Martialisches Erscheinungsbild täuscht

Die mächtigen Klingen, die beim Schwertfechten gekreuzt werden, sind stumpf – Neues Angebot der TSG-Fechtabteilung
Schwingen einmal pro Woche das Langschwert (von links): Andreas Kasper, Birger Jaeschke, Axel Löffler und Stefan Rosenbauer.Foto: B. Strohmaier

Von Uwe Flegel

Nein, mit Prinz Eisenherz oder Ivanhoe hat die ganze Sache nichts zu tun. Auch wenn die mächtigen Klingen beidhändig geführt werden. Freitags kurz nach 20 Uhr übt die vierköpfige Gruppe im Gymnastikraum der Plaisirschule. Schwertfechten nennt sich das Ganze. Und: Es ist das jüngste Kind der TSG-Fechter.

„Axel Löffler kam auf uns zu und fragte, ob wir interessiert wären, eine Gruppe mit Schwertfechtern aufzunehmen“, berichtet Rainer Mögle. Der stellvertretende Abteilungsleiter und seine Funktionärskollegen waren sich ziemlich schnell einig: Sie sind interessiert. Schließlich „bietet das ja auch die Möglichkeit, neue Mitglieder zu gewinnen“, erklärt Mögle.

Seit einigen Monaten wird seitdem in Backnang einmal pro Woche das Langschwert geschwungen. Vier Mann groß ist die Mannschaft, die unter Löfflers Leitung übt. Irgendwelche Ritterfilme oder Mittelalterspiele hat die Gruppe um den Professor für mathematische, naturwissenschaftliche und technische Grundlagen an der Hochschule in Aalen nicht im Sinn. Der Reiz ist sportlicher Art. „Derzeit sind wir noch eine Breitensportgruppe“, erklärt Löffler. Der Übungsleiter für Historisches Fechten bei der TSG sagt auch: „Als Wettkampfsport steckt das Schwertfechten noch in den Kinderschuhen.“ Birger Jaeschke, Stefan Rosenbauer und Andreas Kasper müssen sich noch gedulden, ehe sie beim ersten Turnier die Klingen kreuzen dürfen. Wobei Andreas Kasper zwar ein Neuling in Sachen Langschwert, jedoch nicht im Fechten ist. Er ist mit dem Degen für die TSG 1846 aktiv. „Mich reizt der Wettkampfsport“, macht Kasper klar, dass die freitäglichen Übungen für ihn nicht nur Zeitvertreib sind. Der 33-Jährige kann sich gut vorstellen, bei einem Turnier sein Können in Sachen Finte, Parade und Stich zu zeigen. Dafür müsste er bislang weite Wege auf sich nehmen. „Dijon, Paris“, fallen Löffler bei der Frage ein, wo es überhaupt schon Wettkämpfe gab. Gezählt werden dort wie beim Fechten mit Säbel, Florett und Degen die Treffer und keine abgeschlagenen Gliedmaßen. Wobei das nicht vorkommen kann, denn: Obwohl die 1,20 Meter langen, fünf Zentimeter breiten und 1,6 Kilogramm schweren Metallschwerter martialisch aussehen, sind sie ungefährlich. Sie sind stumpf. Zudem gibt es bei Wettkämpfen Schutzkleidung.

Was aber ist der Unterschied zu den drei anderen, bekannteren Fechtsportarten? „Man benötigt eine bessere Koordination“, erklärt Kasper. Während die Duelle mit Säbel, Florett und Degen auf der schmalen Planche stattfinden, geht es mit dem Schwert in eine Art Ring. Es geht nicht nur vor und zurück, sondern zusätzlich noch links- und rechtsrum. Zudem wird das Schwert nicht mit einer Hand, sondern mit beiden Händen geführt. Der Schwertfechter benötigt in Sachen Beweglichkeit also durchaus ähnliche Fähigkeiten wie ein Boxer.

„Bei einmaligem Training pro Woche sollte man zwei Jahre geübt haben“, nennt Axel Löffler als Maß, wann er seine Schützlinge fürs erste Turnier gewappnet sieht. Wobei es dabei sicher Unterschiede zwischen einem erfahrenen Turnierfechter wie Andreas Kasper und zwei Einsteigern wie Birger Jaeschke und Stefan Rosenbauer gibt. Spaß macht es aber sichtlich allen: Routinier und Neulingen. „Das ist eine gute Gruppe“, lobt dann auch der Trainer, der für seine Lektionen gerne traditionelle Quellen benutzt. Das sind Lehrbücher. Teilweise historische. Die vorhandenen Lehrbücher seien aber eher etwas für Fortgeschrittene, berichtet Löffler, der aus diesen Schriften die Übungen für seine Gruppe ableitet und erzählt: „Eine kontinuierliche Lehrtradition gibt es nicht.“ Entsprechend gibt es bislang auch kaum Vereine, die Schwertfechten anbieten. Nur in Bayern sind der Sport und die Klubs einen Schritt voraus

Weitermachen mit dem Schwertfechten möchte auf jeden Fall auch die TSG. „Das aber in einem Kurssystem“, steht für Mögle und Löffler sowie ihre Funktionärskollegen fest. Schließlich geht es bei den Backnanger Fechtern um Sport – und nicht um wilde Duelle, wie sie im Film von Prinz Eisenherz oder dem schwarzen Ritter Ivanhoe geführt wurden.