Schlagloch-Stopfer im Dauereinsatz

Die zahlreichen Schadstellen werden notdürftig mit Kaltasphalt gefüllt – Zweiter harte Winter in Folge setzt den Straßen heftig zu

Der Winter 2009/2010 war schon lang und kalt, aber der aktuelle übertrifft ihn noch. Auf den Straßen hinterlässt Gevatter Frost seine Visitenkarte. Ein Schlagloch jagt das nächste. Die Fahrt durch manch eine Straße ähnelt einem Slalomparcours. Dabei sind die Bauhofmitarbeiter täglich im Einsatz, um mit Asphalt die Löcher zu stopfen.

Verbindungsstraße Fornsbach-Göckelhof: Hier waren die Bauhofmitarbeiter gestern mit notdürftigen Reparaturarbeiten am Werk.

Von Nicola Schneider

und Matthias Nothstein

MURRHARDT/BACKNANG. Erst in den jüngsten Tagen, als die Schneemassen weggetaut waren, kam das ganze Schadensausmaß auf den Straßen richtig zum Vorschein. Das Schlaglochproblem war schon im vergangenen Winter ein großes Thema. Aber der aktuelle Winter übertrifft es noch. Nach der langen Frostperiode und dem vielen Schnee kann das Wasser in die Ritzen und Spalten der Straßenbeläge eindringen. Wenn dann die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, sprengt das Eis den Belag auf, das Material bricht weg, es entstehen Löcher. Vor allem dort, wo schwere Busse oder Lastwagen mit zum Teil starren Achsen auf der Oberfläche unterwegs sind. Das Problem wird durch den großen Einsatz von Streusalz verschärft. Salz und Asphalt harmonieren nicht gerade.

„Je härter der Winter, desto schlimmer die Schäden. Wir hatten jetzt zwei harte Winter“, bringt es Wolfgang Nell, der Leiter des Bauhofes Murrhardt/Sulzbach, auf einen einfachen Nenner. Nell ist zusammen mit seinem 20-köpfigen Team bemüht, die Löcher schnellstmöglich zu flicken – alleine schon deshalb, um Schadensfälle und letztendlich Schadensersatzforderungen zu verhindern. „Wir suchen die Straßen nach Schlaglöchern ab. Da muss man pauschal durchfahren“, sagt er zur Vorgehensweise des Bautrupps, der ständig unterwegs ist.

Wie in anderen Kommunen stopfen die Mitarbeiter die Löcher mit Kaltasphalt. Das ist zwar nicht die optimale Lösung, aber besser als nichts. Optimal wäre eine Sanierung mit Heißasphalt, sagt Roland Stampfl, Baubetriebshofleiter der Stadt Backnang. Der ist aber während der Wintermonate nicht zu beziehen, weil alle Hersteller in der Region ihre Anlagen während der Winterpause überholen. Stampfl ist aber zuversichtlich, dass am heutigen Donnerstag eine Firma in Stuttgart Heißasphalt produziert. Das wäre eine gute Nachricht. Andererseits hat er den Wetterbericht verfolgt, und der verspricht nichts Gutes: Regen. In diesem Fall hilft Heißasphalt nichts, weil der nicht bei Nässe eingebaut werden kann: Dann gelingt kein Verbund zwischen dem alten Straßenbelag und dem neuen Stopfmaterial. Optimal wäre eine Sanierung im Frühjahr. Die Temperaturen müssten über 5 Grad liegen, und der schadhafte Belag sollte abgefräst werden. Dann könnten die Übergänge entlang sauber geschnittenen Kanten mit Fugenbändern abgedichtet werden. Die Stelle wäre über Jahre hinweg saniert.

Die Schwachstellen im Murrhardter Stadtgebiet und in den Stadtteilen sind zahlreich. Die Stadt Murrhardt verwaltet ein Straßennetz von rund 80 Kilometern. Wo es am schlimmsten ist? „Oje“, sagt Nell und schnauft so tief durch, als wüsste er gar nicht, wo er mit der Aufzählung beginnen soll. Die Fritz-Schweizer-Straße, auf der viel Baustellenverkehr herrscht, ist in üblem Zustand. Sie ist für einen Ausbau vorgesehen und wird schon allein deswegen nur noch notdürftig ausgebessert. Sorgenkind Nummer eins ist die Karlstraße, das bestätigt Hans Bernhard Schwarz vom städtischen Fachdienst Immobilienmanagement. Diese haben die Bauhofmitarbeiter zwar bereits weitgehend verpflastert in den zurückliegenden Tagen. Schnell verarztet gehörten dagegen eigentlich auch Straßen, für die die Stadt Murrhardt nicht zuständig ist: die Hörschbachstraße – eine Kreisstraße – und die Landesstraße 1066. „Die L1066 ist natürlich eine Katastrophe. Da hat das Land ein Problem, auch kostenmäßig“, sagt Schwarz.

Wer nach Backnang fährt, wird bemerken, dass die Situation dort keinen Deut besser ist: Besonders die Übergänge zu den Kanalschächten reißen auf. Auch die zahlreichen Aufgrabungen der verschiedensten Leitungsträger machen Sorgen. Die größten Probleme entstehen laut Stampfl an den Haupteinfallstraßen (Stuttgarter Straße, Sulzbacher Straße, Aspacher Straße). Etzwiesenstraße und Talstraße sind weitere Sorgenkinder. Am Ende der Aufzählung verbessert der Bauhofleiter sich selbst: „Eigentlich gibt es keine Schwerpunkte. Der Asphalt reißt überall, im gesamten Stadtgebiet.“ Stampfl mit resignierendem Unterton: „Im Moment kann man nicht viel machen, nur die Löcher mit Kaltasphalt zuschmieren und hoffen, dass nichts passiert. Wenn wir ein Loch zu haben, dann bricht drei oder vier Meter weiter das nächste auf.“ Jetzt macht sich die klamme Finanzlage von Bund und Kommunen bemerkbar. Jahrelang wurden viel zu wenige Straßen generalsaniert. Jetzt blicken die Gemeinden und Städte auf Kraterlandschaften in ihren Straßen. Der Fakt, dass seit Jahren der Notstand nur verwaltet wurde, er rächt sich jetzt.

Die Mitarbeiter des Murrhardter Bauhofs sind ständig auf der Suche nach den neuesten Schlaglöchern, um sie so schnell wie möglich zu flicken. Aber nicht immer sehen sie alle Achsenbrecher und Felgenknicker auf den Schüttelpisten. Deshalb sieht Nell in Anrufen leidgeprüfter Autofahrer weniger Beschwerden als vielmehr hilfreiche Informationen, wo im Zuständigkeitsbereich erste Hilfe für Straßen am nötigsten ist.