Stricken ist für sie die pure Leidenschaft

Über 500 Raveler trafen sich zum zweiten Mal in Backnang – Besucher kamen sogar aus Belgien und England

In Gestricktes gehüllt empfing die Statue vor dem Bürgerhaus die Besucher. Ravelry heißt eine internationale Handarbeits-Community im Internet. Über 500 Strick-, Spinn- oder Häkelbegeisterte aus dem In- und Ausland lockte das German Raveler Meeting an.

Stash-Diving: Tauchen in Garnsträngen beim Raveler-Meeting.Foto: E. Layher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Dass Handarbeit aus der Mode gekommen ist, diesen Anschein machte es am Samstag und Sonntag im Bürgerhaus nicht. Wohin man sah wurde gestrickt, wurden bunte Garne begutachtet oder sich über Muster ausgetauscht. Virtuell kennen sich manche der Handarbeits-Fans aus der Community. Beim German Raveler Meeting konnten sie sich persönlich kennenlernen. Viele reisten von weit her an.

Fast 900 000 registrierte Benutzer hat Ravelry weltweit. Deutschland vertritt den größten fremdsprachigen Bereich des in den USA gegründeten Forums. Raveler Meetings gibt es in den USA schon länger. Letztes Jahr haben Annette und Alexander Maaß, die in Nellmersbach leben, das Treffen in Deutschland ins Leben gerufen. Zum zweiten Mal fand es nun in Backnang statt. Aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz sind Handarbeits-Begeisterte angereist. Manche Mitglieder der Community haben sich zuvor im Internet verabredet. Fahrgemeinschaften mit dem Auto wurden gebildet, manche bevorzugen das „Zug-Socking“, weiß Alexander Maaß, das bedeutet, dass man während der Bahnfahrt Socken strickt. Eine Besucherin ist extra aus England eingeflogen. Sie stammt aus Göppingen und lebt in Cambridge. Backnang ist ihr nicht unbekannt, ihre Großmutter hat in Allmersbach im Tal gelebt, erzählt sie. Zwei gebürtige Finninnen stehen schon länger über Ravelry miteinander in Kontakt. Beim German Meeting trafen sie sich zum ersten Mal persönlich. Die eine ist aus ihrer Wahlheimat Belgien angereist, die andere lebt in Frankfurt. Auch einige männliche Handarbeitsfreunde waren unter den Besuchern, wie etwa ein Strickbegeisterter aus der Nähe von Fulda. Als 10-Jähriger hat er das Stricken von seiner Oma gelernt. Noch heute strickt er für sich Jacken und Pullover. „Das Stricken zieht sich durch meine ganze Lebensgeschichte“, sagt der 51-Jährige. Früher hatte er ein Handarbeitsgeschäft, heute arbeitet er im Verkauf von Handstrickgarn.

Im Bürgerhaus präsentierten Aussteller alles rund um das Handarbeiten. Bunte Garne wurden angeboten, mit aufwendigen Mustern gestrickte Kleidungsstücke waren zu sehen. Ein Aussteller bot Spinnräder und selbst gefertigte Spindeln an. Kurse und Workshops fanden statt mit Themen wie „Lochmuster stricken und verstehen“, „Gestrickte Tiere“ oder „Stricken mit Perlen“. Wer einmal ganz und gar in flauschige Wolle eintauchen wollte, konnte das in einem im Foyer aufgebauten Pool tun, der mit über 1500 bunten Garnsträngen gefüllt war. „Wir haben den Begriff Stash-Diving, der bedeutet, in seine eigenen Materialreserven abzutauchen, mal ganz wörtlich genommen“, so Alexander Maaß. Der Veranstalter ist passionierter Stricker. In der Grundschule in Althütte hat er es gelernt. Handarbeit war Teil des Lehrplans, sowohl für Mädchen, als auch für Jungen, erinnert sich der 40-Jährige. Lange war das Gelernte in Vergessenheit geraten, bis er durch seine Frau wieder zum Stricken kam und die Leidenschaft dafür neu entdeckte. Und natürlich durfte auch beim German Raveler Meeting im Bürgerhaus sein Strickzeug nicht fehlen.