeschnitten. Immer mehr Kräfte sind vor Ort, immer mehr Verletzte werden abtransportiert – Für einen Laien wird das Geschehen unübersichtlich, geht unter die Haut.

10.40 Uhr: Die letzte Person, die Fahrerin im Fiesta, wird geborgen.

13.15 Uhr: Das Fazit von Landrats-Stellvertreter Bernd Friedrich fällt positiv aus: „Alles ist sehr gut gelaufen.“ Ein paar Punkte müssten „feinjustiert“ werden, so die Funktechnik. Auch Gruhler ist gut gelaunt: „Der Test heute war sehr gut“, auch wenn es ein paar Schwierigkeiten gegeben hätte. Kowalzik und Hermann äußerten sich ebenso positiv.

Georg Spinner, der Kommandant der Leutenbacher Feuerwehr und Einsatzleiter, zeigte sich zufrieden über das Zusammenspiel von DRK und Feuerwehr. Zwölf Verletzte in 65 Minuten geborgen, „das ist eine hervorragende Zeit“.