Sicherheitstechnik vom Allerfeinsten

Leutenbacher B14-Tunnel ist für den Ernstfall gut gerüstet – Leistungsstarkes Lüftungssystem soll Katastrophe verhindern helfen

Der Leutenbacher B14-Tunnel ist das Straßenbauwerk mit der modernsten Sicherheitsausstattung im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Stuttgart. Und das ist immerhin für 57 Tunnelbauwerke mit einer Länge von mindestens 80 Metern zuständig.

Zeigen den kürzesten Fluchtweg: Leitsysteme, die alle 20 Meter angebracht sind. Fotos: E. Layher

Von Matthias Nothstein

WINNENDEN. Es schwingt ein wenig Stolz in der Stimme mit, wenn Reinhold Gruhler über die Möglichkeiten spricht, was er alles aus der Verkehrsleitzentrale steuern kann. Der Tunnel wird bis in den letzten Winkel mit 37 Kameras überwacht. Die Monitore befinden sich im Betriebsgebäude direkt am Tunnelportal. Da diese Zentrale aber im Regelfall nicht besetzt ist, werden die Röhren von der Straßenmeisterei Weinstadt überwacht. Und wenn dort Feierabend ist, dann von der Polizeidirektion Waiblingen. Egal, welche der drei Einheiten im Einsatz ist, das 1080 Meter lange Bauwerk wird täglich rund um die Uhr kontrolliert.

Den Ausschlag für die Verbesserungen der Alarmierungstechnik gaben die schweren Tunnelunglücke rund um die Jahrtausendwende, als bei mehreren Katastrophen viele Menschen ums Leben kamen. Zumeist wegen eines Feuers. Brände sind das Schlimmste, was in einem Tunnel passieren kann. Da es im Brandfall um jede Sekunde geht, werden die Alarmierungsabläufe automatisiert. Wenn ein Fahrzeug Feuer fängt, wird der Tunnel sofort für den Verkehr gesperrt. Und zwar gleich auf dreifache Weise. Die Ampeln am Portal schalten auf Rot, das Sperrkreis-Verkehrsschild leuchtet auf und die Schranken vorm Tunnel schließen sich. Laut Gruhler ist diese Mehrfachsicherung nötig, denn viele Bürger kapieren nicht sofort den Ernst der Lage.

Der Alarm wird auf verschiedenste Weise ausgelöst. Bei einem größeren Feuer – wenn also bereits große Hitze herrscht – reagieren die Brandmeldekabel an der Tunneldecke. Ferner gibt es in den 14 Notrufkabinen Alarmknöpfe und Gegensprechanlagen. Die Polizei kann den Alarm auch nach einem Notruf (110 oder 112) auslösen. Die Hochleistungslüftungsanlagen saugen in jener Röhre, in der es brennt, den Rauch ab. In der anderen bauen sie Überdruck auf, damit hier kein Rauch eindringt. Gewaltige Windgeschwindigkeiten von acht Meter pro Sekunde erreichen die Gebläse. Mehrere Verbindungen zwischen den Röhren können als Fluchtdurchlässe genutzt werden und gewährleisten, dass niemand weiter als 300 Meter gehen muss, bevor er in Sicherheit ist. Durchsagen in Deutsch und Englisch mit einer beeindruckenden Lautstärke und Klarheit fordern die Verkehrsteilnehmer zum zügigen Verlassen des Tunnels auf.

Doch die Technik erkennt nicht nur Feuer. Auch Fußgänger oder langsame oder defekte Fahrzeuge werden registriert und lösen Alarm aus. Sofort wird die Geschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer reduziert und Alarm ausgelöst.