Fünf Einweihungen von großer Bedeutung

Wirtschaftsgespräch des Sportkreises Rems-Murr mit Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper

Gleich fünf große Einweihungen von enormer Bedeutung für Backnang und die Region sind laut Frank Nopper nach der Sommerpause erfolgt. Trotzdem ließ Backnangs OB beim Wirtschaftsgespräch auf Einladung des Sportkreises keinen Zweifel daran, dass schwere Zeiten auf die Murr-Metropole zukommen: „Wir stehen am Vorabend einer Finanzkrise, die uns 2010 voll treffen wird.“

„Wenn des Landrats Rechnung nicht aufgeht, dann Gnade uns Gott.“: Oberbürgermeister Nopper zum Thema Krankenhaus. Foto: J. Klein

BACKNANG/MARHÖRDT (jük). Mit dem fertiggestellten Ausbau der B14 von Winnenden bis Nellmersbach, der neuen Sporthalle Katharinenplaisir in Backnang, den Eröffnungen des BayWa-Markts und der Opti Wohnwelt sowie dem Fachgeschäft Gerry Weber zeigt sich, dass die Stadt als Wirtschaftsstandort attraktiv ist, sagte Dr. Nopper im Landhaus Noller des Golfclubs in Marhördt vor 30 interessierten Zuhörern.

„Die BayWa hat ihr Personal von 30 auf 100 Mitarbeiter aufgestockt und ist nun der größte Bau- und Gartenmarkt in Deutschland. Auch die neue Opti Wohnwelt hat 150 Arbeitsplätze geschaffen“, betonte das Stadtoberhaupt. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent liege Backnang im Landesdurchschnitt.

Weitere große Projekte seien schon begonnen oder deren Beginn stünde kurz bevor. Wie die Baumaßnahme am Murrtalviadukt mit Gesamtkosten von 15 Millionen Euro. Für April/März sei mit dem vierspurigen Ausbau der B14 von Nellmersbach zum Alten Schulhaus Maubach mit einem Kostenaufwand von 17 Millionen Euro zu rechnen. Die Anbindung Backnang Mitte schlage mit 4,3 Millionen Euro zu Buche.

Weniger Chancen zur schnellen Realisierung sieht Nopper beim Ausbau des Autobahnzubringers L1115 in Richtung Mundelsheim: „Diese Landesstraße ist zwar die meistbefahrenste Strecke in ganz Baden-Württemberg. Doch aus den einst geplanten 8 Millionen Euro für Verbesserungen sind mittlerweile 48 Millionen Euro geworden.“ Für realistischer hält der OB eine Optimierung der Anbindung der Heinrich-Herz-Straße in Richtung der Landesstraße nach Aspach. Diät- und Schonkost sind für die Zukunft angesagt oder wie es Nopper ausdrückte: „Wir stehen am Vorabend einer Finanzkrise.“ Harte Worte für einen Oberbürgermeister, der als Optimist bekannt ist.

Die ehemalige Landtagsabgeordnete Rosely Schweizer sprach mit dem Krankenhausbau ein Thema an, das als 266-Millionen-Euro-Projekt dem Stadtoberhaupt schwer im Magen liegt: „Die Einschätzung von Landrat Fuchs, dass das Krankenhaus die komplette Zinsen und Tilgung aus dem Betrieb heraus erwirtschaftet und noch Gewinn abwirft, teile ich nicht“, sagte Nopper, der andere Befürchtungen hat: „Allein die drei jetzigen Hospitale im Kreis weisen ein jährliches Defizit von 10 Millionen auf.“ Und ergänzend: „Wenn des Landrats Rechnung nicht aufgeht, dann Gnade uns Gott.“ Allein der Gedanke an die Kreisumlage bereite ihm, Nopper, mehr als nur Magenschmerzen. Auch dass die Stadt in Zukunft mehr für den kommunalen Finanzausgleich zahlen muss, steigerte nicht gerade seinen Appetit.

Mehr Engagement von Johannes Fuchs wünscht sich die Stadt bei der Nachnutzung des Backnanger Krankenhauses: „Hier ist der Wille beim Landratsamt nur schwach ausgeprägt.“ Allein mit einem Gesundheitszentrum ist es für Nopper nicht getan. Das sei zwar die Zukunft, aber Backnang brauche eine effektive Erstversorgung.

Zum Nachtisch servierte das Stadtoberhaupt verbal noch ein Dessert. Einen jahrelang gekochten Wackelpudding, der nun festere Formen annehme. Das Familien- und Sporthallenbad beim Freibad soll endlich umgesetzt werden: „Wir werden in Kürze an die Öffentlichkeit gehen und die Bürger informieren.“ Etwas Überzogenes werde das 14- bis 16-Millionen-Euro-Projekt nicht werden. Allein das Wort Spaßbad schmeckt ihm in diesem Zusammenhang gar nicht. Schließlich müsse die Stadt die Zeche zahlen.