Hoffnung für 82000 geplagte Pendler

Sanierung des Wagenmaterials auf der Murrbahn: Innen werden die Wagen bald nicht mehr wiederzuerkennen sein

Sieben Millionen Euro investiert die Bahn in diesem Jahr in die Murrbahn. Damit soll vor allem das Wagenmaterial sowie die Qualität und der Komfort für Kunden verbessert werden. In einer Informationsveranstaltung im Stuttgarter Hindenburgbau wurde die Maßnahme als zunächst erster Schritt und Übergangslösung vorgestellt.

„Rollende Geschichtswerkstatt“: Das alte Wagenmaterial auf der Schiene wird saniert und soll irgendwann ausgedient haben.Foto: E. Layher

Von Mathias Klink

BACKNANG/STUTTGART. Pikanterie am Rande: Aufgrund einer Weichenstörung im Backnanger Bahnhof kam der Zug mit Bürgermeistern der Anliegergemeinden sowie Pressevertretern schon mal mit Verspätung in Stuttgart an.

„Es ist ordentlich, was wir auf die Beine gestellt haben“, ließ Andreas Moschinski-Wald als Vorsitzender der Regionalleitung Baden-Württemberg der DG Regio AG die Anwesenden dann im Hindenburgbau wissen. Seinen Worten zufolge werde die sieben Millionen Euro teure Sanierung ausdrücklich eine Übergangslösung sein. Es soll neue Wagen geben, doch bis es soweit ist, wird das bestehende Wagenmaterial saniert und „deutlich verbessert“.

Moschinski-Walds Aussage nach waren vor allem die Landräte Fuchs und Bauer ein „Stachel im Fleisch“. Sie hätten in anschaulicher Schilderung stets verdeutlicht, wie sehr die Bevölkerung unter der schlechten Qualität leide. Gerhard Bauer zeigte sich in seinem Grußwort dankbar über die in den letzten Jahren kontinuierlich verbesserte Zusammenarbeit mit der Bahn. Er wünschte sich, dass „global denken – lokal handeln“ weiterhin Slogan der DB bleibe. Der Haller Landrat bezeichnete die Qualität der Bahn als wichtiges Anliegen, worin das Wagenmaterial eine herausragende Bedeutung für die Pendler darstelle. Auch er freute sich über die Investition, wodurch als erste Etappe eine wichtige qualitative Verbesserung erreicht werde. Neben der Anschaffung neuer Wagen als zweiten Schritt nannte er die Beseitigung des Engpasses Fornsbach als weiteres vorrangiges Ziel. Eine „rollende Geschichtswerkstatt“ in einer Metropolregion charakterisierte Johannes Fuchs als unbefriedigenden Zustand. Er gab ferner seiner Hoffnung Ausdruck, dass das durch beharrliche Bemühungen nun angekündigte „Re-Design“ alter Wagen kein dauerhaftes Provisorium werde. In diesem Zusammenhang bezeichnete er auch die mögliche Situation nach Ablauf des Verkehrsvertrages im Jahre 2016 als „spannende Frage“.

82000 Pendler täglich auf Murr- und Remsbahn hätten Fuchs zufolge Anspruch auf Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Komfort. Dies habe in den letzten Jahren oft zu wünschen übrig gelassen. Der Landrat bat die Verantwortlichen auch, ihre Aufmerksamkeit den Bahnhöfen, Bahnsteigen und Unterführungen als Visitenkarten der Gemeinden zu widmen. Eine attraktive und zuverlässige Bahn sei das Rückgrat der Mobilität.

Organisatorische Neuigkeiten wurden von Hans-Wolfgang Karl vorgestellt. Bei drei neuen Teilnetzmanagern habe der für die Murrbahn zuständige Daniel Däubel als Manager nach außen und Kümmerer nach innen „immer ein offenes Ohr“, versicherte er. Bei seiner anschließenden kurzen Vorstellung verstand sich der 31-Jährige daher dann ebenfalls als „Anwalt der Kunden“. Maßnahmen hinsichtlich der Qualitätssteigerung, Sicherheit und Sauberkeit erläuterte Bernd Angermann.

Neben 25 neuen Kundenbetreuern sowie zusätzlichen Zugbegleitern in den Abendstunden zählte er dazu auch eine zügige Schadensbeseitigung und Instandsetzung. Ziel sei die Sicherstellung eines bezüglich Sauberkeit und Funktionsfähigkeit hohen Niveaus. 180 Normal- und 60 Doppelstockwagen sollen in den Genuss der Modernisierung kommen. Über die konkrete Ausführung konnten sich die Interessierten dann im Instandhaltungswerk Stadtpark Stuttgart vor Ort ein Bild machen. In der 1958 erbauten, 220 Meter langen Werkstatt werden auf drei Gleisen jährlich etwa 450 Reisezugwagen betreut. Im Zwei-Schicht-Betrieb sind dort 70 Mitarbeiter beschäftigt. Im Zuge der Re-Design-Maßnahmen werden in den zu überarbeitenden Wagen zunächst die Sitze und Polster bis auf das blanke Gestell abgebaut. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine umfassende Reinigung, bevor – je nach Bedarf – auch Fußböden, Gepäckablagen, Wandverkleidungen oder Toiletten ausgebessert oder gar ersetzt werden. Anschließend werden die sehr ansprechenden und bequemen neuen Sitze, Polster und Kopfteile eingebaut. Für einen Wagen rechnet man dabei im Normalfall eine Durchlaufzeit von zwei Wochen; in der Regel rollt ein Waggon laut Angermann etwa 48 Jahre lang über die Schienen der Deutschen Bundesbahn.