Weite Radstrecken statt weiter Sprünge

Wie geht’s denn Klaus Kübler: Der frühere Vize-Europameister aus Murrhardt kümmert sich als Lehrer und Trainer um Kinder

Von Uwe Flegel

„Vielen Dank, das hört man gern.“ Klaus Kübler freut sich, als er den Gast im schmucken Haus am Rand der Talheimer Weinberge begrüßt. Dabei hat der 51-Jährige sicher schon oft gehört, dass er sich kaum verändert hat, seit er die Turnschuhe an den Nagel hängte. Mit 27 Jahren hatte der Vize-Europameister von 1981 genug von der Leichtathletik. Auch weil Verletzungen den aus Murrhardt stammenden Dreispringer immer wieder außer Tritt brachten. Die Wehwehchen kosteten ihn 1984 die Teilnahme an Olympia in Los Angeles. Vier Jahre zuvor hatte die Politik mit dem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau einen Start verhindert.

Kübler, der im Anschluss ans Abitur zum Sport- und Geografiestudium nach Tübingen zog, war es nicht vergönnt, nach Joachim Kugler der zweite Olympiateilnehmer mit Murrhardter Wurzeln zu sein. Interessanterweise war Kugler, der 1968 in Moskau Rang elf belegte, ebenfalls Dreispringer. „Das war aber nicht der Grund, warum ich Dreispringer wurde“, baut Klaus Kübler vor. Allerdings: „Von Joachim Kugler habe ich das erste Paar Spikes bekommen.“ Als „Entdecker und väterlichen Freund“ bezeichnet der Lehrer am Bietigheimer Berufsschulzentrum einen anderen Murrhardter: Uli Zimmermann, Vorsitzender des Leichtathletikkreises Rems-Murr, damals Trainer beim TV Murrhardt und heute beim vor zwei Jahren gegründeten LAC Schwäbischer Wald. Zimmermann hatte 1973 am Murrhardter Gymnasium Schüler für einen Schüler-Vergleichskampf gesucht. „Die Besten durften zum Austausch nach Chateau-Gontier“, erinnert sich Kübler, der damals mit Leuten wie Udo Bauer und Rainer Gehring in der Jugend des VfR kickte. Der Fußballer bewies bei dem Test Talent als Mehrkämpfer. Von da an jagte er nicht nur auf dem Rasen dem Ball hinterher, sondern auch über die Laufbahnen der Sportplätze und Stadien. Dass er dann zum Dreisprung kam, war ein Zufall. „Trainer Hartmut Dunst hat beim Hallentraining gefragt: „Wer braucht die wenigsten Sprünge von Wand zu Wand?“ Kübler. Bei der nächsten Möglichkeit für den Dreisprung gemeldet. „Wenig später war ich mit 13,58 Metern württembergischer B-Jugendmeister“, erinnert sich Klaus Kübler schmunzelnd. Die Feststellung: Dreisprung sei technisch aber sehr kompliziert, kontert er, wie es nur einer kann, dem Bewegungstalent in die Wiege gelegt wurde: „Wieso? Man landet ja nicht, sondern springt gleich weiter.“ Gut: eine kleine Einschränkung macht der Könner dann doch auch: „Bis es technisch richtig gut läuft, hat man viele Schmerzen.“

Die waren aber nie so groß, dass er den Sport ganz sein lässt. Zwar hat er mit der Leichtathletik nur noch als Zuschauer was am Hut, doch sein Wissen gibt er als Konditionstrainer weiter. Ende der Achtziger unter den Trainern Arie Haan, Willi Entenmann und Christoph Daum arbeitete er zwei Jahre lang mit den Profikickern des VfB. Mittlerweile kümmert er sich um die acht- bis zwölfjährigen Talente des Tennisbezirks Hohenlohe-Heilbronn. Dort ist der Murrhardter Thilo Gfrörer als Bezirkstrainer tätig. Und als der Freund um Unterstützung bei der in Talheim stationierten Fördergruppe bat, war Kübler zur Stelle. Die Familie von Thilo Gfrörer sowie die immer noch in Murrhardt lebenden Eltern Karl und Cäcilie sowie Schwester Carola sind dann auch seine wichtigsten Verbindungen in die alte Heimat. „Was läuft, bekomme ich aber schon noch mit.“ Beispiele gefällig. Herbert Bentz, der als Trainer die SG Sonnenhof Großaspach in die Oberliga führte, „kenne ich sehr gut.“ Und Benedikt Röcker, Innenverteidiger der mittlerweile in der Regionalliga kickenden Aspacher, war Küblers Schüler. Und auch die Differenzen zwischen dem in Murrhardt beheimateten LAC Schwäbischer Wald um den alten Weggefährten Uli Zimmermann und Küblers Ex-Verein TV Murrhardt sind ihm bekannt. Dazu sagen, will der ehemalige Deutsche Meister aber nichts. Nur soviel: „Ich bin leistungsorientiert.“

Deshalb betreibt er heute noch viel Sport. Dank Mountainbike und Jogging wirkt er immer noch so drahtig wie vor fast 30 Jahren. Und wenn das Wetter stimmt, dann setzt er sich aufs Rad und fährt die 25 Kilometer zur Schule nach Bietigheim. Weite Strecken sind weiterhin kein Problem für einen, der einst fast 17 Meter weite Sprünge machte.