Auch Kärcher und Stihl sind betroffen

Katastrophe in Japan: Unternehmen aus Winnenden und Waiblingen müssen unter ihren Beschäftigten keine Opfer beklagen

Von der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe in Japan sind mindestens zwei Rems-Murr-Firmen mehr oder weniger stark betroffen: Kärcher in Winnenden und Stihl in Waiblingen.

Vor der Katastrophe: Kärcher-Firmengebäude in Sendai.Firmenfoto

Von Reinhard Fiedler

BACKNANG/WINNENDEN/WAIBLINGEN. Die Alfred Kärcher GmbH und Co. KG beschäftigt weltweit etwa 7500 Mitarbeiter. In Japan ist das Unternehmen mit einer eigenen Service- und Vertriebsgesellschaft vertreten. Neben einer kleineren Filiale in Tokio steuert der Spezialist seine Tätigkeiten in Japan von Sendai aus, der größten Stadt der Präfektur Miyagi. In Sendai, vor dessen Küste das Epizentrum des Erdbebens lag, beschäftigt Kärcher 250 Mitarbeiter, alle sind japanischer Nationalität. Wie Kärcher-Sprecher Frank Schad gestern auf Nachfrage sagte, wurde niemand der Firmenmitarbeiter durchs Erdbeben und dessen Folgen verletzt. Wie es um die Angehörigen dieser Beschäftigten steht, ist allerdings noch nicht bekannt. Das Kärcher-Gebäude in Sendai stürzte zwar nicht zusammen, trug aber doch auch Risse davon. Über die Schadenshöhe konnte man sich bislang noch kein Bild machen.

Um sich über die Situation der Kollegen in Japan zu informieren, bemühten sich sehr besorgte und betroffene Kärcher-Angestellte aus Winnenden lange um Kontaktaufnahme. Ein schwieriges Unterfangen, da die Telefonleitungen zunächst einmal nur für Rettungskräfte freigeschaltet wurden. Am Sonntag klappte es dann doch mit der Kommunikation, in einem kleinen Zeitfenster waren die Leitungen nach Winnenden frei. Derzeit wird auch bei Kärcher in Japan nicht gearbeitet, weil es keinen Strom gibt, keine Internetanschlüsse und eben nur bedingt funktionierende Telefone. Aktiv ist Kärcher in Japan trotzdem, das Unternehmen leistet schon jetzt bemerkenswerte Hilfe.

So werden Bedürftige kostenlos mit Lebensmitteln versorgt, die vorausschauend für solche Ereignisse in mobilen Behältern gelagert wurden. Zudem bekommen diverse öffentliche Einrichtungen, beispielsweise Schulen, Wasseraufbereitungsanlagen gespendet. Gerade in jüngster Zeit ist Kärcher auch auf diesem Produktionssegment stark engagiert. Kenner sprechen von einem bemerkenswerten Wachstum. Nach Angaben von Frank Schad sind diese Anlagen in der Lage, auch aus dem schmutzigsten Wasser, ob nun Süß- oder Salzwasser, trinkfähiges, reines Wasser zu machen. Selbst radioaktiv verseuchtes Wasser könne wieder zu trinkbarem Wasser umgewandelt werden.

Sorgen machte und macht man sich auch bei der ebenfalls weltweit agierenden Firma Andreas Stihl AG & Co. KG mit Hauptsitz in Waiblingen. Dr. Stefan Caspari, Leiter Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei Stihl: „Nach den furchtbaren Naturkatastrophen in Japan stehen wir in ständigem Kontakt zu unseren Tochtergesellschaften vor Ort.“ In Tochigi (nahe Tokio) ist der Sitz der japanischen Stihl-Vertriebsgesellschaft. In Hachimantai (nahe Morioka) befindet sich der Entwicklungsstandort des Vergaserherstellers Zama, der seit 2008 zur Stihl-Gruppe gehört. Hachimantai liegt ebenfalls auf der besonders stark betroffenen Hauptinsel Japans, allerdings etwas weiter weg und im Landesinnern. Caspari: An beiden Standorten sind die Mitarbeiter (82 in Tochigi und 31 in Hachimantai) sowie deren unmittelbaren Familienangehörigen „derzeit wohlauf“, sagte Caspari gestern auf Nachfrage. In Tochigi wurden kleinere Schäden am Gebäude registriert, in Hachimantai sei besonders die Versorgung mit Kraftstoff kritisch. Beide Gesellschaften bleiben diese Woche voraussichtlich geschlossen. Wie die Belegschaft in Japan unterstützt werden kann, wird derzeit in Waiblingen geprüft.

Aus dem Raum Backnang und Murrhardt sind vermutlich weder Firmen noch Mitarbeiter von der Nuklear- und Erdbebenkatastrophe unmittelbar betroffen. Das gilt zumindest für jene sieben größeren Unternehmen, die gestern von unserer Zeitung befragt wurden. Es sind dies die Contitech Kühner & Cie. KG Oppenweiler), die Hermann Erkert GmbH (Sulzbach an der Murr), die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH (Allmersbach im Tal), die Lorch Schweißtechnik GmbH (Auenwald), die Riva GmbH Engineering (Backnang), die Schweizer Group KG (Murrhardt) und die Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG (Backnang).

Übereinstimmend sagten die Sprecher dieser Unternehmen, dass sie keine Geschäftsbeziehungen nach Japan haben. „Das ist ein fast in sich geschlossener Markt“, meinte ein Geschäftsführer, der sonst in viele Teile der Erde erfolgreich Geschäftsverbindungen pflegt. Auf diesem Markt Fuß zu fassen, sei im Vergleich zu manch anderen Wirtschaftsnationen besonders schwierig.

Die Einschätzung, dass relativ wenig Rems-Murr-Firmen betroffen sind, teilt auch Hans-Martin Gayer, Geschäftsführer der IHK in Waiblingen. Exakte Zahlen über Geschäftsbeziehungen von Rems-Murr-Firmen nach Japan liegen der Bezirkskammer nicht vor. In der gesamten Region Stuttgart sind es 470.