Spätere Realisierung, viel höhere Kosten

Mit dem B-14-Weiterbau und dem Tunnel Waldrems, dem B-14-Anschluss Backnang-Mitte und dem L-1115-Ausbau gibt’s Probleme

Gute Nachrichten verkündete die Stadtverwaltung nicht, als sie den Gemeinderat über den Stand bei verschiedenen Straßenbaumaßnahmen informierte. Für den Weiterbau der B14 bis Waldrems und den B-14-Anschluss Backnang-Mitte gilt laut OB Nopper: Beides kommt, aber später und viel teurer als geplant. Eine Realisierung des Ausbaus des Autobahnzubringers (L1115) sei nicht abzusehen.

Verzögert sich und wird viel teurer: Der vierspurige B-14-Weiterbau bis Waldrems und der Tunnel unterhalb der Kreuzung mit dem anschließenden Straßenstück bis zum alten Schulhaus vor den Toren Maubachs (oben).Archivfoto: F. Muhl

Von Steffen Grün

BACKNANG. Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper berichtete dem Kommunalparlament zu Beginn von einem Besuch beim Regierungspräsidium noch vor der Landtagswahl. Man habe den Ausbauwünschen dabei „nochmals Nachdruck“ verliehen, betonte der Rathauschef und fuhr fort: „Wir gehen bei unseren Ausführungen davon aus, dass das vor der Landtagswahl unter der alten Landesregierung Gesagte und Angekündigte auch heute noch gilt.“

Die Nachricht vom Weiterbau der B14 war für Backnang ein vorgezogenes, überraschendes Weihnachtsgeschenk. 17 Millionen Euro hatte der Bund bewilligt, um mit dem Straßenbau beginnen, den Knotenpunkt in Waldrems beseitigen und mit den Planungen für den Tunnel fortfahren zu können. Der Betrag sollte reichen, um die B14 letztlich bis zum alten Schulhaus vor Maubach auszubauen. Nun zeichnet sich ab: Es ist gerade einmal genug Geld, um den Straßenabschnitt bis Waldrems zu bauen. Der soll etwa 18 Millionen Euro kosten, während für den Tunnel Waldrems etwa weitere 22 Millionen Euro berappt werden müssen. Die deutliche Kostensteigerung hängt mit den komplizierten Baugrundverhältnissen zusammen. Ein Tunnel mit Stützwand reicht nicht aus, sondern es ist eine sogenannte weiße Wanne nötig, um den Tunnel vom Grundwasser abzuschirmen, erklärte Hans Claus vom Stadtplanungsamt auf BKZ-Anfrage.

„Die Finanzierung für den Straßenteil ist gesichert“, unterstrich Stadtplanungsamtsleiter Stefan Setzer im Gemeinderat. Sobald der Bund die Mittel freigibt, kann mit der europaweiten Ausschreibung begonnen werden. Mitte des Jahres soll es so weit sein. Die Vergabe könnte Ende 2011, Anfang 2012 erfolgen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. Dann wäre der Knotenpunkt an der Kreuzung Waldrems insoweit entzerrt, dass ins Gewerbegebiet schon vorm Ortsschild links abgebogen werden kann. Weiter fahren nur Fahrzeuge, die auf der B14 bleiben oder ins Weissacher Tal abbiegen wollen.

Wie der Tunnel finanziert wird, ist derzeit noch nicht klar. Stellt der Bund die zu beantragenden Mittel bereit, könnte laut Claus nach Fertigstellung des Straßenteils, also im Bestfall Ende 2012, Anfang 2013, die europaweite Ausschreibung erfolgen. Die Bauzeit betrage drei bis vier Jahre. 2016 wird es also ganz bestimmt. Für Dr. Volker Schwarze, den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat, steht fest, dass der Weiterbau nur mit dem Tunnel und einem Kreisel an der Stelle der aktuellen Kreuzung Sinn macht: „Uns ist es wichtig, dass weitergebaut wird.“ Sein SPD-Pendant Heinz Franke warf die Frage auf, „wie gewissenhaft Planung betrieben wird“, wenn plötzlich Schwierigkeiten im Untergrund bemerkt werden. Setzer verwies auf die zuständigen Stellen, betonte aber: „Es erscheint schwierig, die Bauwerke Straße und Tunnel zu trennen.“ Daniel Mouratidis (Grüne) dachte schon einen Schritt weiter: Wenn die B14 und die L1115 komplett ausgebaut seien, habe man quasi einen Nordostring und es stelle sich die Frage nach der Maut. OB Nopper entgegnete ihm, in der Hinsicht sei noch nichts unternommen worden, man habe ja noch keine vierspurige Straße auf Backnanger Gemarkung, aber „eine Bemautung der Bundesstraßen wäre positiv“.

Wie der B-14-Weiterbau sich verzögert, so verteuert sich auch der Bau des B-14-Anschlusses Backnang-Mitte. Das wurde im Rahmen der jüngsten Umwelt- und Verkehrsausschusssitzung des Kreistages bekannt (wir berichteten). Dr. Lutz-Dietrich Schweizer (CIB) findet es „unglaublich“, was sich die Kreisräte an Erklärungen – zum Beispiel die Altlasten in der ehemaligen Müllkippe Etzwiesen und die Felsbänke – bieten lassen. Solche Dinge hätten doch bekannt sein müssen, schimpfte Schweizer. Ende 2011 sollen die Bagger anrollen. Im Frühjahr 2013 soll das nun 8 statt 5 Millionen teure Projekt abgeschlossen sein. „Außerordentlich ärgerlich“ nannten es Nopper und Setzer, dass zwischen der Inbetriebnahme der Biomasseanlage in Neuschöntal und der Verkehrsfreigabe für den B-14-Anschluss, über den die Müllfahrzeuge die Anlage erreichen sollen, etwa ein Jahr liegen wird.

Aus drei Planungs-, Bau- und Finanzierungsabschnitten besteht der dreistreifige Ausbau des Autobahnzubringers (L1115). Laut Stefan Setzer stehen bereits fürs erste Teilstück zwischen der Einmündung Kleinaspach und Forsthof stolze 15,5 Millionen Euro im Raum. Es gibt „keine konkrete Finanzierungsabsicht“, betonte der Chefstadtplaner. Anders ausgedrückt: Die Realisierung, erst recht die der weiteren Teilstücke, steht in den Sternen. – Es waren eben keine guten Nachrichten, die die Stadtverwaltung zu verkünden hatte.